Ehemaliger US Sicherheitsberater fordert neue Iranpolitik

Zbigniew Brzezinski war Sicherheitsberater unter Präsident Jimmy Carter.

Carter wurde seinerzeit als zu weich beurteilt.

Zum Ende der Präsidentschaft Carters kam mangelnde Fortune hinzu, als der amerikanische Versuch zur Beendigung des Teheraner Geiseldramas – Angehörige der US Botschaft wurden zum Auftakt des Regimes von Ajatollah Chomeini von einem Mob iranischer Studenten und Revolutionswächter für 444 Tage als Geiseln gehalten – im April 1980 in einer militärischen Katastrophe endete: Die anfliegende Kampfgruppe zur Befreiung der Geiseln erlitt infolge eines Sandsturms drei Abstürze.

Ungeachtet dessen bleibt festzuhalten: Während der Präsidentschaft Carters wurde nicht nur kein Krieg geführt, sondern der erste israelisch-arabische Frieden besiegelt (Abkommen von Camp David zwischen Israels Menachem Begin und dem ägyptischen Präsidenten Anwar El-Sadat, 1979).

Der damalige Sicherheitsberater hat sich nun zur US-Politik
gegenüber dem Iran geäußert.

Die derzeitige Politik Washingtons führe ganz gewiß zum Atomwaffenbesitz Teherans:

Current U.S. policy toward the regime in Tehran will almost certainly result in an Iran with nuclear weapons.

Die scheinbar clevere „Zuckerbrot-und-Peitsche“-Politik, verbunden mit regelmäßigen Hinweisen auf die „militärische Option“ verstärke nur den
Wunsch Teherans nach eigenen Nuklearwaffen:

The seemingly clever combination of the use of „sticks“ and „carrots,“ including the frequent official hints of an American military option „remaining on the table,“ simply intensifies Iran’s desire to have its
own nuclear arsenal.

Im übrigen würde die „Zuckerbrot-und-Peitsche“-Strategie vielleicht bei Affen funktionieren, keineswegs aber in Bezug auf souveräne Staaten (im amerikanischen: „Knüppel und Karotte“ in Verbindung mit Eseln 🙂

Alas, such a heavy-handed „sticks“ and „carrots“ policy may work with donkeys but not with serious countries.

Die USA hätten eine wesentlich bessere Erfolgschance, wenn sie auf die militärischen Drohungen verzichten würden und ohne Vorbedingungen in Gespräche gingen:

The United States would have a better chance of success if the White House abandoned its threats of military action and its calls for regime change.

Manchmal besteht kluge Sicherheitspolitik aus nichts anderem als gesundem Menschenverstand und aus schlichter Rücksichtnahme auf die Grundregeln der Psychologie.

Brzezinski zeigt nicht zum ersten mal, dass er über das eine verfügt und das andere berücksichtigt.

Mit beidem tut sich dagegen das Gespann Bush-Cheney schwer.

Die misslungene Befreiungsaktion im Jahr 1980 war ein Unfall. Die misslungene Iranpolitik Washingtons ist derzeit ein Unglück, das sich zu einer Katastrophe ausweiten könnte.

— Schlesinger

Gute Ergänzung mit Interview-Auszug von Brezezinski auf dem Spiegelfechter.

(Photo: Absturz Desert One)
(Photo: Brzezinski)