Bush: Einsatz in Afghanistan ist romantisch

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PUBERTÄT: »Geschlechtsreife«, die durch hypophysäre Gonadotropine ausgelöste, bezüglich Zeitpunkt und Dauer stark variierende Zeit vom Erstauftreten sekundärer Geschlechtsmerkmale bis zur Spermatozoenreife, normal zwischen dem 9. und 17. Lebensjahr. Neben körperlichen gibt es auch psychische Veränderungen: disharmonische Motorik, vergröberte Mimik, labile Stimmung, Minderwertigkeitskomplexe, Geltungs-Macht-Trieb etc.), mit deren Verschwinden ein neues Ich-Bewußtsein gefunden wird.

George W. Bush hat noch kein neues Ich-Bewußsein gefunden. Er hat das Ich-Bewußsein seiner Kindheit beibehalten:

  • sein pubertäres Lachen, wenn er vom Dritten Weltkrieg spricht
  • seine juvenile Art zu gehen, die peinlich an einen schmalen Sechzehnjährigen erinnert, der die ersten Stunden im Fitneßstudion hinter sich hat und nun vor dem Spiegel versucht, seine Hühnerbrust aufzuwerfen
  • seine Minderwertigskeitskomplexe, die sich u.a. darin zeigen, dass er sich wie kaum ein anderer Präsident vor ihm von Anfang an im Weissen Haus verschanzte und nie – außer zur state of the union – im Kongreß Rede und Antwort stand; oder sein Kommentar vom letzten Spätjahr, er sei durchaus noch „relevant“ (betonte das gestern nicht auch Kurt Beck? Anderes Thema.); die ihn dazu veranlassen, sich in die Positur eines Kampfpiloten zu werfen und sich zu brüsten mit einem lächerlichen „mission accomplished„, als wäre er John Wayne in einem glohrreichen Western
  • sein Geltungs-Macht-Trieb, der ihn wieder und wieder betonen lässt, er sei der „commander-in-chief“, wobei er diesen Satz in seine leisure-wear-Lederjacke weithin sichtbar hat einsticken lassen so wie ein Fünfzehnjähriger eine Jeansjacke mit Nieten verziert. Niete.
  • vergröberte Mimik: Nicht aus Zufall lautet eine Webseite über ihn „smirking chimp“. Grinsender Affe. Mit dem passenden Untertitel: Ask not at whom the chimp smirks. He smirks at you! Zutreffend. Der Affe ist ein Affe, aber lacht über uns Halbaffen.

Dieser Präsident also sprach gestern per Videokonferenz mit Soldaten und Zivilisten, die in Afghanistan ihren Dienst versehen. Die Kräfte vor Ort berichteten viel über Probleme, aber auch über Fortschritte, über ihre Beziehungen zu den Stammesältesten, über Korruption und dgl. mehr. al08de

Dann sprach George, als der commander-in-chief, der Oberbefehlshaber, der in fünf Jahren Krieg noch nie einen Fuß auf den Boden der umkämpften Länder gesetzt hat (den berühmten Gummi-Truthahn hatte er in einer kuwaitischen US-Basis „zerlegt“), und der sich unmittelbar nach den Anschlägen von 9/11 so nachhaltig wegduckte, dass viele meinten, es müsse ihn erwischt haben. Dieser oberste militärische Befehlhaber zerging nun in unsäglicher Kriegsromantik.

Er sei schon etwas neidisch. Wäre er nur jünger und nicht an den Job in Washington gefesselt, dann wäre es eine phantastische Erfahrung, an der Front zu sein, und dieser jungen Demokratie beim Gelingen zu helfen. […]

Das müsse doch aufregend sein für Euch …. auch romatisch, irgendwie auch, Ihr wißt schon, in der Gefahr zu leben.

„I must say, I’m a little envious,“ Bush said. „If I were slightly younger and not employed here, I think it would be a fantastic experience to be on the front lines of helping this young democracy succeed.“

„It must be exciting for you … in some ways romantic, in some ways, you know, confronting danger. You’re really making history, and thanks,“ Bush said.

Gute Güte. Unerträglich. Dieser Mann wäre der erste, der seinen Darm bei einem Granteneinschlag in die Hose entleeren würde. Und dabei aus Verlegenheit grinsen wie ein Affe.

Das ist nicht nett? Der Mann hat einen Krieg mit Hunderttausenden von Toten herbei gelogen. DAS ist nicht nett. Da bleibt kein Platz für Lachen, ein Lächeln friert ein, erstarrt zu einem bitteren Grinsen.
Am Ende ähnelt man sich irgendwie.

— Schlesinger

(Photo: © Jean-Luc GADREAU - Fotolia.com)