Palästinenserpräsident Abbas – vergreist ins Nirgendwo

Mahmoud Abbas, der Nachfolger von Yassir Arafat als Präsident der Palästinenser, war von Begin an eine lahme Ente.

Mahmoud Abbas

Abbas war nie ein Charismatiker vom Schlag eines Arafat; er war aber auch nie ein hoch effizienter Bürokrat wie Salam Fayyad, der ehemalige Ministerpräsident.

Abbas war und ist ein lauer Kompromiss-Kandidat. Er war von den USA und von Israel gelitten, weil er Handlanger Israels in Bezug auf Sicherheitspolitik war.

Damit hat sich Abbas die Geldflüsse gesichert, und wer über das Geld herrscht, beherrscht auch die Politik. Das gilt zwar überall, aber nicht überall im selben Maß: Abbas hatte von Arafat ein ins Extrem getriebene System der Vetternwirtschaft geerbt, das er für seine Zwecke im kleineren Stil weiter führte.

Leider war Abbas‘ Formbarkeit keine Hilfe für die Sache des palästinensischen Staates.

Seit „Oslo“ (1993) kann jeder Palästinenser im Monats-Turnus zusehen, wie das Land von jüdischen Siedlern übernommen, das Wasser entwendet, das Land mit Müll aus Israel befrachtet und von Apartheits-Straßen „nur für Israelis“ zerschnitten wird.

Inzwischen ist Abbas ein 82jähriger Greis, der sich wie ein Greis verhält, so spricht und nicht ans Aufhören denkt.

Auf einer Versammlung vor dem Zentralrat der PLO in Ramallah hat er dieser Tage gegen die Entscheidung von US Präsident Trump gewettert, Jerusalem als Hauptstadt von Israel anzuerkennen. Das mag für viele zwar verständlich sein, aber nicht wenn man dabei Worte wählt, die auch aus dem Mund von Donald Trump kommen könnten: „Scheiß auf Euer Geld!“ hatte Abbas in Richtung Amerika gerufen, als ob ihm viele Alternativen offen stünden.

Statt sich mit einem klaren politischen Angebot an die zahlreichen Kritiker Trumps zu wenden – wie intelligent muss man für eine so naheliegende Strategie sein? – verteilte Abbas Ohrfeigen in alle Richtungen: USA, Israel, Europa, Hamas etc.pp.

Zur Krönung gab der alte Mann noch etwas Geschichtsunterricht: Theodor Herzl, der Begründer des politischen Zionismus Ende des 19. Jahrhunderts, habe mit diesem kolonialen Plan das Ziel verfolgt die Palästinenser zu vertreiben.

Nun kann man Vieles anführen um zu zeigen, wie sich ein moralisch berechtigtes Programm namens Zionismus zur Sammlung eines verstreuten und verfolgten Volkes in eine amoralische post-koloniale Besatzungsideologie verwandelt hat. Herzl hat das nicht geplant, und soweit man ihn aus seinen Schriften kennen kann, würde er es auch nicht billigen.

Theodor Herzl trifft nur der Vorwurf, fahrlässig naiv davon ausgegangen zu sein, sein „Volk ohne Land“ würde nach Palästina als ein „Land ohne Volk„* gehen können, ohne auf Probleme zu stossen. Deshalb konzentrierte man sich darauf, das Projekt Zionismus den politisch Mächtigen schmackhaft zu machen. Die Betroffenen wurden weitgehend ignoriert.

Chaim Weizmann, der spätere Staatspräsident Israels, und politische Gegner von Staatsgründer David Ben-Gurion, welcher letztlich die Vertreibung der Palästinenser in 1948 zu verantworten hat, warnte schon 1913:*

Noch schwerer ist die politische Arbeit unter den Arabern, den tatsächlichen Bewohnern des Landes. […] wir haben die Pflicht,[…] ihnen klar zu machen, daß wir mit ihnen zusammen arbeiten wollen.

Und Nahum Goldmann, der frühere Präsident des Jüdischen Weltkongresses, sagte dazu im SPIEGEL:

GOLDMANN: Hätte Herzl gewußt, wie kompliziert das Judenproblem ist, hätte er nie gewagt, den Zionismus zu verkünden. So aber wurde das Hauptproblem für ihn etwas Technisches: eine Transportfrage.
SPIEGEL: Sie glaubten aber auch, daß in Palästina massenhaft Platz sei?
GOLDMANN: Ja, wenn es entwickelt würde, denn es war ja ein unterentwickeltes Land.
Dennoch bleibt unser Fehler, unsere „Erbsünde“, daß wir nicht ein Zehntel der Bemühungen, die wir investiert haben, um England, Frankreich und sogar das wilhelminische Deutschland für den Zionismus zu gewinnen, für Verhandlungen mit den Arabern investiert haben.

Abbas versteht offenbar von der Geschichte Palästinas so viel, wie er davon versteht sein Volk voran zu bringen.

Wenn in Zukunft jemand die Erbsünde von Abbas beschreiben will, könnte das dabei heraus kommen: Er hat ein Zehntel seiner Bemühungen in klare Politik gesteckt, aber wie Mobutu neunzig Prozent in seinen Machterhalt.

Eigentlich müssten sich Netanjahu, Trump und Abbas prächtig verstehen.

— Schlesinger

* Redewendung stammt vermutlich von Israel Zangwill
** Vortrag über den XI. Zionistenkongress (Paris, Okt. 1913), zit. aus: Schoeps, Zionismus, S.213

Zeichnung M.Abbas:

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