Israelische Soldaten posen mit gefangenen Palästinensern

Die israelische Menschenrechtsorganisation „Breaking the Silence“ hält der Armee Israels vor, dass ihre Soldaten mit gefangen genommenen Palästinensern für Photos posieren würden. Das sei unmoralisch, da es gegen die Würde des Menschen verstosse. Korrekt.

Breaking the Silence rekrutiert sich vor allem aus Armeeangehörigen, die sich gegen einen Einsatz in den besetzten Gebieten wenden.

Aktuell sorgen die Aufnahmen der israelischen Soldatin Eden Abergil für Unruhe. Die Aufnahmen, die sie auf ihr Facebook-Account gestellt hat, zeigen sie neben gefesselten Arabern, die die Augen verbunden haben. Abergil gibt dazu an, dass ihre Zeit in der IDF (israelische Armee) „die beste Zeit ihres Lebens“ war:

Das ist sicher eine äußerst unschöne Art, was die adrette Eden hier demonstriert. Aber: Es ist beileibe keine israelische Besonderheit.

Es ist nichts anderes als die „statistische Normalverteilung“. Man nehme eine große Anzahl von Menschen (hier: Soldaten) und versehe sie mit Macht über andere.

Ein bestimmter Anteil davon (egal ob Männlein oder Weiblein) wird sich als Sadist/in zeigen.

Streng genommen hat es auch nichts mit dem Militär zu tun. Dort kann sich Sadismus unter der Bedingung von Krieg oder kriegsähnlichen Umständen wie einer Besatzung nur besonders drastisch zeigen.

Ansonsten genügt auch eine Umgebung wie etwa  „Firma“, „Behörde“, „Kirche“, „Polizei“ oder – uups – „Familie“, damit sich der oder die Sadistin zeigen kann…

Menschlich, allzumenschlich. Hat mit Israel nichts zu tun.

Zur Erinnerung:

Soldatin Lynndie England / US Gefängnis Abu Ghraib

Das vorstehende Graffiti symbolisiert die sexuelle Unterdrückung, die neben der schieren physischen Gewaltausübung eine Rolle spielte im ausgelebten Sadismus des „einfachen Mädchens von nebenan“ namens Lynndie England. Hier das Original:

Bundeswehr-Soldat in Afghanistan:

Die willkürliche Erschiessung eines Gefangenen durch den Polizeichef von Saigon (1975), dargestellt in einem Bild von H. Steven (Original aus Copyright-Gründen nicht abgebildet):

Gut gelaunte deutsche Soldaten bewachen zusammen getriebene polnische Juden  (Polen, 1939):

Diese Liste liesse sich für alle Länder, alle Regionen, alle Religionen, all zu viele Zeiten fortsetzen.

Glück haben all die, die eine gewisse Zeit unter günstigen Umständen leben dürfen.

Verwerflich handeln die Einzelnen, die ihren niederen Neigungen freien Lauf lassen, weil es die Rahmenbedingungen erlauben.  Verwerflicher handeln aber die, die diese Bedingungen schaffen. Denn sie wissen oder müssen wissen, dass sie damit alle Hunde von der Leine lassen.

Und sie wissen es zumeist ganz genau, die Rumsfelds, Cheneys, Sharons, Netanjahus.

Und darin besteht der wesentliche Unterschied: Die Lynndie Englands dieser Welt sind „nur“ die, die sie sind und ihrer Natur ihren Lauf lassen. Demgegenüber geben sich die Rumsfelds & Co. als Saubermänner und zeigen sich empört, wenn sie mit den folgerichtigen Entgleisungen, die sie selbst erst möglich gemacht haben, konfrontiert werden. Es sind dann „bedauerliche Einzelfälle“, „einzelne Entgleisungen“ oder ähnliches.

Unfug. Den Terror von Abu Ghraib, Baghram et.al. hat Rumsfeld kraft seiner direkten und indirekten Weisungen von oben in das System einsickern lassen. Vorsätzlich, bewußt.

Lynndie und ihre Gespielinnen haben diese Spielregeln gerne angenommen. Dasselbe gilt für die israelische Besatzung und die Eden Abergils. Wenn von oberster Stelle vorgegeben wird, den Palästinensern „die Knochen zu brechen“ (Zitat Yitzhak Rabin, nach Ausbruch der Ersten Intifada), werden sich genügend finden, die genau das bereitwillig tun.

Das immer neu Verblüffende ist, wie viele  „normale Bürger“ sich unter etwas anderen Umständen so vermeintlich unerwartet als halbe oder ganze Bestien herausstellen. Lynndie England, so darf man beinahe wetten, wäre unter „zivilen“ Verhältnissen wohl auf immer die unscheinbare Frau geblieben. Wie Eden Abergil.

Der Historiker Christopher Browning hat in seinem aufschlußreichen Werk „Ganz normale Männer – Das Reserve-Polizeibataillon 101 und die Endlösung in Polen“ gezeigt, wie „ganz normale“ Männer ohne besonderen Zwang zu Mördern, Sadisten und letztlich Massenmördern wurden.

Das Prinzip ist immer dasselbe. Es wirkt immer. Verfluchte Normalverteilung.

Wieviel Bestie steckt in Ihnen? Antworten Sie nicht, denn Sie wissen es nicht.

— Schlesinger

Photo: Breaking the Silence (via Haaretz)

Graffiti: Lynndie England by id-iom (Flickr CC Lizenz)

Photo: Lynndie England: Wikimedia Commons (United States Army, CC Lizenz)

Photo Bundeswehrsoldat mit Totenkopf Afghanistan: Übernommen aus Altermedia (Lizenz unbekannt)

Bild: Steve D. Hammond: Hinrichtung vietnamesischer Gefangener durch Saigons Polizeichef  Nguyen Ngoc Loan (Flickr CC Lizenz)

Photo: Polnische Juden / Wehrmachtsoldaten: Gedenkstätte Yad Vashem (Jerusalem)