Wahlkampf diktiert Israels Kriegsziele

Der renommierte konservative US Kommentator William Kristol hat einen weiteren Essay zum Gazakrieg vorgelegt, der lediglich zeigt, dass Kristol gut schreiben, aber zumindest in Bezug auf den Nahen Osten schlecht recherchieren und nur bedingt gut interpretieren kann.

Sein Optimismus, Israel könne seine Ziele in Gaza im Gegensatz zum Libanonkrieg in 2006 wesentlich besser erreichen, stützt sich auf mehr als gewagte Hypothesen.

Gaza sei nicht der Libanon. Der Libanon sei hügeliges, unüberschaubares Gelände und könne zudem nicht abgeriegelt werden. Gaza sei dem gegenüber überschaubarer und wurde de facto bereits abgeriegelt, so dass kein Nachschub mehr hineingelangen kann. Man darf bezweifeln, dass Kristol zuvor mit einem Militärfachmann gesprochen hat.

Was bedeutet es, in einer verwinkelten Millionenstadt kämpfen zu müssen? Man darf sogar annehmen, dass sich eine Untergrundarmee unter städtischen Bedingungen noch besser verstecken kann als in zwar relativ offenem, aber letztlich freien Terrain.

Völlig außer acht läßt er die Schwierigkeit, die damit verbunden ist, dass die Hamas aus der Bevölkerung heraus kämpft.

Sodann habe man aus dem Libanonkrieg gelernt. Worin die Lektionen bestehen, legt Kristol freilich nicht dar. Im übrigen ist er unlogisch, wenn er zuerst von der Nichtvergleichbarkeit vom Libanonkrieg mit dem Gazakrieg spricht, um dann zu behaupten, man habe aus dem einen für den anderen gelernt.

Einem immer akuteren Grundproblem geht er ganz aus dem Weg. Er spricht von den Zielen Israels und tut dabei so, als gäbe es die. Es gibt sie sehr wohl, aber es kommt darauf an, wen man befragt.

Auf Wahlkampf zugeschnittenen Krieg

Für Außenministerin Tzipi Livni, die sich inzwischen zu einer uneingeschränkten Hardlinerin entwickelt hat, besteht das Ziel in der Beseitigung und Ausmerzung der Hamas.

Für Olmert besteht es im Stopp des Raketenterrors und für Barak besteht es darin, solange weiter zu machen, wie sich der feldzug als militärischer Erfolg verkaufen lässt, denn nur das nützt ihm für seinen Wahlkampf.

Wäre Ehud Barak in der Lage, den Verlauf präzise mit Blick auf seinen Wahlkampf zu steuern, müßte der Krieg enden, solange er als Oberbefehlshaber noch keine nennenswerten israelischen Verluste zu vertreten hat,  er aber gewissermaßen genötigt wurde, den Krieg aufgrund „politischer“ Vorgaben zu beenden. Dann sähe es danach aus, als hätte er den Krieg durchaus bis zum erfolgreichen Ende ausfechten können, wäre da nicht Livni gewesen, die den finalen Sieg verschenkt hätte. Das weiß Livni natürlich und wird bemüht sein, diese Situation nicht aufkommen zu lassen. Das bedeutet, dass der Krieg – geht es nach Livni – mindestens so weit gehen muss, bis erste schmerzliche israelische Verluste auftreten. Erst dann kann sie als fürsorgliche Ministerin einschreiten und die Nation vor Schlimmerem bewahren. Natürlich können ihr externe Faktoren ins Gehege kommen. Sollte der internationale Druck schlicht zu groß werden, müssten Olmert und sie den Krieg abbrechen – im hier besprochenen Kontext „zugunsten“ Baraks. Externe „negative“ Faktoren für Barak wäre ein unerwartet erfolgreicher Widerstand der Hamas oder ein massiver Angriff der Hizbollah.

Nur Olmert hat es einfach – er steht nicht zur Wiederwahl. Ob er deswegen die Agenda frei setzen kann, steht auf einem anderen Blatt.

— Schlesinger