Barack Obama unter Beobachtung

scrutiny – so lautet das Schlüsselwort, mit dem Obama jüngst zu kämpfen hat. Unter Beobachtung. Man war sich bislang darüber einig, dass der Senator aus Illinois seitens der Presse durchaus wohlwollend behandelt wurde.

Nun muß sich Obama Mühe geben, diesen Trend zu unterstützen, denn sonst wird die Meute über ihn herfallen. Schon seit einiger Zeit schwelt die Mini-Affäre namens Antoin Rezko, bei der es um möglicherweise nicht ganz einwandfreie Spendengelder für Obamas frühere Wahlkämpfe geht.

Sodann gab es vorletzte Woche den Rücktritt der Obama-Beraterin Samantha Power, die Hillary Clinton in einem Interview mit dem „Scottsmen“ ein „Monster“ nannte und dabei ausführte:

„Man schaut sie sich an und denkt: Pfui. Aber wenn man arm ist und sie einem Geschichten darüber erzählt, dass Obama einem den Job wegnimmt, funktioniert es vielleicht…“

michaelangelo_jeremiah.jpgDer jüngste Vorfall dürfte der Schwerwiegendste werden. Obamas Chicagoer Pastor Jeremiah Wright stellt sich als ein Hassprediger ersten Ranges heraus. Wright scheint bekannt dafür zu sein, fundamentalistische Ansichten aggresiv zu vertreten. Offenbar des öfteren schon predigte er über die „U-K-K-K-S-A“, also die Vereinigten Staaten als Vereinigte Staaten des weißen Ku-Klux-Klan. Weitere Kostprobe:

„The government gives them [African Americans] the drugs, builds bigger prisons, passes a three-strikes law and then wants us to sing ‚God bless America,‘ No, no, no, not ‚God bless America,‘ God damn America. That’s in the Bible, you’re killing innocent people. God damn America for treating us citizens as less than human.“

Nach 9/11 sagte Wright:

„We bombed Hiroshima, we bombed Nagasaki and we nuked far more than the thousands in New York and the Pentagon, and we never batted an eye…America’s chickens are coming home to roost.“ [Frei übersetzt: Was sind die paar Tausend Toten von New York und dem Pentagon (gemeint sind die 9/11 Anschläge) gegenüber unseren Atomschlägen in Hiroshima und Nagasaki? Wir haben nie eine Träne darüber vergossen, und die Schuld beginnt nun auf uns zurück zu fallen.]

Was hätte man denn anderes erwarten sollen von einem Prediger namens Jeremiah? Denn schon in der Bibel stehen die Aufgaben des Jeremia 1,10 geschrieben, die da sind:

Ausreißen und niederreißen, vernichten und einreißen, aufbauen und einpflanzen

Obama jedenfalls distanzierte sich von Wright und nannte dessen Äußerungen „hetzerisch und widerwärtig„. Deutlicher konnte Obama seine Ablehnung kaum zum Ausdruck bringen. Ob ihm das die Pressemeute vom Hals hält, wird sich in den nächsten Tagen und Wochen herausstellen.

Prognose: Er wird mit einem blauen Auge davonkommen. Bislang gehören diese Episoden noch in die Kategorie „lässliche Sünden“ oder „Pech gehabt“.

Mehr darf auf keinen Fall dazukommen.

— Schlesinger

(Bild: Michelangelos Jeremia)