Neues Buch von Paul Auster: Mann im Dunkel

Interviewer: In meinen Augen ist „Mann im Dunkel“ Ihr politischster Roman. Sie haben einmal erklärt, im Jahre 2000 habe Ihre Welt, Ihre Wirklichkeit einen Irrweg beschritten. Was war der Auslöser dieses Gedankens?

Auster: Ich spreche von den amerikanischen Präsidentschaftswahlen im Jahr 2000. Tatsache ist, dass Al Gore zum Präsidenten gewählt wurde. Er hat die Wahlen gewonnen. Das weiß auch jeder. Durch politische und juristische Tricks haben die Republikaner die Wahlen gestohlen. Der Oberste Gerichtshof hat das durch das empörendste Urteil in der Geschichte des Landes abgesegnet. Und ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie deprimiert ich an dem Tag war, als dieses Urteil verkündet wurde und Al Gore aufgab. Ich war so am Boden zerstört wie an dem Tag, als mein Vater starb. Ich bin in ein tiefes schwarzes Loch gefallen. Ich hatte das Gefühl, mein Amerika unwiederbringlich verloren zu haben. Wenn ein Idiot wie Bush die Geschicke des Landes lenkt, dann muss dies zu schlimmen Dingen führen. Während ich also in den letzten acht Jahren ein Desaster nach dem anderen miterlebt habe, machte sich in mir der Gedanke breit, dass wir nicht mehr in der realen Welt leben, dass wir vom rechten Weg abgekommen sind, dass wir Gore gewählt, aber nicht bekommen haben, sondern statt dessen diesen Idioten. In der wirklichen Welt steht Al Gore am Ende seiner zweiten Amtszeit als Präsident, wir haben den Irak nie besetzt, und der 11. September, ja die Welt, in der wir heute leben und die Krise, in der wir uns heute befinden, zu all dem ist es nie gekommen. Die Hauptfigur meines Romans denkt sich nun aus, dass im Jahr 2000 einige Amerikaner so verstört waren, dass sich einzelne Bundesstaaten von den USA abspalten und es zu einem Bürgerkrieg kommt.

Kurzbeschreibung auf Amazon:

„Der 72-jährige August Brill, Ex-Literaturkritiker und Journalist, sitzt morgens um drei in seinem Rollstuhl im dunklen Wohnzimmer. In der Schwebe zwischen Wachen und Schlaf denkt er sich eine Geschichte aus, um seine nächtens überhandnehmenden Sorgen zu verdrängen: Ein Mann erwacht in einem tiefen Erdloch. Wie er hineingekommen ist, weiß er nicht. Zufällig hat er noch seine Brieftasche und versichert sich, dass er Owen Brick heißt und als Zauberer in Queens lebt. Als ihn bei Tagesanbruch schließlich ein Uniformierter befreit, spricht der ihn jedoch als «Corporal» Brick an und gibt ihm nebst einer geladenen Pistole den Auftrag, sich in die nächste Stadt zu begeben und dort im Auftrag der Sezessionstruppen einen Mann zu erschießen, dessen Tod den seit Jahren tobenden Bürgerkrieg sofort beenden würde. Bürgerkrieg? Man schreibt doch das Jahr 2007, Amerika führt Krieg im Irak, aber einen Bürgerkrieg? Der Soldat starrt Brill an: Krieg im Irak? 9/11? Nein. Er spinne wohl. In Wahrheit hätten sich nach der betrügerischen Wahl im Jahre 2001 diverse Staaten aus der Union verabschiedet, die Folge sei ein blutiger Krieg um die Macht in Amerika. «Mann im Dunkel» ist eine glanzvolle Parabel, künstlerisch gewagt und unerbittlich kritisch.“

— Bigdaddy

(Photo: Paul Auster)