Jeremiah Wright, der böse schwarze Mann

EselstrittKategorie: Eselstritt des Tages.

Da haben wir ihn, den bösen schwarzen Mann.

Man darf ihm nicht trauen, schon gar nicht, wenn man redneck ist.

Und selbst wir in Deutschland, wir haben es gewußt oder geahnt aus unseren Grundschultagen. Ich erinnere mich noch genau an die Fangspiele aus den Stunden der Leibesübungen, in denen wir laut schreiend davongelaufen sind, wenn einer den Ruf erschallen ließ „Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“

Der „Hassprediger“, wie Jeremiah Wright inzwischen landläufig genannt wird,
ist laut Süddeutscher Zeitung nun

völlig außer Rand und Band.

Warum? Darum:

Obamas ehemaliger geistlicher Berater schockiert erneut mit krassen Thesen.

Das Thema Jeremiah Wright wurde hinreichend gründlich aufbereitet. Dazu gibt es wenig Neues zu sagen. Was ist inzwischen geschehen, um das Thema erneut aufs Schild zu heben?
Wright sprach vor dem National Press Club, um seine Positionen darzulegen.

Würde man eine Strichliste der Wörter anfertigen, die in seiner Ansprache am häufigsten vorkamen, so würde sie geführt von „reconciliation“ [Versöhnung], „transformation“ [~ Entwicklung zu einem Neuanfang] und „liberation“ [Befreiung].

Der Theologe Wright sprach in der rund halbstündigen Rede viel über die Besonderheiten der afroamerikanischen Befreiungstheologie und der darin letztlich seit 200 Jahren verankerten Bedeutung der Versöhnung.

Dass Wright, der einen zahmen Ton anschlug, kein Lamm ist und sich auch nie so darstellt, war auch an diesem Morgen mühelos zu erkennen. Denn zwischendurch kam sehr wohl ein hartes Wort, zeigte sich eine frostige Miene.

Das war so eine Situation:
Vor wenigen Tagen, so Wright, sei seine Enkeltochter in den Irak versetzt worden. Er selbst habe Jahre in der Armee gedient. Aus seiner Gemeinde dienten Soldaten in Vietnam, im ersten und nun im zweiten Golfkrieg. Ihn aber und seine Kirche nenne man unpatriotisch. Was aber sei mit denen, die 4000 junge Amerikaner in den Tod geschickt hätten, wegen eines Krieges, der auf Lügen aufgebaut sei? Was sei mit denen, die aufgrund ihrer guten Beziehungen nie in diese Kriege geschickt würden?

Da verließ Wright jegliche Nonchalance, er wurde laut dabei und hob drohend die Faust. Nach einer Minute war die Emotion unter Kontrolle. Er sprach ruhig weiter.

Von dieser Art waren drei, vielleicht vier Szenen, die allesamt nichts mit Radikalität zu tun haben. Es sei denn, man hat ein bestimmtes Interesse an der Brandmarkung Wrights mit diesem label.

Nach seiner Rede, die keinen der bislang bekannt gewordenen kritischen Punkte beinhaltete, folgte eine Fragerunde. Die hatte es in sich.

Nicht aber, weil Wright „außer Rand und Band“ geriet oder sich anderweitig „krass“ äußerte, sondern aufgrund der gestellten Fragen.

Die kamen von einer sommersprossigen, rothaarigen Weissen, die optisch ohne weiteres eine prominente Rolle in „Mississippi Burning“ hätte einnehmen können. Meinetwegen auch als Sekretärin von Joseph McCarthy.
Annähernd jede ihrer suggestiven, provozierenden, hinterhältigen Fragen hätte hinsichtlich der Formulierung eine schallende Ohrfeige gerechtfertigt. Wright zeigte sich bei all dem mühsam beherrrscht.

Die US Regierung, so habe Wright behauptet, habe das AIDS-Virus erfunden, um die afro-amerikanische Bevölkerung zu dezimieren. Wie er dazu stehe?

Für alle eingefleischten Wright-Kritiker als nahrhaften Bissen vorweg: Er hat die Äußerung nicht abgestritten. Aber. Man habe diesen Satzteil aus seiner Predigt aus dem Zusammenhang gerissen. Man möge es doch vergleichen mit den Massenvernichtungswaffen, die 2002 angeblich noch im Besitz von Saddam Hussein gewesen seien. Er, Wright, kritisiere nicht das amerikanische Volk, sondern die amerikanische Regierung. Sie hätte nur in ihre Auftragsbücher sehen müssen. Dann hätte sie feststellen können, dass es die USA selbst waren, die Saddam Hussein mit Waffen beliefert haben. Wenn man ihn also frage, zu was seine Regierung in der Lage sei, dann sage er, ja, sie ist zu solchen Dingen imstande. [Womit er indirekt seine AIDS-These aufrecht erhielt.]

Nun kann man auf ihn dreinschlagen! Eine Regierung der USA habe AIDS erfunden, um die Schwarzen zu eliminieren: Wie kann man so etwas behaupten? Abgesehen von den üblichen Verschwörungstheoretikern, denen keine Theorie zu blöde ist, und die sich begierig auf solche Hinweise stürzen, ist diese Behauptung Wrights eher nicht wörtlich zu nehmen. Die angemessene Erklärung hierfür ist doch recht simpel.

Da gibt es einen Reverend, der zum einen in Wort und Tat über Jahrzehnte hinweg nachweislich bewiesen hat, dass er für seine Gemeinde und sein Land viel Gutes tat und tut (Eigener Wehrdienst, Armenspeisung, verschiedene Schuldienste, Stipendien, Fürsorge etc.pp.). Dieser Mann hat im Alltag seiner großen Gemeinde viel, sehr viel Leid, Elend und Armut gesehen, für das die Regierung einen Gutteil der Verantwortung trägt. Das alles wurde und wird von ihm bitter angeklagt.

Ist die arabische Sprache für ihre Blumigkeit bekannt, die uns bisweilen sehr unverständlich vorkommt, so verwenden schwarze Prediger eine Sprache, die für uns ebenfalls gewöhnungsbedürftig ist. Ich habe keine Veranlassung anzunehmen, Wright meint seine AIDS-Äußerung im wortwörtlichen Sinn. Er verwendet sie als Allegorie auf bisweilen kriminelle Züge, die er – und nicht nur er – an der Regierung Bush ausmachen.

Und was Obama anbelangt – der möge sich vorsehen, wenn er Präsident werden sollte. Dann wäre Wright ihm auf den Fersen. Sagte Wright.

Krass, so meine ich, war in diesem Fall nur der SZ-Beitrag, der mutmaßlich nur auf Media-Hörensagen beruhte. Die Formulierungen im Beitrag lassen auch den Schluss zu, dass die Ansprache Wrights nicht angehört wurde. Sonst hätte man sich vielleicht etwas zurück genommen:

Teil 1 (je ca. 9 min.):

https://www.youtube.com/watch?v=2lV8x_-Uk2c

Teil 2:

https://www.youtube.com/watch?v=am50KvOWaaw&feature=related

Teil 3:

https://www.youtube.com/watch?v=8BWWx4Q1VFg&feature=related

Wird der jüngste Auftritt Wrights Barack Obama schaden? Ja.

— Bigdaddy

Wie Großbritannien und die USA Saddam Hussein aufrüsteten. Von Prof. Mark Phythian, Lehrstuhl für Politik und Internationale Beziehungen der Uni Leicester / England: