Sorge um John McCain's Seelsorge

UPDATE 1 (29.03.): Die arabische Welt verfolgt die Haltung von John McCain zum Islam, und insbesondere das Verhalten von McCain gegenüber den radikalen Evangelisten, die ihn unterstützen, mit großer Sorge. Der wichtigste arabische Sender Al-Jazeera, urteilt daher vorläufig:

McCain’s campaign told Al Jazeera that „… he [McCain] rejects politics that degrade our civics [weist eine Politik von sich, die die staatsbürgerlichen Rechet von Moslems beschneiden würde], and will be running a respectful campaign“.

But in seeking a path to the White House, it seems McCain is counting on the politics of fear and relying on a disturbingly belligerent spiritual guide. [… scheint McCain auf eine Politik der Furcht zu setzen und sich sich auf irritierend kriegerisch klingende geistliche Führer zu verlassen]

ORIGINAL:

Die Sache mit Jeremiah Wright, dem „Hassprediger“ und früheren Pastor von Barack Obama, hat enormen Staub aufgewirbelt. So viel, dass man darin das nicht minder große Problem von John McCain übersehen hat.

rodparsley1.jpgAm 26. Februar trat in Cincinnati ein gewisser Reverend Rod Parsley von der „World Harvest Church of Columbus“ zusammen mit John McCain auf die Veranstaltungsbühne, um McCain anzupreisen. Der sei ein „starker, wahrhafter und konsequenter Konservativer“.

Genau diese Art von Lob braucht McCain wie nichts anderes, da es bekanntlich nicht Wenige gibt, die ihn als unzuverlässigen Konservativen einschätzen.

Rod Parsley selbst leitet eine dieser gigantischen Kirchen, die in seinem Fall über 5.200 Sitze und ein eigenes Fernsehstudio verfügt und ihm in Ohio einigen Einfluß beschert.

McCain nannte Rod Parsley in seiner Rede einen spirituellen Führer („spiritual guide“).
In einem 2005 erschienenen Buch verurteilt Parsley nicht nur die liberalen Richter, Freidenker, die Kirche und Staat strikt trennen wollen, Homosexuelle und die „Abtreibungsindustrie“, sondern er tritt vor allem gegenüber dem Islam militant auf. Ein Kapitel trägt den Titel „Islam: Die Täuschung Allahs“:

„… the true nature of Islam, … I will tell you this: I do not believe our country can truly fulfill its divine purpose until we understand our historical conflict with Islam. I know that this statement sounds extreme, but I do not shrink from its implications. al08de
The fact is that America was founded, in part, with the intention of seeing this false religion destroyed, and I believe September 11, 2001, was a generational call to arms that we can no longer ignore.

gottfried_bouillon.gifDie „göttliche Mission“Amerikas könne nur dann erfüllt werden, wenn man die „geschichtliche Auseinandersetzung mit dem Islam“ verstehe? Amerika wurde auch deshalb begründet, um den Islam zu bekämpfen? Dafür geht Parsley weit vor die Zeit der Gründerväter zurück und nimmt Christopher Kolumbus in die Pflicht:

„It was to defeat Islam, among other dreams, that Christopher Columbus sailed to the New World in 1492“

Das alles klingt krude, findet aber eine große Zuhörerschaft, immer noch. Als wären diese Behauptungen nicht schon kühn genug, geht Parsley noch weiter und

erklärt den 11. September als Ruf zu den Waffen gegen den Islam. Wohlgemerkt: Nicht gegen Terroristen, die aus islamischen Ländern kommen, sondern gegen die Religion.

Die Terroristen sieht er keinesfalls als Extremisten innerhalb des Islam an, sondern als „mainstream believers“.

McCain hat sich bislang nicht zu den radikal islamfeindlichen Äußerungen Parsleys geäußert.

Vor diesem Hintergrund könnte die wiederholte Äußerung von John McCain, der militante Islam sei die größte Herausforderung der Vereinigten Staaten, eine neue Dimension gewinnen.

Wie kommt McCain an diesen Mann, hat er doch in seiner Kampagne des Jahres 2000 die kaum minder radikalen Prediger Jerry Falwell und Pat Robertson als „Agenten der Intoleranz“ bezeichnet und dafür Prügel von der Rechten bezogen?

Nun ja. Das ist die Antwort. Dieses mal möchte er von den Klerikalen keinesfall Prügel beziehen. Man lernt schließlich aus seinen Fehlern. Daher hat er seine Bemerkung von damals auch zurückgezogen. Wurden die Genannten etwa zurückhaltender? Keinesfalls.

Vor kurzem akzeptierte McCain auch die Unterstützung von Reverend John Hagee, der die Katholische Kirche „die große Hure“ und einen „falschen Kult“ nannte. Erst nach mehreren Vorhaltungen distanzierte sich McCain, ohne jedoch die Unterstützung Hagees zurückzuweisen. Hier die kurze Erläuterung von Reverend Hagee zum Katholizismus, in der er auch den Massenmord Hitlers unbeeindruckt und offenkundig billigend als logische Fortführung der Judenmorde der römischen Kaiser darstellt:

https://www.youtube.com/watch?v=uViQ0hVV57Q

Die Formulierung Hagees von der „großen Hure“ hat McCain als „aus dem Kontext gerissen“ bezeichnet. Aus welchem Kontext gerissen?

Konzentriert man sich derzeit vielleicht zu viel auf den „schwarzen Mann“ Barack Obama, der sich eindeutig von Jeremiah Wright distanziert hat, und zu wenig auf den „weissen Mann“ und dessen ganz besonderen Seelsorgern?

Hillary, ich wünschte für Dich, Du seiest Atheistin. Und John McCain: Muss man sich Sorgen machen um Deine Seelsorge oder doch nur um Deine Seelsorger?

— Schlesinger

P.S.: Parsley war eine wesentliche Stütze für den Wahlkampf von George W. Bush in 2004.

(Bild: Gottfried von Bouillon auf dem Kreuzzug)