Big Bosse von GM, Ford, Chrysler – ganz klein

Da stehen sie vor dem Senatsausschuss, die sogenannten großen Bosse von Ford, GM und Chrysler und sind ganz kleinlaut.

Rick Wagoner (GM), Alan Mulally (Ford) und Robert Nardelli (Chrysler) saßen nun bereits zum zweiten mal binnen zwei Wochen in einer Anhörung. Nur dieses mal war es schlimmer.

Waren sie zum ersten Termin noch mit unverkennbarer Drohgebärde gekommen – wenn Ihr uns nicht stützt, fällt die ganze US Wirtschaft – waren sie bei diesem Termin fast nur noch unterwürfige Bittsteller, zerknirscht und schlohweiß.

“Wir sind gekommen, weil wir Fehler gemacht haben, aus denen wir nun lernen“, so General-Motors-Chef Rick Wagoner.

Und „Yes, Sir“ erwiderte Bob Nardelli ein ums andere mal auf die scharfen Fragen des Vorsitzenden des Finanzausschusses Barney Frank, wenn es darum ging, Versäumnisse einzuräumen.

Ein „Yes“ kam auch von allen drei Vorsitzenden auf die Frage vom Chef des Bundesrechnungshofes Gene Dodaro, ob sie sich einer „klaren und konsistenten stattlichen Kontrolle“ unterwerfen würden.

Leider eine sehr späte Reue. Seit Jahren haben die US Riesen im Autogeschäft den Anschluss an Zukunftstechnologien verpasst und blieben beharrlich bei ihren ineffizienten Produktlinien.

Nur das Jammern war immer groß, als Toyota Monat für Monat zulegte und sich schließlich in der Gesamtzahl der produzierten Fahrzeuge an die Spitze setze.

25 – 34 – 125

Vor dem ersten Termin ging es noch um 25 Milliarden Dollar Finanzhilfen. Dieser Betrag hatte sich binnen zwei Wochen um satte 9 Milliarden erhöht. Der Heißhunger der drei Großen beziffert sich nun  auf 34 Milliarden.

Dabei könnte es vielleicht nicht bleiben. Dr. Mark Zandy, Chefökonom der Ratingsagentur Moody’s, zeigte als eingeladener Gutachter in der Anhörung wenig Entgegenkommen. Der Finanzbedarf könne leicht auf 125 Milliarden steigen. Zandy sagte übrigens im Winter 2005 eine krisenhafte Zuspitzung des Immobilienmarktes voraus:

I do think housing is peaking and will be measurably weaker a year from now. […]

We are creating a lot of jobs, but, of course, all that brings is higher interest rates, and the higher rates are going to be very hard on the housing market.

Wenig Verständnis kam auch vom Mehrheitsführer der Demokraten im Senat, Harry Reid. Die Hilfe sollte seines Erachtens aus dem bereits für die Banken geschnürten 700 Milliarden Paket kommen.

Nachdem bereits Nancy Pelosi, die Führerin der Demokraten im Repräsentantenhaus, kürzlich plausible Pläne gfeordert hat, bevor Geldmittel gewährt werden könnten, schloß sich dem auch der republikanische Vorsitzende des Bankenausschusses Richard Shelby an.

Fusion als Rettung

In ihrer Not schlagen nun Chrysler und General Motors eine Fusion vor. Dabei könnten bis zu zehn Milliarden Dollar eingespart werden, wobei die Details der Sparpotenziale unklar sind.

Kritik dazu kommt vor allem von Seiten der Gewerkschaften und namentlich von Gewerkschaftschef Ron Gettelfinger, der dahinter lediglich massenhafte Entlassungen wähnt.

Schon jetzt sehen die Arbeitnehmer erhebliche Einschnitte aus sich zukommen wie etwa Stundungen von Zahlungen an die Gesundheitsfonds in Höhe von mehreren Milliarden Dollar oder Aussetzen der „Job-Banks“, die entlassenen Arbeitnehmern Übergangsgelder bis zu 95% der letzten Bezüge zahlt, wovon 3500 Arbeitsnehmer betroffen sind.

