Impeachment: Evangelikale, Breitbart & FOX vs. Trump

Amtsenthebungsverfahren gegen Donald Trump
Trump sollte aus dem Amt entfernt werden

Das Amtsenthebungsverfahren gegen US Präsident Donald Trump hat die erste Hürde genommen. Das von den Demokraten dominierte Repräsentantenhaus des US Kongresses hat das Verfahren angenommen.

Alle Welt sagt, dass das Impeachment nicht durch den Senat des Kongresses kommen würde, da dort die Republikaner Trumps die Mehrheit haben. Das sieht bisher so aus.

Nun haben sich jüngst zwei kleine Sensationen ereignet, die zu einer längeren Entwicklung beim Sender FOX NEWS passen, dem langjährigen Haus- und Hof-Sender von Trump. Eins nach dem anderen:

Evangelikale gegen Trump

Die erste Sensation: Die Zeitschrift Christianity Today („Christenheit heute“) hat sich vehement für die Amtsenthebung von Trump ausgesprochen. Diese Zeitung wird von dem mehr als populären Prediger Billy Graham herausgegeben. Graham und seine Zeitung richten sich seit jeher an die konservativen amerikanischen Christen. Diese Wählerschaft ist äußerst wichtig für Trump.

Der Chefredakteur der Christianity Today, Mark Gelli, schreibt:

Die Fakten sind in diesem Fall eindeutig: Der Präsident der Vereinigten Staaten versuchte seine politische Macht zu nutzen, um einen ausländischen Führer zu zwingen, einen seiner politischen Gegner zu diskreditieren.

Das ist nicht nur ein Verstoß gegen die Verfassung, sondern vor allem zutiefst unmoralisch.

Präsident Trump hat seine Autorität für persönliche Vorteile missbraucht und seinen verfassungsmäßigen Eid verraten.

Wir haben uns seit Jahren mit dem Urteil über Mr. Trump zurückgehalten. Einige haben uns für unsere Zurückhaltung kritisiert.

Aber […] es ist Zeit, das Kind beim Namen zu nennen.

Wir haben es mit einem Haufen von grober Unanständigkeit und ethischer Inkompetenz zu tun.


Breitbart testet Beziehung zu Trump

Die zweite Sensation: Das ebenso populäre wie radikal rechts-konservative Magazin Breitbart gibt den Bericht der Christianity Today wider, ohne ihn zu werten.

Breitbart wurde zu Zeiten des Wahlkampf von Trump von Steve Bannon gesteuert. Bannon war daneben zuerst Wahlkampfleiter und dann strategischer Berater von Präsident Trump im Weissen Haus. Breitbart war das Leitmedium, das Donald Trump maximal unterstützte, neben Rupert Murdoch’s FOX NEWS. Steve Bannon blieb bis zu seinem Weggang von Breitbart der Stichwortgeber. Am positiven Tenor zu Trump hat sich trotz zwischenzeitlicher Sticheleien nichts geändert.

Wenn Breitbart nun einen Bericht wiedergibt, der die Amtsenthebung von Trump fordert ohne ihn abfällig zu kommentieren, ist das sehr bemerkenswert. Das gilt auch dann, wenn das Impeachement selbst abfällig als „Pelosi Stunt“ bezeichnet wird. Breitbart testet schlicht, wie kostspielig eine Distanzierung von Trump ist: Wie viele Leser gehen mit, wie viele nicht?

FOX NEWS distanziert sich von Trump

Das rechts-konservative Nachrichtenmagazin FOX NEWS war lange Zeit eine starke Unterstützung für Donald Trump. Der Medienmogul, Multi-Milliardär und FOX NEWS-Besitzer Rupert Murdoch ist persönlicher Freund von Donald Trump. Murdoch senior gibt allerdings die Führung seines Imperiums an seinen Sohn ab. James Murdoch ist bereits CEO, und hat eine andere, deutlich kritischere Haltung zu Trump.

Das dürfte ausschlaggebend dafür sein, das FOX seit geraumer Zeit immer kritischer gegenüber Trump auftritt. FOX ist ein Massenmedium und wichtig für die Stimmung in der konservativen Wählerschaft. Zuletzt hat einer der FOX- Stars, Chris Wallace, einen Frontalangriff gegen Trump gestartet:

Ich glaube, dass Präsident Trump in den direktesten nachhaltigen Angriff auf die Pressefreiheit in unserer Geschichte verwickelt ist.

Er hat alles getan, was er konnte, um die Medien zu unterminieren, um zu versuchen, uns zu delegitimieren, und ich denke, seine Absicht ist klar: Zweifel zu wecken, wenn wir kritisch über ihn berichten.

Gut in Erinnerung blieb auch die massive Attacke des altgedienten FOX Kommentators Tucker Carlson auf Trump. Schon im Dezember 2018 sagte er:

Trump ist unfähig.

Er weiß sehr wenig über den Gesetzgebungsprozess, hat nichts gelernt, hat sich nicht mit Leuten umgeben, die es schaffen können, hat nicht alle Dinge getan, die man tun muss, also ist es hauptsächlich seine Schuld, dass er nicht erreicht hat [was er im Wahlkampf versprochen hat]

Alle drei Entwicklungen:

– die Abkehr eines Teils der Evangelikalen,
– das Testen von Breitbart wie weit man von Trump weggehen kann und
– die längst offene Kritik von FOX NEWS

sind eine Bedrohung für Donald Trump.

Je nach Ausmaß dieser Entwicklungen werden sich die republikanischen Senatoren beeinflussen lassen. Niemand kann es sich mit einer breiten Basis verscherzen.

Es könnte noch spannend werden im Amtsenthebungsverfahren.

Ob Israel vorzeitig auf seinen unberechenbar treuesten Freund verzichten muß?

— Schlesinger