Barack Obama nimmt Kurs aufs Weisse Haus

Nachdem Barack Obama die Führung auch bei den super delegates übernommen hat, könnte Hillary Clinton nur noch ein Wunder helfen.

Damit kann man mit Fug und Recht sagen,
dass Barack Obama ab sofort Kurs aufs
Weisse Haus nehmen kann.

Damit bietet sich für den Beobachter die Gelegenheit, vom
bisherigen Wahlkampfverlauf einen Schritt zurück zu machen
und die Lage zu betrachten.

Es war viel die Rede von der Selbstzerfleischung der Demokraten.

Das war zutreffend und hat seinen Preis gefordert.
Der Preis bestand darin, dass John McCain gleichermaßen mühelos
wie erfolgreich durch die Vorwahlen steuerte und nun in großer
Frische den eigentlichen Wahlkampf gegen Obama aufnehmen kann.

Ist Barack Obama damit bereits in großer Gefahr?

Keinesfalls.

Wirft man einen Blick auf die big points, kann man rasch erkennen:

Die Siegchancen Obamas sind schlicht hervorragend.

  1. It’s the economy, stupid! Von Bill Clintons Siegen lernen, heißt siegen lernen. In diesem Fall stimmt das.
    Mit dem Slogan „Es kommt auf die Wirtschaft an, Dummkopf!“ gelang Clinton in 1992 ein Husarenstück gegen den an sich nicht schlecht dastehenden Amtsinhaber George H.W. Bush.
    Die Wirtschaft damals bei beileibe nicht so marode wie es die heutige ist. Inmitten einer mäßigen Rezessionsfurcht konnte Clinton große Wählerschichten erreichen.
    Heute handelt es sich eigentlich nicht mehr um die Furcht vor einer Rezession, sondern um die bange Frage, inwieweit man heil auf der handfesten wirtschaftlichen Misere gelangt.

    Dieses wirtschaftliche Erbe lastet auf den Schultern McCains. Er ist der Repräsentant der Republikanischen Partei.

  2. Der neue GeistYes, we can und change sind mehr als nur Wörter.
    Es sind Botschaften, die gehört werden. Sie versprechen nicht nur Frische, sondern haben sie tatsächlich schon vermittelt. In dieser Hinsicht hat John McCain nichts anzubieten.
    Der „gute Onkel“ John mit seinem straight talk wird sich in einem gehörigen psychologischen Nachteil finden.
  3. ErfahrungHillary Clinton hat sich alle Mühe gegeben, Obama als einen Frischling vorzuführen. Unterm Strich ist ihr das gründlich mißlungen. Das lag aber weniger daran, dass sie selbst mit ihren Bosnien- und anderen Geschichten ins Trudeln kam, sondern weil Obama in der Art, wie er mit den Vorwürfen umging zeigte, dass er souverän und besonnen agiert (Bestes Beispiel: Seine souveräne Rede von Pennsylvania in Erwiderung auf die Jeremiah-Wright-Affäre).
    Auf der anderen Seite hat sich John McCain mehrfach blamiert, indem er die Fakten im Nahen Osten immer wieder durcheinander gebracht hat (u.a. wiederholte Verwechslung von Schiiten und Sunniten).
    Mit der vermeintlichen Trumpfkarte Erfahrung wird es auch bei John McCain nichts werden.
  4. Psychologie der AbkehrLitten schon die Clintons unter einer nicht geringen Ablehnung, weil nennenswerte Wählermassen einfach nicht „zurück“ wollten in die ’90er, so wird sich diese Psychologie auch negativ auf John McCain auswirken.
    Man wird letzen Endes nicht „irgendwie“ weiter machen wollen in der konservativen Enge und der Atmosphäre der Angst allzu langer Bush-Jahre.

Die Aussichten sind gut für Obama. Aber das sagte ich bereits.

— Schlesinger

(Photo: transplanted mountaineer / Flickr CC-Lizenz)