Netanjahu: Subtile Beleidigungen in Richtung Palästinenser

Israels Ministerpräsident Benjamin „Bibi“ Netanjahu verrät seine wirkliche Haltung gegenüber den Palästinensern immer wieder aufs Neue durch die arrogante Art, die er nicht lassen kann.

Netanjahu: Araber wollen nicht verhandeln

Im Vorfeld der direkten Gespräche, die auf Drängen Washingtons in Kürze beginnen sollen, meint Netanjahu nun:

I am convinced that if the Palestinian leadership takes the negotiations as seriously as we do, we can reach a stable agreement […]

Wenn die Araber die Verhandlungen so ernst nehmen würden wie wir, dann könnte man eine stabile Übereinkunft erreichen.

Wenn!

Netanjahu lässt durchblicken: Die Palästinenser nehmen das nicht ernst.

Und trotzdem, signalisiert Netanjahu der Welt, wird er es versuchen.

Wie tapfer!

Wenn es nach seinem Willen geht sollen die Verhandlungen mit dem Palästinenserpräsidenten Mahmud Abbas mit zwei Gesprächen pro Woche beginnen.

Zwei Gespräche? Alleine aus technischen Gründen – was also die Vor- und Nachbereitung solcher komplexen Verhandlungen anbelangt – ist dieser Vorschlag nicht umsetzbar.

Als alter Politprofi weiß Netanjahu das ganz genau.

Dieses „Angebot“ dient also einem anderen Zweck. Schon nach wenigen Wochen, aber mit vielen Gesprächen, kann sich Bibi hinstellen und erklären: Schaut, so oft habe ich bereits mit Abbas verhandelt, und nichts ist dabei heraus gekommen.

Netanjahu will nicht verhandeln

Der renommierte US Blogger Richard Silverstein meint dazu:

Bibi will nicht, dass die Gespräche erfolgreich sind und wird absolut nichts tun, damit sie funktionieren.

Warum sollte er? Wo ist der Nutzen für ihn?

Seine Koalition ist voll von rechtsextremen Spinnern, die ihm beim ersten Anzeichen von Schwäche an die Gurgel gehen werden.

Palestinian President Mahmoud Abbas
Image via Wikipedia

Abbas war daher zusammen mit seinem Chefunterhändler Saeb Erekat gut beraten, diesen Vorschlag Netanjahus abzulehnen. Leider fehlt den palästinensischen Führern wie immer die Gerissenheit, sich dabei nicht als Nein-Sager darzustellen. Insofern war es mindestens ein kleiner Sieg Netanjahus.

Tod und Verderben den Palästinensern!

Um die Atmosphäre für die Gespräche aufzuheizen, sprach der geistliche Führer der ultra-orthoxoden Schas-Partei Rabbi Ovadia Yosef derbe Verwünschungen in Richtung Palästinenser aus:

Abu Mazen[= Palästinenserpräsident Abbas] und all diese bösen Menschen sollten von dieser Erde verschwinden.

Gott sollte sie und diese Palästinenser – böse Hasser Israels – mit einer Plage schlagen.

Netanjahu hat sich ein bisschen von diesen Worten distanziert und über seinen Sprecher verlautbaren lassen:

Die Kommentare spiegeln nicht die Ansicht von Premierminister Benjamin Netanjahu wider.

Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen. Da wünscht ein hochrangiger Rabbi, der seit Jahrzehnten fester Bestandteil des politischen Systems in Israel ist, einem ganzen Volk Tod und Vernichtung, und alles, was der Premierminister dazu sagen lässt ist, dass dies nicht seinen Ansichten entsprechen würde?

Diese Friedensverhandlungen haben große Chancen in die dritte Intifada zu münden.

Obama reagiert auf Rabbi Ovadia Yosef

Wenigstens die Reaktion Washingtons auf die Äußerung Yosefs‘ zeigt einige Schärfe, auch wenn das ein schwacher Trost ist:

Wir bedauern und verurteilen die hetzerischen Äußerungen von Rabbi Ovadia Yosef.

Wir nehmen die israelische Erklärung zur Kenntnis, dass die Kommentare des Rabbiners nicht die Ansichten des Premierministers widerspiegeln.

Die Bemerkungen von Rabbi Yosef sind nicht nur zutiefst beleidigend, sondern sie schaden dem Frieden.

Zweierlei an dieser Erklärung ist bemerkenswert:

Zum einen „bedauern“ (regret) die USA diese Bemerkungen. Wie kann man etwas bedauern, das ein anderer gesagt hat? Das geht üblicherweise nur, wenn man in der Position ist, für ihn oder dessen Seite sprechen zu können. Müssen sich die USA für das Verhalten Israels entschuldigen? Sind die USA so eng mit Israel verbandelt, dass sie sich schämen müssen, wie man sich für den peinlichen Fehltritt eines engen Verwandten schämt?

Zum anderen hat Washington „zur Kenntnis genommen“ (We note), dass die Aussagen Yosefs nicht der Haltung der israelischen Regierung entsprechen. „Zur Kenntnis nehmen“ bedeutet Obama war zuwenig, was seitens der israelischen Regierung kam. Somit ist diese US-Erklärung als Rüffel in Richtung Netanjahu zu lesen.

— Schlesinger

Photo: Mahmoud Abbas (Matty Stern (U.S. Embassy, Tel Aviv; Wikipedia CC Lizenz)