US Medien informieren im Sinne von George W. Bush – und wie!

pinocchio.jpgDie Regierung Bush betreibt von Anfang an gezielte Desinformation in einem Ausmaß, das durchaus Vergleiche mit der Medienpolitik diktatorischer Regimes zulässt. Hierzu ein paar Beispiele:

  • Die Schauspielerin Bobbie Faye Ferguson spielte in so hochklassigen Rollen wie „Das Bermuda Dreieck“ und … weniger berühmtem. Immerhin erhielt sie vom Ministerium für Homeland Security einen 100.000 Dollar Auftrag, um als „freie Berichterstatterin“ Medienhäppchen für Fernseh- und Radiostationen aufzubereiten, die im Sinne des Departements waren. Die Sender nehmen derartige Informationen gerne als Lückenfüller auf, zumal sie in diesem und vielen weiteren ähnlich gelagerten Fällen kostenlos angeboten wurden.
  • In 2005 kam ans Licht, dass die sog. Lincoln Group im Auftrag des US Verteidigungsministeriums irakische Journalisten eingekauft hatte, damit sie gefällige Artikel über die irakischen Fortschritte schrieben. Genauer genommen wurden die Artikel vom Army-Pressekorps verfasst und von den Irakis ins Arabische übersetzt.
  • Armstrong Williams, der immerhin auch für die Washington Post und die Detroit Free Press schreibt, organisierte für 240.000 Dollar an Steuergeldern Spots für verschiedene Stationen, die das Bildungsprogramm Bushs No Child left Behind ins rechte Licht rücken sollten. Die Ironie: Auf CNN dozierte er auch über Medienethik.Williams bekam auch einen größeren Auftritt, als er Vizepräsident Dick Cheney „interviewen“ durfte: Cheney beschwerte sich über die seiner meinung nach billige Preeseberichterstattung, die seine frühere Tätigkeit als Vorstand von Halliburton des öfteren kritisierte. Halliburton erhielt seit Beginn des Irakkriegs millionenschwere Aufträge. Das Interview, das selbstverständlich auf vielen Kanälen gesendet wurde, war natürlich kein freies Interview, sondern ein „bestelltes“.
  • Im Jahr 2006 kam der Aufsichtsausschuss des Senats (Government Accountability Office – GAO) zum Schluß, dass die Regierung Bush von 2003 bis 2006 1,6 Milliarden Dollar für Public Relations ausgegeben hatte.

Öffentlichkeitsarbeit betreibt jede Regierung. Aber auch in der amerikanischen Rechtsprechung ist es der Regierung untersagt, Informationen über Dritte so zu platzieren, als kämen sie von unabhängiger Stelle.

Denn das ist – Propaganda und Aushöhlung der Demokratie.

— Schlesinger

Das sind nur w e n i g e Beispiele aus der Fülle von Fällen, die New York Times Autor Frank Rich in seinem äußerst lesenswerten Buch „The Greatest Story Ever sold“ schildert:

Die große US Historikerin Barbara Tuchmann schrieb ein sehr beeindruckendes Werk über die „Torheit der Regierenden – Von Troja bis Vietnam„. Tenor: Wieso haben sich Regierungen auf Abenteuer eingelassen, für die sie teuer bezahlen mussten, obwohl von Anfang an Informationen zur Verfügung standen, die sie vom gegenteiligen Handeln hätten überzeugen müssen? Sie können dieses Buch auch gut mit umgekehrten Vorzeichen lesen: Die Torheit der Regierten – akzeptierte Lügen in Zeiten der Regierung Bush. In den Monaten vor dem Irak-Krieg standen US-Bürgern (und dem Kongress – Gruß an Hillary Clinton, Gruß an die damalige Oppositionsführerin Angela Merkel) ausreichend Informationen zur Verfügung, die sie hätten aufbegehren lassen müssen gegen die erlogenen Argumente der Regierung Bush. Schröder und seine Kanzleramtschef Steinmeier hatten – unabhängig davon, dass sie ihre Antikriegshaltung als Wahlargument zu nutzen wußten – das bessere Gespür für die Motive Bushs.

(Photo: Pinocchio / Flickr CC)