US Milliardär Adelson wettet gegen Israel

US Miiliardär Adelson
US Miiliardär Adelson

Der jüdisch-amerikanische Milliardär Sheldon Adelson hat eine 50-Millionen-schwere Wette über die Zukunft Israels abgeschlossen.

Diese Wette kommt in Form seiner kostenlosen Tageszeitung Israel Hayom.

Was hat das zu bedeuten?

Zuerst ein Blick auf die Zeitungslandschaft Israels.

Die wichtigsten Zeitungen Israels

Die fünf namhaftesten Zeitungen des Landes sind die alteingesessene Yedioth Ahronoth (mit ihrem Online-Ableger Ynet), die Maariv, die Haaretz, die Jerusalem Post und das relativ neue kostenlose Blatt Israel Hayom.

Yedioth Ahronoth

Yedioth Ahronoth ist in Besitz von Arnon Mozes, der sie von seinem Vater übernommen hat.

Sie ist eine scharfe Kritikerin von Ministerpräsident Netanjahu. Einer der aktuellen Anklagepunkte der Staatsanwaltschaft gegen Netanjahu besteht in dem Vorwurf, er habe Yedioth Ahronoth Vorteile versprochen, wenn sie positiver über ihn berichten würde.

Worin sollten diese Vorteile bestehen? Offenbar hat Netanjahu angeboten das Seine zu tun, um die Dominanz der konkurrierenden Israel Hayom zu begrenzen.
Die Yedioth hat wegen Israel Hayom sehr viel Marktanteile verloren.

 

Maariv

Die Maariv ist ebenfalls eine alte Zeitung Israels. Sie war lange Zeit mäßig konservativ. Vor ein paar Jahren ist sie weit nach rechts gedriftet. Wie Hayom ist Maariv sehr feindlich gegenüber Palästinensern und Arabern eingestellt. Sie befürwortet staatliche Maßnahmen, um Menschenrechtsorganisationen und andere „Linke“ zu beschneiden.

Politisch ist die Maariv ähnlich aufgestellt wie die Israel Hayom, kann aber als Bezahl-Zeitung nichts gegen die Dominanz der Hayom ausrichten. Durch ihren seriösen Ruf hilft die Maariv der Israel Hayom darin rechte Positionen vertreten zu können

Haaretz

Die links-liberale Haaretz gehörte früher zu den größten Zeitungen Israels.

Sie erscheint auch in einer englischen Ausgabe und wird im Ausland relativ viel gelesen. Für die große Mehrheit der Israelis ist die Haaretz allerdings eine Art Volksverräterin, weil sie beharrlich für einen Ausgleich mit den Palästinensern eintritt.

Im Übrigen kritisiert sie den korrupten Ministerpräsidenten Netanjahu scharf und setzt sich für Menschenrechtsorganisationen ebenso ein wie wie für liberale Gruppierungen und NGOs.

Die Haaretz kämpft durch den anhaltenden Rechtsdrift Israels um ihre Existenz.

Israel Hayom

Hayom hat die größte Auflage in Israel. Sie hat einen Marktanteil von knapp 40 Prozent.

Die Hayom ist weniger eine Zeitung als eine Wette. Warum?

Israel Hayom „gehört“ dem amerikanisch-jüdischen Casino-Besitzer und Milliardär Sheldon Adelson. Er hat das Blatt offenbar mit einer 50-Millionen-Dollar Unterstützung ins Leben gerufen, und subventioniert es seither.

Der ursprüngliche Hauptzweck: Dem amtierenden Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu größtmögliche mediale Unterstützung zu liefern.

Im Volksmund heißt die Zeitung deshalb „Bibiton„. Das ist ein Wortspiel, zusammengesetzt aus „Bibi“ für Benjamin und „ton“ als dem hebräischen Wort für Zeitung.

Adelson will Israel und Amerika ganz rechts

Doch seit einiger Zeit kann man beobachten, daß sich die Hayom und damit ihr Sponsor Adelson vorsichtig von Netanjahu abwenden. Offenbar werden noch weiter rechts stehende politische Gruppierungen bevorzugt.

Der Milliardär Adelson hat mit der Hayom eine Wette über die politische Zukunft Israels abgeschlossen. Adelson setzt auf die weitere politische Entwicklung Israels nach rechts. Sein Blatt Hayom unterstützt diese Richtung, und die Bürger lesen sie aus diesem Grund.

Im selben Maß, in dem sich Adelson ein rechtes Israel wünscht, unterstützt er US Präsident Trump, den Rechtsruck in Amerika und die bekanntlich rechts-konservative amerikanische pro-Israel-Lobby AIPAC. Inzwischen ist selbst AIPAC aus Sicht Adelsons zu wenig rechts. Er hat 10 Millionen Dollar in eine neue, noch radikalere pro-israelische Lobby namens Israeli-American Council gesteckt (IAC).

Warum das alles? Weil Adelson schwerreicher Besitzer eines Glücksspiel-Imperiums ist. Diese Spezies denkt in anderen Größenordnungen. Wenn sie die realistische Chance sehen die Politik ganzer Nationen zu ihrem Vorteil zu drehen, dann tun sie das. Wenn dabei etwas namens „Demokratie“ unter die Räder gerät ist das nur ein Kollateralschaden.

Je selbstsüchtiger, korrupter und bestechlicher eine Regierung ist, desto besser für die Adelsons dieser Welt. Je roher eine Bevölkerung denkt – nicht zuletzt durch hetzerische Medien wie Israel Hayom oder FOX News -, desto besser für die Adelsons dieser Welt.

Der israelische Ministerpräsident Netanjahu und dessen luxusversessene Frau Sara lassen sich noble Havannas und Schampus schenken und erweisen den Spendern politische Gefälligkeiten. So jedenfalls sieht es der Generalstaatsanwalt Mendelblit. Niemand könnte für Adelson eine bessere Werbung und ein besserer politischer Verbündeter sein als die Netanjahus oder ein Donald Trump, der einerseits privat in goldverkleideten Räumen lebt und für sexistische Sprüche bekannt ist, und andererseits der größte Gönner Israels ist. Wofür ihm die Israelis treu ergeben sind.

Wer über Milliarden verfügt, denkt gerne etwas größer. Adelson denkt groß. Er will Israel rechts. Seite an Seite mit einem rechten Amerika. Einem Amerika, das in fester Treue zu Israel hält.

Damit wettet Adelson auf ein Israel, das nicht das Israel von Staatsgründer Ben-Gurion ist, nicht das von Chaim Weizmann, nicht das von Levi Eshkol und nicht das von Jitzhak Rabin. Deshalb sage ich er wettet gegen Israel. Rechte würden wahrscheinlich sagen er arbeitet für Israel.

In den Worten von Adelson:

Israel wird also kein demokratischer Staat mehr sein? Na und?

Im April wird in Israel gewählt. Dann gilt die Wette.

50 Millionen Dollar für ein Land: Das ist nicht viel, meinen Sie nicht auch?

Selbst wenn Adelson diesmal verlierten sollte: Die nächsten 50 Millionen nimmt er aus seiner Portokasse.

Nur wenn Netanjahu gegen seinen Herausforderer Benny Gantz verliert und Donald Trump in 2020 verliert wird der selbst ernannte Menschenfreund Adelson enttäuscht sein.

— Schlesinger

Karikatur: DonkeyHotey (Flickr CC)