Ein Wolffsohn im Schafspelz

Graffity Banksy
Folge Deinen Träumen - Vorstellung abgesagt!

Benjamin Netanjahu hat also die Wahlen in Israel wieder gewonnen. Zum fünften mal.

Trotz dringendem Korruptionsverdacht und drohender Anklage.

Trotz offener Kriegserklärung an die Pressefreiheit.

Trotz seiner zunehmend radikalen und anti-demokratischen Tendenzen.

Trotz der offenen Einschüchterung von israelischen Arabern, die am Wahltag von Netanjahu-Anhänger gefilmt wurden.

Nein – nicht trotz dieser bedenklichen Umstände wurde Netanjahu erneut gewählt. Sondern deswegen.

Israel steht rechts.

Professor Wolffsohn mag das rechte Israel

In der BILD-Zeitung klärt der Historiker und Professor Dr. Wolffsohn die Deutschen über den Sieg Netanjahus auf.

Er tut dabei ein bisschen so, als sei er ein neutraler Beobachter.

Doch zwischen allen Zeilen quillt die Genugtuung durch, mit der Wolffsohn den Wahlsieg des rechten Netanjahu „erklärt“. Erklären ist allerdings nicht ganz richtig. Er schmiert es den Links-intellektuellen Deutschen schön unter die Nase.

Und mit ein bisschen gefressener Kreide schließt er oberlehrerhaft:

Es mag uns in Deutschland und Europa nicht gefallen, aber die Israelis sind mit „Bibis“ Leistungen nicht unzufrieden.

Er, Wolffsohn, ist mit Bibi Netanjahu jedenfalls zufrieden. So darf man annehmen.

Rückzug aus dem Libanon als Zugeständnis

Aber wie sie schreibt der Historiker Wolffsohn auf BILD ?

Israel zog sich 1994 aus Teilen des Westjordanlands militärisch zurück, 1997 aus Hebron, 2000 aus dem Süd-Libanon, 2005 aus dem Gazastreifen und Jericho. Terror und Raketenbeschuss hörten nicht auf.

Das friedliebende Israel hat sich im Jahr 2000 aus dem Südlibanon zurückgezogen, und trotzdem hörte der Terror nicht auf?

Der Herr Professor hat eine Kleinigkeit unterschlagen. Israel ist 1982 ohne Grund in den Libanon einmarschiert, aber mit einer bestimmten Absicht .

Der damalige Verteidigungsminister Ariel Scharon wollte seinen Traum eines Groß-Israel umsetzen.* Er konnte seinen Premierminister Menachem Begin überzeugen in den Libanon einzumarschieren.

Aus dem Traum wurde ein Alptraum. 18 Jahre (!) später mußte sich Israel schmachvoll zurück ziehen. Während der repressiven Besatzung großer Gebiete des Libanon hat die israelische Armee die Bevölkerung so sehr gegen sich aufgebracht, dass neben der PLO eine neue Widerstandsbewegung entstand – die schiitische Hizbollah.

Was den Abzug aus Hebron anbelangt weiß ich nicht genau, was in der Praxis mit Abzug gemeint ist. Die Soldaten, die man heute in Beton-Wachtürmen über dem arabischen Markt von Hebron beobachten kann sind keine Spielzeugsoldaten. Es sind Soldaten der israelischen Verteidigungsarmee (IDF = Israeli Defense Force), die damals im Libanon und heute im arabischen Westjordanland doch nur Angriffs- und Besatzungsarmee ist.

Warum jemand wie Wolffsohn immer noch den Professorentitel tragen darf ist erstaunlich. Allen möglichen Leuten nimmt man zurecht den Doktoren-Titel weg, sobald man sie nur beim falschen Zitieren erwischt. Um wie viel angemessener müsste der Entzug des „Professors“ sein, wenn dieser ehrenwerte Titel nur noch dazu benutzt wird um in einer Unterschichten-Gazette die Geschichte zu verdrehen?

Wie verrückt ist das denn: Der Herr Folterfreund Professor Wolffsohn produziert Fake News für das Fake-News-Blatt par excellence. Dieses Blatt versteht sich als Schutzschild jenes Israel, an dessen Spitze ein Netanjahu steht, der alle wirklich journalistisch arbeitenden Zeitungen Israels als Fake-News-Produzenten verunglimpft…

Zum Schluß möchte ich das oben genannte Fazit von Herrn Wolffsohn zur Wahl Netanjahus abwandeln:

Es mag Herrn Netanjahu, Herrn Wolffsohn und der BILD nicht gefallen, aber eine Menge kluger, aufrechter Europäer sind mit Bibis „Leistungen“ nicht zufrieden. Ganz und gar nicht.

— Schlesinger

P.S.: Auch Prof. Wolffsohn träumt von einem Groß-Israel.

Photo: Graffity des Street-Art Künstlers Banksy, aufgenommen von Chris Devers (Flickr CC)