Huber & Roth: Schnellschüsse wg. Obama-Haltung zur Todesstrafe

Ach Claudia. Deine Ausfälligkeit gegen den Bischof Mixa hatte aufgrund der Wortwahl („Durchgeknallter Oberfundi„) ja noch einen gewissen herben Charme.

Deine jüngste Bemerkung gegen Barack Obama – der entgegen der jüngsten Entscheidung des Obersten Gerichtshofs in Ausnahmefällen für die Todesstrafe bei schwerem Kindsmißbrauch eintritt –

( Claudia Roth )
„Die Todesstrafe ist die finalste Verletzung der Menschenrechte und des Rechts auf Leben.

Sie ist nicht zu rechtfertigen, auch nicht zur Bestrafung schlimmster Verbrechen.“

ist nur ein finalster Gutmenschen-Schnellschuß.

Eine Art Pavlov’scher Reflex auf einen vermeintlichen Tabubruch Deiner Grundüberzeugungen.

Dabei hast Du zweierlei gänzlich außer Acht gelassen:

1. Auch ein Präsident Barack Obama kann sich nicht über Entscheidungen des Supreme Court hinwegsetzen. Es sei denn, Obama wäre Bush, was bis jetzt noch niemand behauptet hat.

2. Wir haben Wahlkampf. Obama hat den Sieg noch nicht in der Tasche. Eine in der Öffentlichkeit allzu liberale Haltung würde seine Wahlaussichten spürbar verringern.

Also, liebe Claudia, was wolltest Du eigentlich ? Nur der Öffentlichkeit signalisieren, was für eine Wahrerin der Menschenrechte Du bist? Geschenkt. Wir glaubens Dir.

Wie schon sehr anschaulich in dem damaligen Bestseller „Primary Colors“ über den ersten Präsidentschafts-Wahlkampf Bill Clintons nachzulesen ist: Zuerst muß man die Wahl gewinnen, dann kommen die echten Entscheidungen.

Die Stellungnahme Obamas war entgegen Deiner Äußerung übrigens kein Wahlkampf-Schnellschuß. Obama hat schon in seinem Buch Audacity of hope formuliert:

„While the evidence tells me that the death penalty does little to deter crime [während mir die Praxis zeigt, dass die Todesstrafe wenig Abschreckung zeigt], I believe there are some crimes–mass murder, the rape and murder of a child–so heinous, so beyond the pale, that the community is justified in expressing the full measure of its outrage by meting out the ultimate punishment [glaube ich dennoch, dass es einige wenige Verbrechen gibt – Massenmord, Vergewaltigung von Kindern und Mord an Kindern – die so abscheulich, so jenseits aller Vorstellungen sind, dass die Gemeinschaft das Recht hat, das volle maß ihrer Empörung dadurch zum Ausdruck zu bringen, dass sie die ultimative Strafe fordert].“

Dass Erwin Huber und CDU-Außenpolitiker Eckart von Klaeden ins selbe Horn stoßen wie Du, macht Eure Aktion nicht überzeugender.

Wie diese drei Lautsprecher wohl ihre Haltung gegenüber einer betroffenen Mutter rechtfertigen, deren kleine Tochter vergewaltigt wurde und im Leben wohl nie wieder zurecht kommen wird?

Nochmals: Obama als Präsident wäre – wie alle Bundesstaaten – an das Verbot der Todesstrafe bei Kindsmißbrauch gebunden.

Das aber interessiert unsere heimischen Recken nicht. Denn nächstes Jahr stehen schließlich auch bei uns Wahlen an. Da muß man auch hier ein bisschen Politur auftragen.

— Schlesinger

PS. 1: Bonuspunkt für Deinen Hyperlativ (= Steigerung des Superlativ) der „finalsten Verletzung der Menschenrechte“.

PS. 2: Wenn die Todesstrafe die „finalste Verletzung der Menschenrechte“ ist, was ist dann Auschwitz für Dich?

PS. 3: Todesstrafe auch „nicht zur Bestrafung schlimmster Verbrechen„?
Also lebenslänglich selbst für geständige Massenmörder wie Adolf Eichmann oder jemanden wie den KZ-Arzt Mengele ?

Ich fürchte, hier trennen sich unsere Wege entschieden.

(Photo: Claudia Roth)