BND in Bagdad oder: Wenn ich General Franks wäre

März 2003. Die US-Streikräfte hatten sich monatelang auf den Krieg gegen den Irak vorbereitet.

Am 19. März schliesslich begann die Operation, die zur Entmachtung von Saddam Hussein führen und die Gefahr irakischer Massenvernichtungswaffen beseitigen sollte.

Deutschland hatte sich unter Bundeskanzler Schröder vehement gegen eine Beteiligung am Krieg gewendet. Dabei blieb es auch. Schröder, so lautete damals der Vorwurf der Opposition unter Angela Merkel, habe den deutsch-amerikanischen Beziehungen dadurch großen Schaden zugefügt.

Daran stimmte so viel, als Deutschland nicht nur seine Beteiligung verweigerte, sondern sich auch mit Frankreich ins Benehmen setzte, um Front gegen die amerikanischen Angriffspläne zu machen.

Das Verhältnis zwischen Präsident Bush und Gerhard Schröder wurde ein Mißverhältnis.

Nicht viel besser dachte man in militärischen Kreisen vom deutschen Verbündeten.

Der damalige Oberbefehlshaber der US Streitkräfte war Viersternegeneral Tommy Franks.

Franks hatte in den langen Vorplanungen gegenüber Verteidigungsminister Donald Rumsfeld immer dafür plädiert, die Truppenstärke nicht zu niedrig anzusetzen. Rumsfeld und Bush wollten einen „schlanken Krieg“, um ihn in der Öffentlichkeit besser verkaufen zu können. Derselben Auffassung wie Franks war auch Außenminister Powell, der schließlich Chef des Stabes zu Zeiten des ersten Golfkriegs („Desert Storm„) war und damals erfolgreich eine beeindruckende Streitkraft zusammenstellte, bevor es zum Kriegsbeginn kam.

Einem deutschen Bündnispartner, der in 2003 keinen militärischen Beitrag leisten wollte, stand man mit größtem Mißfallen gegenüber.

Was nun den Beitrag der deutschen BND-Agenten anbelangt, so dürfte der mächtig aufgebauscht worden sein.

Das macht aber nichts, solange sich die Angelegenheit politisch nutzen lässt. Norman Paech, der Obmann der Linken im Untersuchungsausschuss, sieht großen Unrat und schenkt den jüngsten Einlassungen von Tommy Franks uneingeschränkt Glauben:

„Es wäre ein großer Fehler, den Wert der Informationen zu unterschätzen, die die Deutschen geliefert haben“, erklärte Franks.
„Diese Jungs waren unbezahlbar.“

Was für ein Zufall, dass dieser Kommentar von Franks wie eine Präzisionsbombe zielgenau und zeitgerecht vor dem heute tagenden Ausschuss abgegeben wurde.

Wäre ich Franks, so würde ich diese kleine kalte Rache – denn nichts anderes ist es – den damaligen „Verweigerern“ ebenfalls mit Genuss servieren und mich daran ergötzen, wie man mit ein paar dürren Sätzen den ehemaligen Widersacher – denn das war Steinmeier als Kanzleramtschef zweifelsfrei – heute in erhebliche Nöte bringen kann.

Viel Lärm um Nichts.

— Schlesinger

Weitere aktuelle Hinweise zum geringen Beitrag der deutschen Agenten liefert die Berliner Morgenpost.

(Photo: andyz)