Ein Machtwort von George W. Bush in Arabien

Rubrik „Die andere Seite“

Nun ist die Nahost-Tour des US Präsidenten vorüber. In Israel respektive im Gaza-Streifen hat er Freund und Feind mit markigen Worten und eindeutigen Forderungen überrascht. In der Knesset bröckelt bereits die Koalition unter Ehud Olmert, weil die Religiös-Nationalen mit „Land für Frieden“ noch immer nichts am Hut haben. Was unterm Strich dabei heraus kommt, wenn sich der Präsident nach 7 Jahren Amtszeit einmal höchstpersönlich um den Nahen Osten kümmert, wird man sehen. Erwarten sollte man nicht allzu viel.

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In Saudi-Arabien wurde auch über den hohen Ölpreis gespochen. Da muss George W. Bush sehr direkt gewesen sein – wenn man seinen eigenen Darstellungen Glauben schenken darf:

I have asked [the saudi princes] point blank, ‚Do you understand how difficult these issues [high oil price] are?‘ Yes. ‚Are you prepared to make the painful political compromises?‘ They say they are.

Die Saudis werden sich also schmerzlicher politischer Kompromisse unterziehen, um den USA, um Bush aus der Misere hoher Ölpreise zu helfen?

Sodann versuchte der Präsident, die Saudis von der Gefährlichkeit des Iran zu überzeugen und sie auf seine Antworten darauf einzuschwören. Die Saudis haben in 1990 genau beobachtet, wie Saddam Hussein in Kuwait einmarschierte. Sie werden ihre Lektionen daraus gelernt haben. IHRE Lektionen. Es sind andere, als ihnen Bush anbietet.

Für das Sendungsbewußtsein und die Naivität von George W. Bush scheint gleichermaßen nur der Himmel die Grenze zu sein.

Die populärste englischsprachige Zeitung in Saudi-Arabien, Arab News, nimmt denn auch kein Blatt vor den Mund, das Ansinnen Bushs zum Iran in Grund und Boden zu kritisieren. Bush wird als der Verrückte auf der Suche nach Krieg dargestellt:

„Whatever threat Iran may constitute, now or in the future, must be addressed peaceably and through negotiations

In his confrontational remarks about Iran, [Bush] offers no carrot, no inducement, no compromise — only the big U.S. stick,“ it said.

Und:

This is not diplomacy in search of peace. It is madness in search of war.

Ein nicht näher benanntes Editorial? Die saudische Presse ist so frei nicht, dass sie solche freimütige Kritik abdrucken könnte, wenn sie nicht prinzipiell abgesegnet worden wäre. Das war eine halboffizielle Antwort des Geschlechts der stolzen Sauds auf das Ansinnen eines Möchtegern-Präsidenten.

Die finale Ohrfeige erhielt Bush schließlich aus Kuwait, dem Staat, der von Bush senior im ersten Golfkrieg aus den Klauen Saddam Husseins gerettet wurde.

Kurz nach dem Eintreffen Bushs im Nahen Osten reiste der kuwaitische Außenminister Saba Salem Sabah nach Teheran. Dort äußerte er sich wie folgt:

My country knows who is our friend and who is our enemy, Iran is our friend.

Willkommen, Mr. President, in der wirklichen arabischen Welt.

— Schlesinger

(Photo:  © Eray Haciosmanoglu - Fotolia.com)