Wahlkampf in Israel mit Satan

Wer hilft Satan?

Der israelische Wahlkampf ist nicht weniger zimperlich als Wahlkämpfe andernorts. Aufgrund des stärkeren religiösen Einschlags – wenigstens im rechten Lager – kommen aber doch eher selten gehörte Töne ins Spiel.

Der geistige Führer der ultraorthodoxen Schas-Partei Rabbi Ovadia Yosef warnte die israelischen Wähler davor, ihre Stimme der rechten Partei „Haus Israel“ (Yisrael Beiteinu) unter deren Vorsitzenden Avigdor Lieberman zu geben. Wer das tue, würde den Satan stärken („Whoever votes for Lieberman gives strength to Satan“).

Netanjahus Likud in Bedrängnis?

Offenbar befindet sich der Likud einen Tag vor den Wahlen nicht mehr in der seit Wochen angenommen eindeutigen Favoritenrolle. Den Rang macht ihr dabei aber nicht die Kadima („Vorwärts“) von Tzipi LIvni streitig. Vielmehr droht der rechte Likud von rechts durch das „Haus Israel“ überholt zu werden. Mit der relativen Schwächung des Likud droht aber eine Koalition zwischen Kadima und dem „Haus Israel“, womit Netanjahu leer ausginge.

Netanjahu setzt indessen ganz auf möglichst einförmige Botschaften, die auf die Hamas zielen: Die Kadima wolle nur die Politik des einseitigen israelischen Abzugs fortsetzen und dabei 60.000 Siedler entwurzeln. Wozu das? fragt Netanjahu. Nur damit Hamas von dort aus ihre Raketen abschiessen kann?

Kadima says it will continue unilateral withdrawals. They intend to go back to the ’67 lines, to uproot 60,000 settlers from their homes. What for? So they can fire missiles from there to here?

PA: Hamas wünscht sich rechte Regierung

Die Hamas und Israels Rechte darf man zurecht als Verbündete wider Willen ansehen. Beide profitieren hinsichtlich ihrer zentralen Interessen vom anderen, da sie beide füreinander als willkommenes Feindbild dienen.

Das brachte der Außenminister der Palästinensischen Autonomiebehörde (PA) in der Westbank, Riad al-Malki, zur Sprache, indem er die noch immer fortgesetzten Raketenattacken der Hamas als Beeinflussung des Wahlkampfs wertete. Am gestrigen Sontag schlugen zwei Raketen im Süden Israels ein. Mit den Angriffen sollten Israels Wähler auf die rechte Seite getrieben werden, so Maliki.

Diese Interpretation ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Sie mag vielleicht nicht auf den gemäßigten Hamas-Führer Ismael Hanija zutreffen, doch längst schon gibt es Flügelkämpfe innerhalb der Hamas.

— Schlesinger