Was würden Sie tun, um 85 Milliarden Dollar zu bekommen?

Einige wenige Dinge im Leben sind wirklich einfach. Einfach zu verstehen und einfach in dem Sinn, dass es sich wirklich so simpel mit ihnen verhält, wie man es vermutet. Dazu gehören die beiden Sätze:

Money makes the world go round.

Der Krieg ist der Vater aller Dinge (Heraklit)*

H A L L I B U R T O N – B L A C K W A T E R – K B R

Die Könige und Prinzen beim Krieg(sspiel) sind zum Beipiel George W. Bush, Dick Cheney oder Eric Prince, der Vorstand des paramilitärischen Dienstleisters Blackwater.

Ein Eric Prince braucht sich nur die triviale Frage zu stellen, was er zu tun bereit ist, um an millionen-, vielleicht sogar milliardenschwere Aufträge zu kommen (angesichts dieser Beträge sind die korrupten Schwerenöter von Siemens & Co. nur grüne Jungs). Zur Beantwortung seiner Frage bedarf es gar keiner Verschwörungstheorie.

Apropos Verschwörungstheorie: Die Vertreter solcher Theorien zeichnen sich in aller Regel nicht durch eine überbordende Phantasie aus – was man auf den ersten Blick meinen möchte -, sondern vielmehr durch die Kombination von mangelnder Menschenkenntnis und fehlender Phantasie. Wer um die Bandbreite menschlicher Charaktere vom Engel bis zum Schlächter weiß, kommt kaum in Versuchung raunende Töne anzuschlagen im Sinne von „Unglaublich, wahrscheinlich hat jener geldgierige / machtbesessene / nach Einfluß gierende …. dieses und jenes eingefädelt, um an dieses oder jenes verruchte Ziel zu gelangen.“ Man könnte ebensogut anfangen, über die Bläue des Himmels oder den Sommerregen zu raunen. Alle Menschen, sofern sie einmal aus den Kinderschuhen entstiegen sind, haben Interessen und versuchen sie umzusetzen. Hier kommt Heraklit ins Spiel: Aus unterschiedlichen Interessen erwachsen Konflikte oder Kriege.
Je nach Anlage des Charakters und der Position des Betreffenden fallen die Wirkungen nur kleiner oder größer aus. Ein „gemeiner Chef“ mit zugehörigem zweifelhaftem Charakter mag ebenfalls unlautere Methoden anwenden (oder was man eben für unlautere Methoden hält). Kraft Position wird er nun mal nicht in der Lage sein, einen Krieg zu beginnen oder mit fragwürdigen Argumenten einen solchen weiter fortzuführen. Das ändert aber gar nichts am Umstand, dass er seine Ziele mit seinen Mitteln umzusetzen versucht. Dasselbe tut ein Eric Prince oder ein Dick Cheney. Das alles bedarf keiner Phantasie, sondern der irgendwie langweiligen Feststellung, wie oder was der Mensch ist: Alles. Vom Engel bis zum Schlächter.

Verschwörungstheoretiker legen allerdings dort ein verblüffendes Maß an Phantasielosigkeit an den Tag, wo sie vonnöten wäre. Das läßt sich gut beobachten an den zahllosen Theorien zum 11. September. Würden die Theoretiker etwas mehr Phantasie nicht ausschließlich auf den „Komplott“ verschwenden, sondern sich auch nur ansatzweise Gedanken darüber machen, was eigentlich im Einzelnen alles sichergestellt sein müsste, um das jeweilige Szenario praktikabel (!) zu machen, bliebe von 99% dieser Unkenrufe nichts mehr übrig.

Wie kam ich darauf? Ach ja:

Was würden Sie, was würden die Cheneys und Prince für 85 Milliarden machen?

85 Milliarden ist der Betrag, der bis dato an zivile US Firmen im Irak ausgegeben wurde, wie die Haushaltskommission des Kongress soeben festgestellt hat.

Was würde „man“ machen?

(Viele) einfache „kleine“ Sachbearbeiter winden sich, spielen, schleimen, intrigieren, nur um die nächste 250-Euro-Gehaltserhöhung zu bekommen. Bsirske fliegt 1st class in den Pazifik. Der kaltschnäuzige Jounalist klaut Artikel von Bloggern, um seinen Beitrag und das Lob vom Chef schneller zu bekommen, der Öko-Gemüsehändler verkauft Öko-Obst aus Argentinien (!), um reinen Gewissens sein Geschäft am Laufen zu halten etc.pp.

Ich tippe: 90% von uns würden viel, verdammt viel tun, würden sie je in die Verlegenheit kommen, für eine zwielichte Handlung Millionen oder gar Milliarden zu erhalten.

Da die Gelegenheit in der Regel nicht kommt, spielt man das beliebte und unfreiwillig komische Empörungsspiel: Schaut Euch die da oben an!

Das Perfide an der ganzen Lage ist dies: Die „oben“ können wie die Spinne im Netz darauf warten, dass die „unten“ ihnen höchst freiwillig und guter Dinge ins Netz gehen. Wie eine Wellenbewegung geht die Kriegslust gerade auch in den Bevölkerungen selbst um den Globus: Vorgestern die Deutschen, gestern die Ruander oder Serben, heute die Amerikaner und morgen die anderen.

In einem sehr makabren Sinn sitzen wir tatsächlich alle im selben Boot.

Dann geht man heim und brennt sich zur verdienten Ablenkung von der schlechten Welt die nächste illegale Video-DVD.

— Schlesinger

P.S.:
Sagte ich schon, wie sehr ich Shakepeare mag? All the worlds a stage. Noch so ein simpler, wahrer Satz.
Soll heißen: Wer sich über die „Schlechtigkeit der Welt“ vergrämt, hat sie nicht verstanden.
Wer sie kennt und gar nichts tut, ist Zyniker oder Profiteur.
Daher das löbliche Motto Hoimar v. Dithfurths: Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich (vorzugsweise lächelnd) heute noch ein Apfelbäumchen pflanzen.
Der Rest jammert bedeutungsschwanger oder geht shoppen.

* Herkalit sagte tatsächlich „Der Konflikt ist der Vater aller Dinge.“ Deshalb wird allerdings die althergebrachte Übersetzung nicht weniger wahr.