Barack Obama oder vom Fehler, keinen gemacht zu haben

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( Photo: obama.senate.gov )

Es ist schon eine Crux mit dem mutmaßlich unbeschriebenen Blatt Obama.

Im allzu scharfen Gegensatz zu Hillary Clinton oder John McCain hat dieser Mann nichts in seiner Biographie oder politischen Agenda, das man ihm ernsthaft vorhalten könnte.

Der Mann hat noch keine oder noch keine groben Fehler begangen. Das macht ihn überaus suspekt.

Der liberale Kommentator Michael Kinsley äußerte sich kürzlich in der Washington Post wie folgt:

„I am not the best person to explain the media Obama swoon [Schwärmerei], since I have been a swooner myself.
No doubt we’ll all turn on him at some point, faithless bastards that we are. [Aber irgendwann werden wir ungäubigen Bastarde uns gegen ihn wenden. Das allerdings ist von Kinsley zynisch gemeint im Sinne von: Wir alle sind ungläubige Thomasse, daher wollen wir auch etwas Negatives finden. ]“

Ein Blogger im „Texas Monthly“ führt diesen Gedanken so weiter, als hätte Kinsley es wörtlich gemeint.
Dessen Ausführungen werden hier nur wiedergegeben, weil man sie in der einen oder anderen Variante vermehrt antrifft:

„Funny, but not so funny because it’s true. That’s the problem with falling in love with an untested, unknown candidate. He/she will become known, warts and all [mit all seinen Schwächen und Fehlern].
The only question is when.
All candidates with records have warts. [ Hm, so was wie die negative Version von „Wer schläft, sündigt nicht!“? Kinderphilosophie taugt sicher nicht zur Analyse von Kandidaten]
All candidates lacking warts also lack records or have unexamined records. [Ok, die Kinderphilosophie wird damit nochmals unterstrichen.]
American voters have a bad habit of falling in love with someone they don’t yet know as they let a yearning for change and newness overtake logic.
There is much to learn about Obama, as is obvious in the Times article and in exposés and reports by other media outlets like the Nation, Politico, and the Chicago Tribune.

The remaining question of the 2008 Democratic campaign is whether a close examination of Obama’s record will take place in time to boost Clinton’s fortunes. The answer right now appears to be „no.“

Wird also die große Durchleuchtung des Barack Obama rechtzeitig kommen, um Hillary (als was sieht er sie: Als die strahlende Fee, den weißgewandteten Engel?) neuen Auftrieb zu geben. Eher nicht, meint der Blogger.

Im Ergebnis stimme ich zu. In der „Beweisführung“ keinesfalls.

Der Blogger hätte sich besser an das halten sollen, was Michael Kinsley vor einiger Zeit zur scheinbar fehlenden Erfahrung Obamas klarstellte:

‚Hillary Clinton declared the other day […]

„We can’t afford on-the-job training for our next president.“

Barack Obama immediately retorted, „My understanding is that she wasn’t Treasury secretary in the Clinton administration. I don’t know exactly what experience she’s claiming.“ As wit, that round goes to Obama. [1:0 für Obama]

Clinton was elected to the Senate in 2000, her first experience of public office.

Obama was an Illinois state senator for seven years before being elected to the U.S. Senate in 2004.

In terms of experience in elective office, this seems to be a wash.‘ [Damit ist das mehr als ausgeglichen].

Ich habe kein Problem in der Anwendung der strafrechtlichen Maxime, dass derjenige als schuldfrei gilt, dem keine Schuld nachgewiesen wurde. Und es ist nun einmal keineswegs so, dass Obama ein leeres Blatt ist. Er mehrere „normale“ Legislaturperioden als Staats- und Bundessenator absolviert. Das soll sein Fehler sein?Obama hat sich inzwischen als einer erwiesen, der wie kaum ein anderer seine Landsleute um sich scharen kann. Was hätte das Land dringender nötig?

Das Problem für die Gegner liegt offen zutage.

— Schlesinger