Gastbeitrag: Münchens Beteiligung an Offshore-Windpark

Stadtwerke München (SWM) verdoppeln ihre regenerative Stromerzeugung durch Beteiligung an einem Offshore-Windpark in der Nordsee

Die SWM sind ihrem Ziel, die Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen bis spätestens 2020 zu verfünffachen, einen entscheidenden Schritt näher gekommen: Gemeinsam mit der HEAG Südhessische Energie AG (HSE) und weiteren Partnern, die über langjährige Erfahrung in der Errichtung und dem Betrieb von Windparks verfügen, bauen die Stadtwerke München einen Offshore-Windpark in der Nordsee und werden allein mit diesem Projekt ihre Stromerzeugung aus regenerativen Energiequellen verdoppeln.

Zur Realisierung des Nordseewindparks Global Tech I beteiligen sich SWM und HSE mit jeweils 24,9 Prozent an der Projektgesellschaft Wetfeet Offshore Windenergy GmbH.

Der neue Windpark wird eine Gesamtleistung von 400 Megawatt (MW) haben. [1]

Dafür sollen 80 Windenergieanlagen (jeweils 5 MW Leistung) in zwei Bauabschnitten bis zum Jahr 2013 errichtet werden. Noch im Jahr 2009 wird mit den Arbeiten begonnen.

Der Windpark wird insgesamt rund 1,4 Milliarden Kilowattstunden (KWh) Strom pro Jahr produzieren und im Vergleich zu herkömmlichen Kohlekraftwerken über eine Million Tonnen des klimaschädlichen Kohlendioxids (CO2) vermeiden. [2]

Das Investitionsvolumen des Gesamtprojekts beläuft sich voraussichtlich auf rund 1,3 Milliarden Euro.

Dr. Kurt Mühlhäuser, Vorsitzender der SWM Geschäftsführung dazu:

Bereits heute produzieren die SWM rund 350 Millionen Kilowattstunden regenerativen Strom pro Jahr und können so circa 140 000 Münchner Haushalte mit umweltfreundlicher Energie versorgen. [3]

Mit unserem Anteil an dem Nordseewindpark Global Tech I liegen wir dann bei rund 700 Millionen Kilowattstunden und circa 280 000 Haushalten. Dies ist ein Meilenstein in unserer Ausbauoffensive für regenerative Energieerzeugung.

München soll die erste deutsche Großstadt werden, in der alle Privathaushalte mit in eigenen Anlagen erzeugtem Strom aus regenerativen Energien versorgt werden könnten.

Dies ist unser ehrgeiziges Ziel. Insgesamt werden wir hierfür in den nächsten Jahren über eine Milliarde Euro investieren. Schwerpunkte der Offensive sind neben Geothermie und Biomasse in der Region, Solaranlagen und On- und Offshore-Windkraftanlagen.“

Nordseewindpark Global Tech I

Der neue Windpark Global Tech I liegt in der Nordsee circa 93 Kilometer von der Küste entfernt. In unmittelbarer Nähe von Global Tech I befinden sich noch weitere Windprojekte, die bereits genehmigt bzw. in Planung sind.

Das Meer weist dort eine Wassertiefe von 39 bis 41 Metern auf. Global Tech I soll in standardisierter Bauweise von einem Generalunternehmer errichtet werden. Der Anschluss an das Hochspannungsnetz erfolgt über eine bereits im Bau befindliche Kabeltrasse der E.ON Netz GmbH. Alle erforderlichen Untersuchungen für den Standort, darunter Windgutachten und Umweltverträglichkeitsprüfung sowie Baugrunduntersuchungen sind positiv abgeschlossen. Die Bau- und Betriebsgenehmigung wurde durch das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) erteilt.

