Murat Kurnaz sagt vor dem US Kongress zu Folter aus

Nicht nur Papier, auch Worte sind geduldig.

Waterboarding ist keine Folter, wie allen Kritikern längst bekannt sein müsste, sondern laut Definition der Washingtoner Regierung lediglich „verschärftes Verhör„.

Nun ergab sich ein weiterer bemerkenswerter Aspekt hinsichtlich der Art und Weise, wie Washington mit Begriffen umgeht, um Folter zu kaschieren.

In einer Kongressanhörung kam jüngst der als „Bremer Taliban“ bekannt gewordene Murat Kurnaz zu Wort, der bis 2006 in Guantanamo inhaftiert war. Dabei stellte sich heraus, dass er zwar waterboarding unterzogen wurde, dass die Verhörenden das aber als „water treatment“ [Wasserbehandlung] bezeichnet hätten:

But revelations from a former detainee in a hearing yesterday raise questions as to whether the administration has been playing word games with its definition of “waterboarding.”

Kurnaz said he was subjected to “water treatment” which involved a “strong punch” that forced him to inhale water.
Asked if this was waterboarding, Kurnaz said
“water treatment” is different:

ROHRABACHER: You suggest that you were waterboarded
in your captivity. Is that correct?

KURNAZ: No, it’s not waterboarding. It’s called “water treatment.” There was a bucket of water.

ROHRABACHER: Was a cloth put over your face and you were put on a board?

KURNAZ: There was a bucket of water. And they stick my head in it and at the same time, punch me into my stomach.

Damit wird die Darstellung von CIA-Chef Michael Hayden fragwürdig, der angegeben hatte, dass lediglich drei Inhaftierte dem Waterboarding unterzogen worden seien. Zwischen waterboarding und der von Kurnaz geschilderten Methode bestehen letztlich keine Unterschiede, was die grausame Erfahrung an sich ausmacht.

Sollten demnach weitere Verhöre „nur“ als Wasserbehandlung stattgefunden haben, um aus der Statistik zu fallen?

Wir lernen daraus: Waterboarding ist erstens keine Folter, und zweitens kein waterboarding.

Es ist ohnedies irreführend, über fünf Gefolterte mehr oder weniger zu streiten. Es ist längst bekannt, dass unter der Regierung George W. Bush und seinem Vize Dick Cheney ein Folter-System eingerichtet und unterhalten wurde.

Das wurde nun durch den offiziellen Bericht des Generalrevisors des US Justizministeriums bestätigt:

… atrocities [Grausamkeiten] were committed in the interrogation centers in American military prisons in Iraq, Afghanistan and Guantánamo Bay, Cuba.

They were described in a painful report by the Justice Department’s inspector general, based on the accounts [Berichte] of hundreds of F.B.I. agents who saw American interrogators repeatedly mistreat prisoners in ways that the agents considered violations of American law and the Geneva Conventions.
[FBI Agenten beobachteten wiederholt Misshandlungen von Gefangenen, was klare Verletzungen von US Recht und den Genfer Konventionen darstellte]

Präsident Bush sprach mehrfach davon, dass verschärfte Verhöre eine unschätzbare Quelle nachrichtendienstlicher Informationen seien.

Nur eines trifft in diesem Zusammenhang zu. Unschätzbar, d.h. nicht abzuschätzen, waren und sind lediglich die negativen Folgen dieser Politik im amerikanischen In- und Ausland.

Siehe auch: rendition camps

— Bigdaddy