Bush bedauert Irakkrieg

Zum Ende seiner Amtszeit wirkt Präsident George W. Bush wie ein gebrochener Mann.

In einem Interview mit dem Fernsehsender ABC bedauerte Bush seine Entscheidung für den Irakkrieg. Es sei der größte Fehler gewesen, den er gemacht habe:

„biggest regret of all the presidency.“

Nach 9/11 sei das Land geeint gewesen, aber er habe nichts daraus machen können. Er wollte den Ton in Washington ändern, aber das sei ihm nicht gelungen:

„9/11 unified the country, and that was a moment where Washington decided to work together,“ he said.

„I think one of the big disappointments of the presidency has been the fact that the tone in Washington got worse, not better.“

Ist Bush damit ein geläuterter Mann? Keineswegs. Denn er nimmt die Schuld nicht auf sich, sondern zeigt hinsichtlich des Kriegs in der seinem Naturell entsprechenden Schwäche auf die „fehlerhaften Informationen“ der Geheimdienste.

Außerdem seien zahlreiche Mitglieder des Kongress ebenfalls davon überzeugt gewesen, dass der Irak über Massenvernichtungswaffen verfügte.

Das mag sein. Dennoch bleibt die Tatsache, dass Präsident Bush als Führer der Exekutive die Verantwortung für die Geheimdienste trägt. Mehr noch: Es war seine Regierung und namentlich Vizepräsident Dick Cheney und Verteidigungsminister Donald Rumsfeld, die die Dienste geradezu drangsalierten, ihnen Berichte vorzulegen, die in ihre Konzepte passten. Es kann also gar keine Rede davon sein, dass andere außerhalb der Regierung ebenso viel Schuld haben könnten wie er.

Innerhalb der Regierung sieht es anders aus. Die treibenden Kräfte hinter dem Irakkrieg und dem Umbau der amerikanischen politischen Landschaft waren Richard Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz, David Addington oder John Yoo oder mediale Scharfmacher wie FOX News, um nur wenige zu nennen.

Stellt man die Frage nach den Motiven, so neige ich zu der Annahme, dass Bush kein von Natur aus schlechter Mensch ist und damit kein zwangsläufig gefährlicher Präsident sein musste. Er ist aber ein von Natur aus schwacher Charakter, der von äußerst zielstrebigen und rabiaten Figuren wie Cheney umgeben war, die ihn sehr gut zu steuern wußten. Solange die Zeitläufte gut liefen, genoß es George W. Bush wie anabolika-gedopt, den starken Mann auf der Weltbühne zu spielen, mehr sein zu dürfen, viel mehr sein zu können als er je war, und seine Muskeln spielen zu lassen.

Nachdem die Dopingkur abgesetzt war, setzte der Muskelschwund ein und mit ihm das Zutrauen. Nur die neokonservativen Dealer im Hintergrund liessen nicht locker und versuchten ihren Stoff partout an den Präsidenten zu bringen. Die allerlängste Zeit mit Erfolg.

Bush will nur noch heim

Nun, ganz zum Ende scheint er die Posse nicht mehr durchzuhalten. Die Maske bröckelt. Bush jr. möchte nach Hause.

Er ist eine bedauernswerte Figur. Hätte er nicht aufgrund seiner ureigensten Defizite Tausenden und möglicherweise Hunderttausenden von Menschen das Leben gekostet, würde man ihn bemitleiden müssen.

So aber verdient seine Präsidentschaft nicht das geringste Nachsehen.

Als Person mag er tragisch sein. Dafür kann ihm ein Quentchen Mitleid zuteil werden. Als Amtsträger wurde er zum Verbrecher. Nur das zählt in der Bewertung seiner Präsidentschaft.

— Schlesinger

(Photo: Huffington Post)