Dr. Kurt Mühlhäuser führt aus:

„Zurzeit sind insgesamt 19 Offshore-Windparks vor der deutschen Nordseeküste genehmigt. Der Windpark Global Tech I wird einer der ersten sein, der fertig gestellt ist. Das Projekt ist ein wichtiger Baustein unserer Ausbauoffensive für regenerative Energieerzeugung, weitere werden folgen. Die SWM setzen alles daran ihr ehrgeiziges Ziel im Sinne des Klima- und Umweltschutzes schnell umzusetzen und wenn möglich sogar noch zu übertreffen. Verhandlungen mit verschiedenen Partnern zu konkreten Projekten laufen bereits.“

Oberbürgermeister Christian Ude gratulierte als Aufsichtsratsvorsitzender der SWM der Geschäftsführung dazu, dass sie den anspruchsvollen Stadtratsauftrag zum Ausbau der erneuerbaren Energien schneller als erwartet in die Tat umsetzt. Nur Dank des Erfolgskurses, den die Stadtwerke seit Gründung der GmbH vor über 10 Jahren konsequent verfolgen, sei es heute möglich, derart große ökologische Engagements aus eigener Kraft zu finanzieren.

Bettina Heß
Pressesprecherin der Stadtwerke München (SWM)

(c) courtesy SWM / Bettina Heß

Gratulation an Stadtwerke und Stadt München für dieses herausragende, zukunftweisende Engagement!

Weitere Hinweise T.A.B.:

[1] Die projektierten 400 MW stellen einen beachtlichen Anteil am gesamten Installationsvolumen an Windenergie in Deutschland dar. In 2007 wurde mit 1.667 MW insgesamt das „nur“ Vierfache dieser Einzelinstallation der SWM installiert.

Mehr zur installierten Leistung in Deutschland:

Deutschland führt absolut bei Windenergie, fällt aber relativ zurück

Die Entwicklung der Windenergie in der Europäischen Union ist optisch beachtlich, muß aber noch deutlich steigen:

Mit 22.247 Megawatt [insgesamt im Laufe der vergangenen Jahre] installierter Leistung Ende des Jahres 2007 nimmt Deutschland weiterhin die Spitzenposition bei der weltweiten Windenergienutzung ein.

Die neu installierte Leistung ging 2007 mit 1.667 MW jedoch gegenüber 2006 um 34 % zurück und Deutschland lag hier nur noch auf Platz 5 hinter den USA, Spanien, China und Indien.

Mit 39,5 TWh haben die deutschen Windkraftanlagen fast ein Drittel Strom  mehr produziert als im Vorjahr, da 2007 nach einem windschwachen 2006 mit einem überdurchschnittlich guten Windangebot aufwarten konnte.

Unter den Erneuerbaren hat die Windenergie ihre Spitzenposition  ausgebaut und hat nun allein einen Anteil von 6,4 % am Bruttostromverbrauch.

[2]  Gilt beim direkten Vergleich mit Kohlekraftwerken. Hinsichtlich des sogenannten „Strom-Mix“ aus der Steckdose kann folgende Information des Umweltbundesamtes nützlich sein:

Wie viel CO2 verursacht der Strom aus der Steckdose?

 

Das UBA hat berechnet, wie viel Kohlendioxid (CO2) der Verbrauch einer Kilowattstunde (kWh) Strom „aus der Steckdose“ in Deutschland verursacht: Im Jahr 2005 waren dies etwa 616 Gramm CO2 pro kWh Strom.

Damit ist der spezifische Emissionsfaktor um 111 g C02/kWh oder 15 Prozent gegenüber dem Jahr 1990 gesunken. Dies liegt an den Wirkungsgradverbesserungen fossiler Kraftwerke und am stark steigenden Anteil erneuerbarer Energieträger und Erdgas an der Stromerzeugung, während der Anteil der Kohle abnahm.

[3] Der durchschnittliche Stromverbrauch eines Haushalts in der EU kann mit 4000 KWh veranschlagt werden. Die obige Berechung nimmt einen Stromverbrauch von 2500 KWh / Jahr an. Der relativ niedrige Wert mag u.a. auf den hohen Anteil an Singlehaushalten in München zurückzuführen sein.

Erneuerbare Energien und Arbeitsplätze

In Deutschland wurde im Jahr 2007 mit erneuerbaren Energien ein Gesamtumsatz von rd. 25 Mrd. Euro erzielt;

Rund 249.300 Menschen waren Ende 2007 in diesem Bereich beschäftigt.
(Quelle: BMU)

— Schlesinger

(Photo: © Bergé – Fotolia)
(Grafik 1,2: BMU)