Die Selbstdemontage des John McCain

Es ist ein politischer Selbstmord, der sich über Wochen angekündigt hat und nur aufgeschoben wurde durch die allzu spektakuläre Nominierung von Sarah Palin.

Angesichts der Finanzkrise springt John McCain abwechselnd von populistischen Verwünschungen von Wall Street zu irritierend vagen Äußerungen, wie man angesichts der Krise zu reagieren habe.

In Sachen Populismus hat er nun den Bogen weit überspannt und den Kopf des Vorsitzenden der Börsenaufsicht SEC, Christopher Cox, gefordert. Der Präsident müsse ihn rausschmeißen:

„Mismanagement and greed became the operating standard while regulators were asleep at the switch. The primary regulator of Wall Street, the Securities and Exchange Commission (SEC) kept in place trading rules that let speculators and hedge funds turn our markets into a casino.“

WSJ: McCain unpräsidentiell und unfair

Das sei nicht nur eine „unpräsidentielle“ und vor allem „zutiefst unfaire“ Kurzschluß-Äußerung, urteilte scharf das konservative Wall Street Journal, sondern gehe auch meilenweit an den Tatsachen vorbei, da man Cox just zu den von McCain vorhandenen Vorwürfen zu sogenannten „Leerverkäufen“ keinen Vorwurf machen könne. Mehr noch: Leerverkäufe hätten in den vergangenen Wochen und Monaten gerade nicht zu den Krisentreibern gehört, sondern zu den Umsatzbringern.

Kein Geringerer als der in konservativen Kreisen hoch angesehene Kolumnist George F. Will hat nun in der Washington Post den Stab über McCain gebrochen:

McCain Loses His Head

Under the pressure of the financial crisis, one presidential candidate is behaving like a flustered rookie [übernervöser Anfänger] playing in a league too high.

It is not Barack Obama.

UPDATE:

Nun zeigt sich, dass McCains Beteuerung von vor wenigen Tagen, sein Kampagnenmanager Rick Davis würde seit „mehreren Jahren“ nicht mehr für den untergegangenen Hypothekenfinanzierer Freddy Mac arbeiten, unwahr ist. Das sei gründlich geprüft worden, so McCain. Die NYT berichtet, dass Rick Davies‘ Firma bis letzten Monat 15.000 Dollar monatlich von Freddy Mac erhielt. Wofür? Mutmaßlich dafür, dass man unter einem späteren Präsidenten McCain direkten Zugang zum Weissen Haus habe, meint die „watchdog-group“ Campaign Money Watch gegenüber der Huffington Post:

„monthly payments of $15,000 to Rick Davis for apparently no other work than for him to provide special access to a future McCain White House in exchange“

„Special access“. Genau das, wogegen sich McCain in Worten so ausdrücklich wendet: Lobbyismus.

Mister Flip Flop

John McCain scheint nur noch aus Salti rückwärts zu bestehen (neudeutsch: Wendehals). Jetzt, inmitten der Finanzkrise, ruft McCain in bester Populismusmanier nach Regulierungsmaßnahmen und einer schärferen Bankenaufsicht. Jemand sollte ihn an seine wenig rühmliche Affäre der „Keating Five“ erinnern. Damals focht er vehement gegen eine schärfere Aufsicht und zugunsten von Banken, die sich verspekuliert hatten. Auch daran wird er ausgerechnet vom Wall Street Journal erinnert.

— Schlesinger

Inzwischen zum Klassiker der US Weltmachtpolitik geworden:
Robert Kagan’s „Paradise and Power“.
„Europäer stammen von der (friedlichen) Venus, Amerikaner vom (kriegerischen) Mars“,
lautete der provozierende Kernsatz Kagans.
Lesenswert, vielleicht gerade auch für die Gegner dieser These!

Im Original hinsichtlich des Wortschatzes relativ einfach zu lesen:

DIE musikalische Beschreibung des Irakkriegs von Rocklegende Neil Young,
kann ich nur wärmstens empfehlen!!!