Rush Limbaugh: USA unter Attacke der Demokraten

Kaiser Wilhelm II. rief zum Auftakt des Ersten Weltkriegs den sofort berühmt gewordenen Satz aus „Ich kenne keine Parteien mehr, ich kenne nur noch Deutsche!“

So zweifelhaft die Umstände und die Intentionen der Parole gewesen sein mögen: Sie dienten dazu, in Zeiten einer großen Krise das Volk hinter sich zu scharen.

Mit milderen Mitteln versucht US Präsident Obama Ähnliches zu erreichen. Die amerikanische Bevölkerung soll sich angesichts der größten Krise seit Jahrzehnten einig zeigen und sich gemeinsam durchkämpfen.

Die Republikaner sehen das vollkommen anders. Die acht Jahre republikanische Regierung unter George W. Bush sollen schlecht gewesen sein?

Falsch, vollkommen falsch!

Auf dem nun zu Ende gegangenen, jährlich stattfindenden republikanischen CPAC-Kongress, sprach zum Abschluß kein Geringerer als der amerikanische Goebbels, Rush Limbaugh.

I want president Obama to fail!

Mit diesem kürzlich in einem FOX-Interview geäußerten Satz erregte Limbaugh große Empörung:

So I shamelessly say, no, I want him to fail, if his agenda is a far- left collectivism, some people say socialism, as a conservative heartfelt, deeply, why would I want socialism to succeed?

Zwar hat er noch den Bedingungssatz dazu gestellt „wenn Obamas Agenda die eines weit links angesiedelten Sozialismus wäre“, aber Limbaugh wäre nicht Limbaugh, um das an den Reaktionen erkannte Potential seiner Äußerung nicht voll ausschöpfen zu wollen. Also liess er die Bedingung weg, als er seine CPAC-Rede hielt.

Ja, er will Obama scheitern sehen. Warum? Weil der ein Liberaler ist. Nach Kommunist und Schwul-Sein die existentiellste Bedrohung für einen Redneck wie Rush.

Wollten die Demokraten etwa nicht, dass der Krieg gegen den Irak verloren gehe? Hätten sie vielleicht nicht auch noch erklärt, der Krieg im Irak sei bereits verloren? Hätten die Demokraten etwa nicht General Petraeus einen Lügner geheissen?

Wollten die Demokraten vielleicht nicht, dass George W. Bush scheitert?

All diese Fragen wurden seitens des Publikums mit dröhnenden Buh- beziehungsweise Zustimmungsrufen beantwortet.

Und heute: Wie könne man für eine aufgeblähte Regierung sein, oder Wohlstand ausgeben, den man noch gar nicht verdient habe?

Was also sollte falsch daran sein, wenn man sagt, man wolle Obama scheitern sehen?

(Einfache Antwort von uns: Weil es dann bis auf weiteres niemanden mehr geben würde, der das langfristige Scheitern der USA aufhalten könnte. Würde das  laufende Jahr – unter tätiger Beihilfe der Republikaner – tatsächlich „scheitern“, wären keinerlei Reserven mehr übrig, damit irgend jemand das Land retten könnte.)

Dolchstoßlegende auf amerikanisch

So aber bleibt die Feststellung, dass ein nicht unwesentlicher Teil der Grand Old Party in acht Jahren Prägung durch Bush / Cheney zu einer ideologischen Weltanschauungspartei radikaler Prägung verkommen ist, die mit ihren hehren Grundsätzen lieber das ganze Land untergehen lassen würde, als der anderen Seite wenigstens für eine gewisse Zeit eine Chance zu geben.

Limbaugh hat sich damit zum revisionistischen Ludendorff* der GOP gemacht:

We are in for a real battle. We are talking about the United States of America… remaining the country we were all born into and reared and grown into. And it is under assault [unter Attacke], it has always been under assault. But it has never been under assault like this, from within.“

Das ist nichts anderes als die US-Fassung der deutschen Dolchstoßlegende. Die USA wären nach Limbaugh und seinen Gesinnungsfreunden niemals auf die schiefe Bahn geraten, wären da nicht die Demokraten gewesen, die das Vaterland hinterrücks erdolcht hätten. Und just diese Clique, so geifert Limbaugh dem ganzen Tonfall nach, sei nun an der Macht (man sehe sich das Video an, zu sehen auf der Huffington Post).

Der Nobelpreisträger Paul Krugman stellte vor wenigen Tagen in seiner Kolumne in der New York Times die Frage, wer die Schmerzen (der Krise) lindern könnte?

Eins ist sicher: Die Republikaner nicht. Sie ergötzen sich fürs erste an größeren Schmerzen.

— Schlesinger

* Generaloberst Ludendorff von der Obersten Heeresleitung kolportierte den ursprünglich von einem britischen General geäußerte „Dolchstoßlegende“, wonach das deutsche Herr im Felde unbesiegt geblieben, aber von der Heimat (= Sozialisten, Kommunisten) erdolcht worden sei.

(Photo: Knuckledragger)
(Grafik: ghwk, Bearbeitung durch T.A.B.)