Deutsche Juden sagen Nein zum Gazakrieg

Nach einer 18 Monate währenden Blockade, nach systematischer und umfassender Bombardierung eines unentrinnbar umschlossenen Landstreifens, der mit 1,5 Millionen Menschen der dichtest besiedelte Raum der Welt ist, nach einem Blutbad, das über 900 Menschen in den Tod gerissen, Tausende schwer verletzt und die gesamte Bevölkerung von Gaza traumatisiert hat, nach den unsäglichen Zerstörungen, die seit dem 27. Dezember die Weltöffentlichkeit täglich entsetzen, gibt es immer noch Stimmen, die diese Maßnahmen Israels als gerechtfertigt, human und notwendig bezeichnen.

Wir sind über diese Unmenschlichkeit erschüttert.

Dass das europäische Judentum Opfer eines von Deutschland verübten großen Unrechts wurde – gibt dies nun dem jüdischen Staat das Recht, anderen Unrecht zu tun?

Glauben deutsche Politiker wirklich, es sei eine Wiedergutmachung der Ermordung unserer jüdischen Verwandtschaft, dass nun Israel haltlos und bindungslos alles machen darf, was ihm so gerade einfällt?

Wir appellieren an die deutsche Regierung darauf hinzuwirken, dass die EU-Kommission dem Morden in Gaza ein Ende setzt.

Der Schlüssel zu einem Ende des Bombardements von Gaza, aber auch der erdrückenden Blockade, liegt bei der EU. Es gibt keine Alternative zu Verhandlungen mit Hamas, denn es ist die gewählte Vertretung der Palästinenser.

Hamas benutzt terroristische Methoden, aber das tut die gewählte Vertretung Israels auch, und zwar hundertfach effektiver.

Israel kann durch Abschreckung nur einen Pyrrhusfrieden erzielen. Durch Verhandlungen über eine gerechte Lösung für die Palästinenser, ein Ende der Besiedlung der West Bank und der Blockade Gazas hätte Israel schon längst maximalen Schutz für die eigene Bevölkerung herstellen können: Einen dauerhaften Frieden.

Dahin muss die internationale Gemeinschaft Israel bringen.

Text der Anzeige von 35 deutschen Juden und Jüdinnen und in der Süddeutschen Zeitung v. 17.01.2009