Offener Ausgang: Hillary Clinton vs. John McCain

Barack Obama hat den vielbesagten Schwung aus seinem haushohen 2:1 Sieg über Hillary Clinton in South Carolina mitgenommen. Clintons anschliessender Sieg in Florida zählt dagegen wenig, da Florida keine Delegierten stellt. Der Sieg Obamas hat ihm mehr als nur Delegiertenstimmen eingebracht: Im Januar 2008 erhielt er die Rekordsumme von sage und schreibe 32 Millionen Dollar an Spendengeldern. Damit kann er weitgehend unbegrenzt Wahlspots bis zum „tsunami-tuesday“ am 05.Februar schalten.Hinzu kommt die Unterstützung des Kennedy-Clans und jüngst die öffentliche Unterstützung der mächtigen, 150.000 Mitglieder zählenden kalifornischen Gewerkschaft „Service Employees International“. Inwieweit Obama die Unterstützung des äußerst populären Wrestlers Hulk Hogan dienlich ist, sei dahingestellt.

Die Frage ist: Wird dies ausreichen, die letzlich doch entscheidende Masse der weißen Wähler plus eine hinreichende Zahl der Hispanics als der größten Minderheit relativ kurzfristig auf die Seite des Senators aus Illinois zu ziehen?

Wer will, kann es wünschen, aber dennoch scheint es eher in den Bereich der Wunschvorstellung zu gehören.

Gehen wir einmal davon aus, dass sich Hillary Clinton durchsetzt.

Auf Seiten der Republikaner scheint der Sieg John McCains weitgehend fest zu stehen.

Clinton – McCain….

Alle Welt stimmt in der Annahme zu, dass die amerikanischen Wähler nur eins wollen: Eine Abkehr von Bush, dessen Zustimmungsraten unverändert bei – je nach Umfrage – 31 bis 34 % dümpeln. Zur Erinnerung: Bill Clinton hatte gegen Ende seiner Amtszeit trotz Lewinsky-Affäre weit über 60% Zustimmung. Damit stehen die Demokraten noch längst nicht gut da. Leider weist der Kongress insgesamt ähnlich schlechte Zustimmungraten wie Bush auf. Dem Kongress wird zurecht angelastet, sich den vielfachen Alleingängen Bushs nicht energisch genug entgegen gestellt zu haben. Das belastet beide Parteien.

Eine Abkehr von Bush ist daher nicht gleichbedeutend mit einer Abkehr von der Republikanischen Partei. Das gilt nur so lange, wie sich ein republikanischer Kandidat in allzu großer Übereinstimmung mit George W. Bush zeigt. Das traf für Rudy Giuliani zu, der noch weiter ging und in Sachen Sicherheitspolitik bisweilen als Bush reloaded sprach. Dafür wurde er nun bitter bestraft.

John McCain ist ein ganz anderes Kaliber. McCain wird oft und vorschnell als hardliner gesehen. Unlängst sprach er davon, dass er kein Problem damit hätte, würden die USA 100 Jahre im Irak bleiben – solange keine US Soldaten dabei zu Schaden kämen. Darauf stürzten sich Kriegsgegner aller Couleur. Sieht man sich die Argumentation McCains näher an, erkennt man, dass er mit seiner Formulierung auch bewußt provoziert hat und seine Ausführungen im übrigen nicht gar so abwegig sind.

Damit konnte er in der wahltaktisch wichtigen Sache „Irakkrieg“ Ruhe in den eigenen Linien erzeugen.

Entgegen dem republikanischen Credo, nur keine Steuern zu erhöhen, hat McCain inzwischen mehrfach angedeutet, dass er sich auch um einen ausgeglichenen Haushalt kümmern wolle und dazu auch gewisse Steuererhöhungen in Frage kämen. Damit offeriert er eine Hand in Richtung des demokratischen Klientels, ohne das eigene zu sehr zu erschrecken: Auch eingefleischte Republikaner sind nicht erfreut über die von George W. Bush produzierte, historisch größte Staatsverschuldung der USA.

Vielleicht am interessantesten wird der Aspekt „Abgrenzung gegenüber George W. Bush“.

Ja, man wird dann sogleich erinnert an das berüchtigte Bild, auf dem John McCain Präsident Bush innig umarmt. Das besagt – gar nichts. Die amerikanischen Wähler dürften sich vielmehr an die beinahe ein Jahr währende Schlacht erinnern, in der der republikanische Senator John McCain in Sachen Guantanamo und Folterpraxis gegen das Weisse Haus gekämpft und eine Gesetzesänderung erzwungen hat.

Was kann Hillary Clinton vorweisen, wenn es um die Frage nach „Widerstand gegen George W. Bush“ geht? In der jüngsten Debatte mit Barack Obama brachte sie hinsichtlich ihrer damaligen Zustimmung zum Irakkrieg zu ihrer Verteidigung vor, mit Bush zu reden wäre wie mit einer Hauswand zu reden. Das ist eine hübsche Rhetorik, der Bush-Kritiker gerne zustimmen werden. Allerdings ist es auch ein Eingeständnis der eigenen Macht- oder Mutlosigkeit.

Offenkundig ist es demgegenüber John McCain gelungen, die Hauswand zu durchbrechen und sich durchzusetzen…

Wo könnte McCain jenseits üblicher Differenzen zum offiziellen politischen Programm empfindlich angreifbar sein, wo könnte seine Achillesferse sein? Man darf vermuten: Er hat keine.

