Gaza: Was für ein schöner Krieg!

Hasbara oder Propaganda
Israelische Armee: Danke für alles!

[Update vom 03.12.2019]

Dieses ganze kriegerische, machohafte Getue von Hamas-Kämpfern kommt bei uns im Westen schlecht an.

Das ständige Gebrülle, die grünen Stirnbinden mit den islamischen Sprüchen, das zur Schau gestellte Geballere mit den steinalten Kalschnikovs, die Angeberei mit dem „Wir werfen Israel ins Meer!“ und das nimmermüde Gerede vom Heiligen Krieg.

Die Hamas und der Islamische Dschihad – sozusagen der böse kleine Bruder – sind doch barbarisch, unzivilisiert, roh.

Das erkennt man auf den ersten Blick, nicht wahr?

Islamischer Dschihad Gaza
Islamischer Dschihad Gaza

Um wie viel besser steht die israelische Armee da!

Da geht es gesittet zu. Die Armee Israels dient ausschließlich der Verteidigung. Deshalb heißt sie auch so: IDF, Israel Defense Forces. Da herrscht Disziplin. Da darf nicht jeder einfach so drauflos schießen.

Und: Ein Krieg, der Israel aufgezwungen wird – das ist nach Darstellung der israelischen Seite praktisch jeder bisherige Krieg seit 1948 – ist immer auch ein heroischer Kampf. Manchmal könnte man meinen: Ein schöner, wahrer und guter Kampf.

Dazu passend veröffentlicht die israelische Armee regelmäßig schöne Bilder ihrer braven Armee:

Israelische Artillerie beschießt Gaza
Israelische Artillerie feuert auf den Feind – WOW!
Beschuss von Gaza
Terroristen unter Feuer! Bei strahlend blauem Himmel!

Sind das nicht schöne Bilder von einem Krieg?

Zeige nur niemand, was auf der anderen Seite passiert, im Gazastreifen oder im Libanon oder wo es der israelischen Armee gerade gefällt hinzuklotzen:

Zerfetzte Kinder in Gaza
Zerfetzte Kinder in Gaza

Hasbara oder doch nur Propaganda?

Propaganda funktioniert heute noch genau so gut wie in den letzten paar tausend Jahren.

In Israel gibt man sich für Propaganda besonders viel Mühe. Freilich nennt man es anders. Das Wort lautet „Hasbara“ und bedeutet sinngemäß „Erklärung“ oder auch „Diplomatie“.

Das zwischenzeitlich vorhandene Ministerium für Hasbara alias Propagandaministerium wurde aufgelöst und als Stabsstelle direkt bei Premierminister Netanjahu eingerichtet.

Sogar die Studenten in Israel werden in erheblichem Umfang angespornt und angeworben, um zu Hasbara beizutragen und der Welt das „richtige“ Bild zu Israel zu vermitteln.

Schon im Jahr 2016 hat die Hasbara-Stelle die beachtliche Zahl von 350 verschiedenen Kanälen auf den verschiedenen „sozialen Medien“ wie Facebook, Instagram, Twitter & Co. betrieben. Das dürften im Lauf der Zeit nicht weniger geworden sein. Über diese Kanäle wird der Welt erzählt, wie demokratisch, friedlich und gerecht Israel  ist, vor allem auch gegenüber den Palästinensern.

Tja, was soll man nun davon halten?

Korrekte Erklärung oder doch nur Propaganda?

Die Antwort gibt am besten kein Linker in Israel, kein Friedensbewegter im Westen und schon gar kein Palästinenser, sondern ein israelischer Soldat.

Einer, der gedient hat und mit der Waffe im Einsatz war.

Die folgende kurze Schilderung ist eine von sehr, sehr vielen, die mutige israelische Soldaten abgegeben haben unter dem Motto „Das Schweigen brechen„.

Obwohl sie damals wußten und heute wissen, dass sie sich damit gegen die Hasbara stellen, gegen ihre vermeintlich saubere Armee, und dass sie dafür einen Preis zu zahlen haben.

Ort: Distrikt Ramallah im palästinensischen Westjordanland.
Jahr: 2007. Israelische Panzereinheit.
Situation: Während einer der häufigen Demonstrationen bei Bil’in, bei denen sich steinewerfende Palästinenser und schwer bewaffnete israelische Soldaten am Grenzzaun gegenüber stehen, unterstützt von der berüchtigten israelischen Grenzpolizei.*

Es wird gestoßen, Steine werden geworfen, es wird [von uns] mit Stöcken geschlagen, Tränengas, Gummigeschosse. Schrittweise Eskalation.

Mein Vorgesetzter und der Grenzpolizeikommandant und ein weiterer Offizier sind da, […] und sie lachen, und währenddessen werden Leute zusammengeschlagen.

Ich sehe wie meine Offiziere lachen, […], sie sterben vor Lachen, und untern [am Zaun] sehe ich die Grenzpolizei Menschen zu Brei prügeln, […]

Und ich denke: […] ich muss das in einem Film gesehen haben, wie Nazis Juden am Graben erschießen, und Offiziere stehen daneben und lachen.

Es ist nicht das gleiche […], aber Leute werden zusammengeschlagen, da ist Blut, und sie lachen, knabbern Sonnenblumenkerne […] und sie sagen „Schaut euch an, was der Kerl gerade für einen Schlag abgekriegt hat.“

Sagte ich, dass es sehr viele solcher Berichte gibt? Dass es ein vergleichsweise harmloser Bericht ist? Dass es solche Berichte über die zahlreichen Vergehen der israelischen Armee auch schon früher gab?

Die „diplomatische Erklärung“ alias Hasbara alias Propaganda von Israel hat wirklich alle Hände voll zu tun.

— Schlesinger

Der ehemalige israelische Soldat Larry Derfner berichtet auf seiner Webseite über seine Begegnung mit der Grenzpolizei:

Ich hatte das Vergnügen, während eines Monats Reservedienst in Gaza-Stadt 1990 an ihrer Seite zu dienen und 1991 für einen Monat ihre Basis im Gaza-Streifen zu bewachen. Sie waren beängstigend; auf Adrenalin getrimmt und begierig darauf es den Palästinensern zu zeigen. Ich wachte auf, als sie ihre Motoren aufheulen ließen und herum brüllten, um dann in Richtung der palästinensischen Flüchtlingslager zu fahren.

Quelle des Zitats zum Einsatz in Bil’in: Breaking the Silence, Econ Verlag, 2012, Kap. 52, S. 163.f

Titelfoto und Foto des Islamischen Dschihad: Israelische Armee auf Twitter (gemeinfrei)

IDF Einsatz-Fotos: IDF Flickr CC Lizenz (photos unchanged)

Verstümmelungen: ammfazlan Flickr CC Lizenz