Chrysler hat im Oktober die Entlassung von 5000 Mitarbeitern angekündigt.

Größtes Risiko Mensch

Das größte Risiko in der Frage nach staatlicher Hilfe für die drei liegt wie so oft im Faktor Mensch. Nach dem bisherigen Verlauf der Krise darf bezweifelt werden, ob man den Darlegungen der Herren Wagoner, Nardelli und Mulally Vertrauen schenken darf. Es sind Kapitäne von sinkenden Schiffen, die nicht wie die Titanic von einem Eisberg gerammt wurden sondern jahrelang auf ihn zusteuerten.

Sie befanden sich schon früher in Krisen, die sie kaum zu meistern wußten. Wer aber jahre- und jahrzehntelang unflexibel und weitgehend beratungsresistent seine fehlerhafte Strategie (ist es überhaupt Strategie oder nur Durchwursteln?) fortsetzt und dabei sich und der Welt vorgaukelt, alles im Griff zu haben, dabei weiterhand die Hand offenhält für mehr und mehr Kredite, hat letztlich nichts anderes als den Untergang verdient, um das Wenigste zu sagen.

Stellt sich nur die Frage, wie man die Spreu vom Weizen trennen kann. „Nichts tun ist keine Option“ hört man dieser Tage oft angesichts der Krise. Ein „Tun“ muss in der Auswechslung des Managements bestehen.

Ob Robert Nardelli auch dieses mal mit einer üppigen Abfindung in Höhe von 210 Millionen Dollar gehen darf? Diese Prämie erhielt er Anfang letzten Jahres zum Abschied von der größten Baumarktkette der USA, Home Depot, die er in eine handfeste Krise gelenkt hatte. Immerhin hatte Nardelli gute Freunde. Er veranstaltete für George W. Bush ein Fundraising-Dinner in den Wahlen von 2004. Schon zuvor war er von ihm in den Ausschuss Council on Service and Civic participation berufen worden. Gute Freunde braucht der Mensch.

Nobelpreisträger Paul Krugman liefert düstere Prognose

Krugman, der diesjährige Gewinner des Nobelpreises für Wirtschaft, hat auf der heutigen Pressekonferenz vor der feierlichen Preisverleihung einen düsteren Ausblick auf die wirtschaftliche Lage des kommenden Jahres gegeben. Das Tempo der nun eintretenden Prozesse sei so atemberaubend schnell, dass er nicht wisse, wie die Hilfsmaßnahmen ausreichend rasch greifen sollten.

Hinsichtlich der angeschlagegenen Automobilkrise sparte er nicht an Kritik, verneinte die Hilfspakete und urteilte, man müsse sich wohl auf das Verschwinden eines ganzen überholten Industriezweiges einstellen:

„It’s…the unwillingness, I believe a correct lack of willingness, to accept the failure of a large industrial sector — even if it’s an industrial sector in decline — in the midst of a very very severe recession.“

In the end these companies will probably disappear.

Und die Bundesregierung hat ein Konjunkturprogrämmchen aufgelegt, bei dem man sehen müsse, wie es wirke, so die Kanzlerin.

Ja, wir werden der entschlossenen Politik von Fr. Merkel zusehen, bis uns Sehen und Hören vergeht.

— Schlesinger

Firmenprofile

General Motors
266.000 Beschäftigte in 35 Ländern. In 2007 produzierte Fahrzeuge: 9,37 Mio. 4,3 Mrd. Dollar Verlust in 2007. Zu GM gehören Opel, Vauxhall (England), Saab (Schweden), Cadillac, Chevrolet, Buick, Hummer und Pontiac.

Ford80.000 Beschäftigte in den USA, 30.000 in Deutschland. 5,2 Mrd. Dollar Verlust in 2007. Zu Ford gehören Lincoln, Mercury, Volvo und Mazda.

Chrysler
49.000 Beschäftigte. Seit der Übernahme von Daimler im Besitz des Investors Cerberus. Zu Chrysler gehören Jeep und Dodge.

(Photo: burnworks)
(Photo: Mike Licht)