Pastor Jeremiah Wright schadet Barack Obama

UPDATE 21.03.2008: Hillary Clinton scheint in ihrem Team die Parole ausgegeben zu haben, mit dem Thema Jeremiah Wright behutsam umzugehen. Obama stehe deswegen ohnehin schon genügend unter Druck. Das hört sich im Vergleich zu den Aktionen Hillary Clintons während den vergangenen Wochen ungewöhnlich nachsichtig an. Es kann aber auch einen ganz anderen, handfesteren Grund haben. Derselbe Jeremiah Wright war in der Zeit der Präsidentschaft Bill Clintons Gast im Weissen Haus:

Sodann erhielt er auch ein Dankschreiben des Präsidenten:

letter_from_president_bill_clinton_to_jeremiah_wright.gif

Bedeutet das, Bill Clinton hieß die Ausfälle Wrights gut? Nein, ebenso wenig, wie dies Obama tut.

(Photos:  Wikipedia)

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Die jüngste Rede Barack Obamas zur Rassenfrage wurde von vielen als „groß“ bezeichnet. Selbst der rechtskonservative Rush Limbaugh hat sich für seine Verhältnisse stark zurückgehalten, und der ebenfalls weit rechts stehende Bill O’Reilly konnte gar positive Elemente in Obamas Rede finden.

Dennoch steht schon jetzt fest, dass die Auswürfe des früheren langjährigen Pastors von Barack Obama, Jeremiah Wright, ihm einigen Schaden zugefügt haben.

Jüngste Umfragen sehen einen deutlichen Zugewinn bei Hillary Clinton für die nächsten Wahlen in Pennsylvania:

pennsylvania_logo.jpg

After a week filled with bad news for the Obama campaign, Hillary Clinton is out to a 56-30 lead in the Pennsylvania Democratic primary.
Clinton is aided in large part by a 46 point margin over Obama with female voters, 66-20.
She leads with men as well although by a considerably tighter margin of 45-41. al08de
“The big story in the Presidential race over the last week has been the comments of Barack Obama’s pastor about America,” said Dean Debnam, President of Public Policy Polling. “It appears this issue has hurt him a good deal with likely primary voters in Pennsylvania.”

Hillary Clinton wird die Gunst der Stunde zu nutzen wissen. Ihr Kommentar zur Rede Obamas fiel einmal mehr zwiespältig aus. Sie sei froh, dass er eine Rede zur Rassenfrage gegeben habe. Fragen zu Geschlecht und Rasse seien auch in diesem Wahlkampf eine komplizierte Angelegenheit:

„I did not have a chance to see or to read yet Sen. Obama’s speech, but I’m very glad that he gave it. It’s an important topic. Issues of race and gender in America have been complicated throughout our history, and they have been complicated in this primary campaign. There have been detours and pitfalls along the way.“

Eine komplizierte Angelegenheit vor allem dann, wenn man Öl ins Feuer gießt wie Clinton mit scheinheiligen Kommentaren wie dem, soweit sie wisse, sei Barack Obama kein Muslim.

Die Gunst der Stunde kann sie auch dadurch nutzen, die Angelegenheit nur vorbei ziehen und die Medien ihren Part erledigen zu lassen. Würde sie das Thema aggressiv aufgreifen, könnte das vor allem aus der schwarzen Wählerschaft negativ auf sie zurück fallen. al08de
Das Gebot der Stunde wäre, ein klares Wort zugunsten Obamas auszusprechen. Das wird sie kaum tun. Wer aber die Rassenfrage als eine der heikelsten Fragen in den USA zu Wahlkampfzwecken nutzt – und sei es durch Passivität-, hat moralischen Kredit verspielt.

— Schlesinger

PS.: Die Rede Obamas wurde live von 4 Millionen Menschen gesehen und auf Youtube bereits über 1.600.000 mal, womit sie dort der derzeitige Spitzenreiter ist.

Meinungen zu Obama / Wright, vor der Rede Obamas zur Rassenfrage:

Politico: „Obama was strong on notion America can come together but weak in explaining the reason for the speech“

Politico: Republikaner sehen den Vorfall Jeremiah Wright als Weg zum Sieg

Publicpolicypolling: Laut jüngsten Umfragen hat die Wright – Geschichte Obama schwer geschadet :

dna: The question is really whether America has already decided Obama is too black to be president. If that line has been crossed, than there’s really nothing he can do to convince them otherwise.

(Grafik: State of Pennsylvania)