John McCain klingt immer mehr wie Bush

Ich kann mir nicht helfen, aber wenn ich McCain höre, höre ich gar nicht mehr den „Maverick“.

Das war er lange Zeit, ein Freidenker im Senat und ein politischer Haudegen. Im Jahr 2005 hatte er sich sogar kräftig mit George W. Bush angelegt. Nach dem Abu Ghraib Skandal musste er sich zu Wort melden. Das tat er auch kräftig. So lange, bis die Dienstvorschrift der Armee, die natürlich die Regeln der Genfer Konvention berücksichtigt, auch für die Behandlung der Gefangenen im Irak galt.

Hut ab bis dato! Aber je länger der Wahlkampf dauert, desto weniger klingt McCain wie McCain. Er klingt immer mehr wie Bush. Auch die Logik hat er offenbar von Bush übernommen.

McCain wirft nun Obama vor, der würde als Präsident den Kampf im Irak aufgeben wollen und damit der Al Quaida neuen Auftrieb geben.

Das perfide daran ist: Er hat fast recht. ‚Fast‘ bedeutet: Es gibt Al Quaida inzwischen im Irak. Vorher, also vor dem Einmarsch der USA, gab es sie nicht. Dafür hatte schon Saddam Hussein gesorgt. Dessen strikt weltliches Baath-Regime hätte eine fundamental wahabitische Gruppierung wie die eines Bin Laden niemals im Lande toleriert.

Er hat nur fast recht, insofern die USA am Al Quaida Debakel im Irak selbst schuld sind, und es daher eine hinterhältige Argumentation ist so zu tun, als wäre dieses Problem vom Himmel gefallen. Das war bislang die genuine Rhetorik von George W. Bush. Das nun aus dem Mund von McCain stimmt nachdenklich.

[ Gastbeitrag von Rainer, Köln ]