Können 31.000 Klimaskeptiker irren?

Deutschlandradio Kultur brachte heute morgen einen interessanten Beitrag zum Thema „Wasser und Klimawandel“.

Teilnehmer des Studiogesprächs war u.a. der Ozeanologe Prof. Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

Im Verlauf des Gesprächs, das sich um den Zusammenhang von Wasser und Klimawandel drehte, wurde die Frage eines Anrufers beantwortet, was man von den 31.000 amerikanischen Unterschriften von Wissenschaftlern zu halten habe, die sich gegen die These vom menschengemachten Klimawandel wenden?

Man merkte Rahmstorfs an, dass er sich zurückhalten musste in der Formulierung seiner Antwort. So meinte er beherrscht, unter diesen Unterschriften seinen zwar einige mit akademischen Titeln, aber niemand mit Rang und Namen aus der Klimaforschung.

Auf allen Fachtagungen jedenfalls gebe es niemand, der den Stand der Forschung bezweifle.

Im Internet dagegen könne man hingegen den Eindruck gewinnen, man sei sich in wissenschaftlichen Kreisen uneins beim Klimawandel.

Das Internet ist nun einmal ein regelfreier Raum. Jedermann mit noch so geringen Bildungsvoraussetzungen hat freien Zugang und darf behaupten, was er oder sie will. Auch 31000 Schlaumeier Kritiker dürfen da ihre Meinung kundtun.

In der Regel sind die sogenannten Klimaskeptiker gar nicht in der Lage oder nicht willens – meist beides – mit Informationen sachlich umzugehen.

Einfaches Beispiel: Der SPIEGEL fasste im Mai diesen Jahres aktuelle Forschungsergebnisse unter dem Titel

„Erderwärmung macht zehn Jahre Pause“

zusammen:

[…] Wenn die Simulationen Kieler und Hamburger Forscher sich als richtig herausstellen, könnte der Klimawandel erst mal eine kleine Pause einlegen, schreiben der Kieler Forscher Mojib Latif […]

Die Wissenschaftler begründen ihre Prognose mit natürlichen Klimaschwankungen, die den langfristigen Erwärmungstrend im kommenden Jahrzehnt wohl etwas abmildern werden.

Nun der entscheidende Satz:

Klimamodelle, die auch Ozeanströmungen berücksichtigten, ergaben einen um etwa 0,2 Grad geringeren Temperaturanstieg als bei früheren, gröberen Simulationen

Beim Laienverbund der Internet-Klimaforscherlein blieb selbstverständlich nur der prägnante Titel hängen. Mit beinahe onanistischer Häme wurde und wird da von „Erklärungsnöten“ und „Zusammenbrüchen der Klimalügengebäude“ posaunt. Und doch sind die Lomborg-Jünglinge offenbar nur nicht dazu fähig, Beiträge wie den oben genannten hinreichend sorgfältig zu lesen (ganz zu schweigen davon, dass sie wissenschaftliche Beiträge lesen und verstehen würden).

Ach, man hat schon viel über zunehmende Leseschwäche in Deutschland gehört. Und offenbar stimmt es.

Da ist man geneigt, in Abwandlung von Winston Churchills berühmt-berüchtigten Spruch

Das grösste Argument gegen die Demokratie ist ein fünfminütiges Gespräch mit einem durchschnittlichen Wähler.

zu sagen:

„Das größte Argument für den menschengemachten Klimawandel ist die Anschauung seiner durchschnittlichen Leugner“

Um die Frage der Überschrift zu beantworten: Oh ja. Und wie!

— Schlesinger

(Photo: Fotolia © HenningManninga)

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