Obama: Wir haben keine Minute zu verlieren

UPDATE 26.11.2008:

Der parteilose Senator Joseph Lieberman (Connecticut) hat sich gestern überschwänglich positiv über das bisherige Vorgehen Obamas geäußert. Sowohl sein Ton wie auch seine Personalauswahl seien geradezu perfekt:

„Everything that President-elect Obama has done since election night has been just about perfect, both in terms of a tone and also in terms of the strength of the names that have either been announced or are being discussed to fill his administration,“

Lieberman war während der Präsidentschaftskampagne in Streit mit den Demokraten geraten, nachdem er Obama heftig kritisierte und in Sachen Irakkrieg stets auf seiten Bushs stand.

Reymer Klüver von der Süddeutschen wartet die berühmten 100 Tage nicht ab, um Zwischenbilanz zu ziehen zu den Leistungen von Barack Obama. Schon jetzt bescheinigt er ihm alles richtig zu machen. Und tatsächlich muss man staunen, mit welcher Mischung aus Souveräntität, Gespür und Ruhe der noch nicht im Amt befindliche Präsident seinen aktuellen Spielraum maximal nutzt.

Nachdem Obama vergangenen Freitag rechtzeitig vor Börsenschluss Timothy Geithner als künftigen Finanzminister präsentierte, steht inzwischen das gesamte Wirtschaftsteam:

Lawrence Summers, ein Harvard-Ökonom und früherer Finanzminister unter Bill Clinton als Wirtschaftsberater.

Christina Romer, eine angesehene Ökonomin der Universität von Kalifornien / Berkeley, die sich auf die Wirtschafts des New Deal spezialisiert hat, wird Vorsitzende des Wirtschaftsrates.

Melody Barnes, die bislang Vizepräsidentin des „Center for American Progress“ war und frühere Beraterin von Senator Ted Kennedy, wird Direktorin des Nationalen Politikrates.

Schließlich wurde der bisherige Gouverneur von New Mexico, Bill Richardson, zum Wirtschaftsminister ernannt.

Die Märkte reagieren weltweit überaus positiv, wozu auch die entschlossene Rettungsaktion zugunsten der Citigroup beiträgt. An dieser Aktion hat Timothy Geithner als noch-Vorsitzender der US Notenbank (Federal Reserve) übers Wochenende maßgeblich mitgewirkt:

Der deutsche Aktienmarkt ist mit einem Kursfeuerwerk in die Woche gestartet: Der Dax legte am Montag nach der Citigroup-Rettung mehr als zehn Prozent zu. Vor allem Aktien der Banken verzeichneten kräftige Zuwächse. Kursgewinne an der Wall Street hatten am Nachmittag noch einmal für zusätzlichen Schwung gesorgt.

Sodann hat Barack Obama offenbar hinter den Kulissen mitgewirkt, eine wichtige Position im Kongress neu zu besetzen. John Dingell, mit 82 Jahren einer der dienstältesten Abgeordneten im Repräsentantenhaus, mußte seinen Vorsitz des einflußreichen Ausschusses für Energie und Handel an den Demokraten und langjährigen Vorsitzenden des allgemeines Aufsichtskommittees Henry Waxman abgeben. Während Dingell jahrelang als eingefleischter Lobbyist der Automobilindustrie wirkte und zahlreiche Auflagen verhinderte, ist Waxman stark an Umweltschutz orientiert.

Das am Wochenende von Obama für 2009 ff. angekündigte Investitionsprogramm wird nach Einschätzung mehrerer Quellen voraussichtlich mindestens 200 Milliarden Dollar betragen. Manche Medien sprechen von deutlich höheren Zahlen.

Während Präsident Bush in absolute Passivität versinkt, leitet Obama die dringend nötigen Schritte ein.

Ohnehin sind alle Augen nur noch auf ihn gerichtet, und die Welt weiß warum.

— Schlesinger

PS.: Die Konsum- und Einkommensaussichten in Deutschland haben sich dank stark gefallener Energiepreise deutlich aufgehellt:

Entgegen der Konjunkturaussichten „haben vor allem fallende Preise bei Heizöl und Benzin dafür gesorgt, dass der Pessimismus hinsichtlich der Einkommensaussichten sowie der Konsumneigung etwas abnimmt. Auch die kürzlich erfolgten Tarifabschlüsse in der Metall- und Elektroindustrie haben nach Einschätzung der Konsumforscher mit dafür gesorgt, dass die Einkommensstimmung den vierten Anstieg in Folge verzeichnete. Der entsprechende Index stieg um 6,0 auf minus 6,9 Punkte.“