Grauenhaft effiziente Anschläge in Mumbai

Grobschlächtiges Mittel, großer Erfolg: So läßt sich schon jetzt die Terroraktion im indischen Bombay (Mumbai) klassifizieren – aus Sicht der islamistischen Drahtzieher.

Die Opfer wurden mehr oder weniger beliebig ausgewählt. Das geschah nicht durch Zufall.

Der Effekt mußte möglichst groß sein. Dazu braucht es wahlweise viele Opfer oder mit Amerikanern und Briten solche Opfer, die für eine flächendeckende Berichterstattung und den Transport der Schreckensbilder sorgen.

Islamistischer Terror benutzt Muslime

In der heutigen Süddeutschen spricht ein indischer Literaturwissenschaftler davon, die islamistischen Attentäter würden außer acht lassen, dass die muslimische Minderheit Indiens in der Folge der Anschläge dafür büßen müssten. Damit nimmt der Kommentator an, der islamistische Terror sollte letztendlich den Muslimen zugute kommen.

Das dürfte zumindest in diesem Fall weitab der Wahrheit liegen. Das Ziel von Terroristen, die wahllos in (Hindi- und Moslem-) Menschenmengen feuern und beliebig Passanten wie Touristen erschiessen, kann und darf niemals mit guten Absichten verklärt werden.

Das primäre Ziel solcher Gruppierungen ist der Terror selbst, auch wenn er mit zahlreichen „politischen“ oder weltanschaulichen Erklärungen daherkommen mag, das sekundäre die damit korrespondierende radikale  Weltanschauung zu verwirklichen.

Um auf den Kommentar zurück zu kommen: Es dürfte vielmehr scharfes Kalkül der Attentäter sein, die Situation der Muslime in Indien noch prekärer zu gestalten, als sie es ohnehin ist und immer war seit bestehen der indischen Nation.

Sollte einer der zahlreichen Hitzköpfe aus den Reihen einer ultra-nationalistischen Hindu-Gruppierung die Anschläge und die damit einhergehende Nervosität nutzen, um die latenten Spannungen zur Explosion kommen zu lassen, wäre den Attentätern aufs Beste gedient.

Eine weitere massenhafte Benachteiligung – von Ausschreitungen ganz zu schweigen – der Muslime im Lande fördert beinahe automatisch die Radikalisierung wenigstens von Teilen innerhalb dieses Bevölkerungsanteils.

Das wiederum bringt weitere Unruhe in das nie ganz friedliche Verhältnis zwischen Indien und dem muslimischen Nachbarn Pakistan.

Pakistan selbst hat alle Hände voll zu tun mit den letztlich nicht zu kontrollierenden Terror-nahen Stämmen im Grenzgebiet zu Afghanistan.

Mit dieser Konstellation wird es für den neuen US Präsidenten Obama äußerst schwierig werden, ein mit Indien und Pakistan konzertiertes Vorgehen gegen die Taliban beziehungsweise die Al-Quaida in Afghanistan und der Grenze zu Pakistan zu erreichen.

Darin liegt das mutmaßliche Kalkül der Anschläge.

Der jahrzehntelange Konflikt in Kashmir trägt in dieser Lage nicht gerade zur Beruhigung bei. Ihn  als Grund für diese jüngste Terrorserie anzunehmen dürfte in die Irre führen.

Wenngleich die Anschläge teilweise von Jugendlichen durchgeführt wurden, wie Bilder zeigen, sind sie offenbar von alten Terror-Strategen vorausschauend geplant.

— Schlesinger

(Photo: Stuti~)