Jerusalem – Keine West Side Story

Filmemacher Mohammed Alatar
Filmemacher Mohammed Alatar

„Sie sind ein gefährlicher Mann!“

Das sagte der israelische Botschafter in den Vereinigten Staaten  zu Filmemacher Mohammed Alatar, nachdem er dessen Dokumentation „Jerusalem – The East Side Story“  gesehen hat.

Die „East Side Story“ ist das Gegenstück zur israelischen Propaganda, die dem Westen letztlich seit der Staatsgründung Israels im Jahr 1948 mit Erfolg weisgemacht hat, dass mit den Palästinensern kein Frieden zu machen ist, und Israel deshalb eine Sicherheitspolitik ohne Rücksicht machen darf.

Dass Sicherheitspolitik in Israel seit langem Besatzungs,- Zerstörungs– und Vertreibungspolitik ist, blieb lange Jahre verborgen.

Die „East Side Story“ von Alatar ist eine  der beeindruckendsten Dokumentationen über israelische Besatzungspolitik.

West-Jerusalem wurde 1948 israelisch. Die dort wohnhaften Palästinenser, die damals flohen oder vertrieben wurde, glaubten daran bald wiederkehren zu können.

Mit dem Sechtstagekrieg von 1967 und der damit verbundenen Annektion von ganz Jerusalem war auch Ost-Jerusalem israelisch besetzt. An Rückkehr ist seitdem nicht zu denken.

Die Besatzung zielte und zielt bis heute darauf ab, in ganz Jerusalem eine jüdische Bevölkerungsmehrheit herzustellen. Zu dieser Politik gehört es, Palästinenser mit allen denkbaren administrativen, polizeilichen, juristischen und nicht zuletzt psychologischen Mitteln aus der Stadt zu drängen.

Angesichts der bis heute fortgesetzten Enteignung und Zerstörung palästinensischer Häuser und des weiteren Baus jüdischer Siedlungen im arabischen Osten der Stadt (wie in Abu Dis, Sheik Jarrah, Silwan und anderen) hat der Film Alatars von 2008 nichts an seiner Brisanz verloren. Im Osten Jerusalems spiegelt sich der palästinensisch-israelische Konflikt in seiner ganzen Dramatik wider.

Der Film verzichtet auf Effekthascherei, Populismus oder politische Parolen. Stattdessen werden konkrete Vorgänge und Menschen gezeigt, die von Israels Politik eines „Groß-Israel“ betroffen sind.

Deshalb ist der Film sehenswert. Deshalb beeindruckt er.

Und deshalb hat der israelische Botschafter Recht: Mohammed Alatar ist ein gefährlicher Mann. Gefährlich für das bisherige Vermögen israelischer Politik, Israel fortgesetzt als das Opfer darzustellen, während es seit Jahrzehnten Täter ist in einem Ausmaß, das hierzulande beschämenderweise kaum bekannt ist.

Teil 1

Teil 2

Teil 3

Teil 4

Teil 5

Teil 6

— Schlesinger

Photo: Mohammed Alatar (Avatar auf Facebook)