Arlington will Klimaschutz nicht begraben

Arlington ist weltberühmt für seinen Soldatenfriedhof.

Und während nur einen Steinwurf entfernt, drüben über dem Potomac, Präsident George W. Bush den Klimaschutz trotz großer Reden längst begraben hat, wird in Arlington alles unternommen, um dem Klimaschutz überhaupt erst zu kräftigem Leben zu verhelfen.

Dafür steht unter anderem John Morrill, der Energiemanager des Bezirks Arlington in dem Washington benachbarten Bundesstaat Virginia. Morrill wurde für seine inzwischen landesweiten Aktivitäten mit dem „Climate Protection Award“ der US-Umweltschutzbehörde EPA (Environment Protection Agency) ausgezeichnet.
Morris ist ganz unbescheiden und erklärt: „Wir Kommunalpolitiker bestimmen in den USA die Klima-Politik.“ Es gibt seines Erachtens gar keine Alternative, da die Regierung in Washington eine „ernsthafte Führungsrolle“ gerade nicht übernimmt. Also müssen die Verwaltungen der unteren Ebenen, die Gemeinden und Kommunen, in die Bresche springen und selbst aktiv werden. Und das tun sie, wie hierzulande bislang wenig bemerkt wurde.

Amerika gilt weithin noch immer als der träge Koloß, der sich in Sachen Umweltschutz äußerst behäbig anstellt. Im Mai haben sich in Albuquerque (Neu Mexiko) 350 Kommunalpolitiker getroffen, um Ideen zum Klimaschutz auszutauschen.

Mehr noch: Inzwischen haben 850 Bürgermeister das „Klimaschutzabkommen der US-Bürgermeister“ unterzeichnet. Sie vertreten rund 100 Millionen Einwohner. Deren Ziel ist, die Vorgaben des Kyoto-Protokolls zu erreichen oder zu übertreffen.

Weitere 38 Bezirke mit 38 Millionen Einwohnern sind dem „US Cool Counties Climate Stabilization“ Bündnis beigetreten, in dem sie sich zu einer Reduktion der Treibhausgase bis zum Jahr 2050 um 80 Prozent verschrieben haben.

Morris berichtet, daß die Initiativen der Kommunen bei den Bürgern auf sehr rege Zustimmung trifft. Das gehe soweit, daß zusätzliche kleinere Energiesteuern bereitwillig hingenommen würden.

Dennoch hoffen alle Beteiligten, daß anstelle der passiven derzeitigen Regierung wenigstens der Kongreß die Initiativen aufgreifen und weiter fördern möge. Spätestens der nächste Präsident müsse auf diesem Gebiet Führungsstärke beweisen.

Unterschätze niemand die Fähigkeiten und Initiative der Amerikaner, wenn sie einmal von einer Sache überzeugt sind.

Lamentieren ist da vielmehr Sache der Deutschen.

— Schlesinger

(Quelle: Außenansicht, Kolumne der Süddeutschen Zeitung, Juni 2008)
(Logo: Vortrag John Morrill in Stuttgart)