Riesige Erdgasvorkommen in USA abbaubar

Besser könnten die Umstände nicht sein für Barack Obamas Pläne, Amerika zunehmend unabhängig zu machen von ausländischem Öl.

In Louisiana’s Haynesville Shale (Shale: Schieferformation) befinden sich natürliche Gaslager, die Schätzungen zufolge das Energie-Äquivalent zu 33 Milliarden Barrel Öl darstellen oder – in zeitlicher Dauer ausgedrückt – die Energieversorgung der USA für 18 Jahre sicherstellen können.

Zusammen mit weiteren Funden in Texas, Arkansas und Pennsylvania könnte der Erdgasbedarf der USA für die nächsten 100 Jahre gedeckt werden (auf Basis derzeitigen Bedarfs).

Bis vor kurzem war man noch davon ausgegangen, dass die Förderung von Ergas aus heimischem Boden weiter zurückgehen werde. Der Höhepunkt der Gasförderung in den USA lag in den Siebziger Jahren. Seit dem ging die Produktion in unstetigem Verlauf zurück.

US Energieversorger setzten auf Gasschwemme aus dem Irak

Die amerikanischen Energieversorger ConocoPhillips, El Paso Corp. und Cheniere Energy Inc. vertrauten ab 2002 vermutlich auf massive Importmöglichkeiten von verflüssigtem Gas und investierten erhebliche Summen in Umladeterminals, Pipelines und Läger.

Die Lagerstätten von Haynesville waren zwar grundsätzlich bekannt, doch erschien ein Abbau bis vor kurzem nicht wirtschaftlich. Die Bohrungen müssen bis 10.000 Fuß Tiefe (ca. 3 km) und die Temperaturen dort unten betragen 300 Grad C. Das stellt an jede Bohrausrüstung größte Anforderungen. Aufgrund der Verbesserung der Technik ist man inzwischen optimistisch und traut sich einen Abbau im großen Stil zu.

Hinzu kamen die steigenden Öl- und Gaspreisen des Jahres 2008. Diese Kombination hat inzwischen ein kleines Klondike-Fieber wie im 19. Jahrhundert ausgelöst.

Für Mai diesen Jahres wird vom Energie- und Haushaltsausschuss des Repräsentantenhauses eine ambitionierte Gesetzesvorlage zur Reduktion von Treibhausgasen erwartet. Die jüngsten Erdgasfunde kommen dieser Initiative sehr entgegen.

Über die neue Entwicklung freuen sich nun all jene Investoren, die darauf warten, dass Amerika die energiepolitische Wende vollzieht, die in Al Gores wegweisender Rede über „100 Prozent Erneuerbare Energien in 10 Jahren“ gefordert wurde. Dazu gehört etwa der durch Öl zum Milliardär gewordene T. Boone Pickens. Der sieht neben den Geschäftsaussichten berechtigterweise auch die wichtigen Sicherheitsaspekte. Warum die Förderung heimischen Gases wichtig sei? Darum:

Just ask Europe. This January in the dead of winter, Russia slashed natural gas shipments to the Ukraine and Western Europe and completely cut off the Balkans and Turkey over a contract dispute. How did the European Union respond? By telling the Russians that their actions were „completely unacceptable.“ Hell of a response.

Das Repräsentantenhaus hat Anfang April ein ergänzendes Gesetz eingebracht, das alle Bedingungen die Logistik von Erdgas betreffend verbessern soll (H.R. 1835 Legislation for the transportation of natural gas).

Es tut sich einiges drüben.

— Schlesinger