Barack Obama rügt China wegen Tibet

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UPDATE 17.03.08 20.45

VOLKSKRIEG

So lautet die Formulierung der chinesischen Führung für den nun eingetretenen Zustand in Tibet, nachdem vor wenigen Stunden das Ultimatum an alle Aufständischen abgelaufen ist, die Demonstrationen abzubrechen und sich bei den Behörden zu melden. Der von China eingesetzte Gouverneur Champa Phuntsok versuchte den Eindruck zu erwecken, bei den Aufständischen handele es sich lediglich um

„a small group of separatists and criminals“

Dazu seine unmißverständliche Drohung:

„If these people turn themselves in, they will be treated with leniency [Nachsicht] within the framework of the law,“ otherwise „we will deal with them harshly„.

Es besteht kein Zweifel daran, dass China in einem harschen Umgang geübt ist.

Da zumindest nach offizieller Version das Ultimatum abgelehnt wurde, wird zu dieser Stunde die „harsche“ Aktion anlaufen.

China hat bereits alle Journalisten aus Tibet gewiesen.

Aus Lhasa und den übrigen Regionen sind keine Nachrichten mehr verfügbar. Das chinesische Staatsfernsehen überträgt Bilder, die zerstörte oder geplünderte Geschäfte in Lhasa zeigen und beschreibt sie als Taten krimineller Separatisten.

„Volkskrieg“ als Vokabel wurde von Peking zuletzt anläßlich der Niederschlagung der Volksbewegung auf dem Platz des Himmlischen Friedens („Tiannanem“) 1989 verwendet.

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Das lässt nichts Gutes erwarten.

Übrigens: Gouverneur Phuntsok wird sich über seine Wortwahl hinsichtlich der „kleinen Gruppe von Kriminellen“ nicht ganz im Klaren gewesen sein, aber es erinnert doch sehr an die Formulierung Adolf Hitlers nach dem mißglückten Attentat vom 20.Juli 1944: „Eine ganz kleine Clique ehrgeiziger, gewissenloser und zugleich verbrecherischer dummer Offiziere hat ein Komplott geschmiedet…“

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Auf seiner Homepage fordert Barack Obama die chinesische Regierung auf, die Menschenrechte in Tibet zu achten und Aufklärung zu leisten über den Verbleib der inhaftierten Mönche.

Er „verurteilt die Gewaltanwendung gegnüber friedlichen Demonstranten“.

In den Unruhen käme die Frustration des tibetischen Volkes über die Art und Weise zum Ausdruck, wie Peking in Tibet regiere (Obama vermied eine stärkere Formulierung wie „die Besatzung ausübe“).

Trotz der informellen gespräche, die China mit Vertretern des Dalai Lama in den vergangenen sechs Jahren führte, zeige China keine Neigung, sich den Kernpunkten der Gespräche zu nähern.

Die Kultur und Religion des tibetischen Volkes müssten respektiert werden.

China solle den Dalai Lama zu offiziellen Gesprächen einladen.

Die Ereignisse der jüngsten Tage zeigten „ein anderes Gesicht Chinas“ als das, das man erfreulicherweise in den Entwicklungen der vergangenen Jahre gesehen habe. Gerade im Jahr der Olympischen Spiele könne China der Welt zeigen, wie es sich entwickelt habe. Nun wäre die Zeit, in der Peking Schritte in diese Richtung unternehmen müsse, indem sie den Umgang mit Tibet ändern.

Original:

I am deeply disturbed by reports of a crackdown and arrests ordered by Chinese authorities in the wake of peaceful protests by Tibetan Buddhist monks. I condemn the use of violence to put down peaceful protests, and call on the Chinese government to respect the basic human rights of the people of Tibet, and to account for the whereabouts of detained Buddhist monks.

These events come on the 49th anniversary of the exile of the spiritual leader of Tibetan Buddhists, the Dalai Lama. They demonstrate the continuing frustration of the Tibetan people at the way in which Beijing has ruled Tibet. There has been an informal dialogue between Chinese leaders and the Dalai Lama’s representatives over the past six years. It is good that they have been talking, but China has thus far shown no flexibility on the substance of those discussions. Indeed, it has delayed in scheduling the latest round, despite the willingness of the Tibetans to continue dialogue. al08de

If Tibetans are to live in harmony with the rest of China’s people, their religion and culture must be respected and protected. Tibet should enjoy genuine and meaningful autonomy. The Dalai Lama should be invited to visit China, as part of a process leading to his return.

This is the year of the Beijing Olympics. It represents an opportunity for China to show the world what it has accomplished in the last several decades. Those accomplishments have been extraordinary and China’s people have a right to be proud of them, but the events in Tibet these last few days unfortunately show a different face of China. Now is the time for Beijing to take steps that would change the image people have of China later this year by changing the reality of how they treat Tibet and Tibetans. Now is the time to respect the human rights and religious freedom of the people of Tibet.“

Deutliche und verbindliche Worte, da Obama explizit die in China hochgradig unerwünschte Formel „Achtung der Menschenrechte“ äußert und China unverstellt mitteilt, es werde an seinem Verhalten gegenüber Tibet gemessen werden. Brandreden müssen in solchen Fällen der jeweiligen Opposition überlassen bleiben.

Bleibt zu wünschen, dass Angela Merkel ähnlich deutliche Worte findet.

Mehr: Chinesische Lehrstunde zu Tibet.

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— Bigdaddy

(Photo 1: China als Befreier Tibets © piccaya - Fotolia.com )
(Photo 2: taken on June 5, 1989, by Jeff Widener - Associated Press)