Bei Hillary Clinton sieht die Sache etwas anders aus. Sämtliche halb- und inoffiziellen Themen der letzten Jahrzehnte bis hin zu den keineswegs augetrockneten Sümpfen aus der Gouverneurs- und Präsidentschaftszeit Bill Clintons werden wieder herausgefischt werden. Vielleicht nicht durch McCain persönlich, und bestimmt nicht in der kühlen Phase des Vorwahlkampfes, aber gewiß in der heißen Phase des eigentlichen Wahlkampfs durch die Mitstreiter an seiner Seite. Ob es dabei im Einzelfall „nur“ um Bill Clinton und gar nicht um Hillary geht, spielt keine Rolle. Nicht umsonst geht es längst um „Billary“, beide gibt es nur im Doppelpack.

Auch die kaum verhüllten Schmierkampagnen, die die Clintons gegenüber Barack Obama lanciert haben, dürften sich gegenüber dem recht honorigen McCain nicht zu ihrem Vorteil auswirken.

McCain ist zwar im republikanischen Lager umstritten, aber genießt im großen Block der parteiunabhängigen Wähler viele Sympathien – im Gegensatz zu Hillary Clinton, die von diesem Klientel eine relativ hohe Ablehnung erfährt (> 40%).
Sodann bleibt die große Frage nach dem „running mate„: Wen stellt sich John McCain als gedachten Vizepräsidenten an seine Seite? Es wird viel gemunkelt über Mike Huckabee, der zu Beginn der primaries für Furore gesorgt hatte. Das könnte McCain einen schönen Bonus bei den Klerikalen verschaffen, zumal sich Huckabee noch keinen richtigen Schnitzer erlaubt hat.

Was weist Hillary vor zum Thema Patriotismus? Das übliche. Was weist McCain vor? Er diente in Vietnam und war 5 Jahre im berüchtigten Kriegsgefangenenlager „Hanoi Hilton“. Heute dienen zwei Söhne der McCains in der Navy und der Army. Da gewinnen die Worte der Frau McCains im Wahlkampf ganz anderes Gewicht, wenn sie sagt, wir wollen diesen Krieg in Würde gewinnen, wir wollen unsere Söhne heim holen.

Möglicherweise kommt McCain mit einer großen Überraschung. Wie wäre es mit Arnold Schwarzenegger? Das könnte ein für die Demokraten äußerst brisantes Gespann abgeben. Hier der Kriegsheld, langjährige Senator, Erfahrene in Sachen Außenpolitik, Guantanamo-Gegner, und dort der „junge“ Gouverneur Schwarzenegger, der zum Vorreiter im Klimaschutz, zum Widersacher George W. Bushs, zum Anhänger neuer Technologien jeglicher Couleur und zuletzt – in scharfem Kontrast zum Versagen Bushs während des Hurrikanes Katrina – zum gefeierten Katasprophenmanager während der letzten Feuersbrünste in Kalifornien wurde.

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Schwarzenegger ist ambitioniert, und kann es kraft Herkunft höchstens zum Vizepräsidenten bringen. Ach, und er hat vor wenigen Tagen John McCain als Favorit gepriesen und McCain hat ihn gepriesen als Vorreiter beim Umweltschutz…

Eine derartige Kombination zu schlagen wäre für die bislang als Favoriten geltenden Demokraten, wäre für die bislang als Favoritin geltende Hillary Clinton schwierig, sehr schwierig. Der Wahlkampf wird spannend…

— Mark

UPDATES:

Der Chef der amerikanischen Grünen, Ralph Nader, zieht offenbar eine späte Kandidatur in Erwägung. Auch wenn Nader völlig chancenlos bliebe, würden die Stimmen für ihn zu Lasten des demokratischen Lagers gehen. Das war die schmerzliche Erfahrung aus dem Jahr 2000, in dem Al Gore unter unsauberen Umständen gegen George W. Bush unterlag.

Zahlreiche Kommentatoren aus dem Republikanischen Lager wünschen sich Hillary als Kandidatin. Der Grund hierfür ist einfach: Niemand aus den Reihen der Demokraten würde die republikanische Basis enger zusammen schweißen als die Clintons.

Eine Besonderheit stellt die erzkonservative Kommentatorin Ann Coulter dar, die in einem Interview unlängst meinte, sie würde für Hillary Wahlkampf machen und für sie stimmen, wenn John McCain der Kandidat der Republikaner würde. Hillary sei konservativer als er, sie lüge weniger und gebe bessere Antworten zum Irakkrieg.
Nun sollte man jemanden mit so viel Haaren auf den Zähnen wie Ann Coulter niemals wörtlich nehmen, da sie nichts ohne Hintergedanken äußert. Zwar trifft es zu, dass McCain für viele Republikaner zu sehr Freigeist ist, aber das würde am Wahltag nichts oder wenig daran ändern, dass sie ihn und nicht Hillary wählen würden. Das Kalkül Coulters könnte einfach lauten: Wenn mir genügend Demokraten und Parteilose abkaufen, dass Hillary „mehr Republikaner“ ist als McCain, dann wählen die den liberaleren von beiden …

Der einflussreiche Vorsitzende des Rechtsausschusses im Repräsentantenhaus, John Conyers, hat Bill Clinton für dessen provokative Unterstützung seiner Frau kritisiert: Clinton könne sich nicht zurückhalten…