Israel im Gaza-Krieg: Ohne Strategie hart zuschlagen

UPDATE 09.01.

Arabischer Sender Al-Jazeera übt harsche Kritik an Hamas

„Einige Kommentare von Hamas-Führern offenbaren eine verwirrte Strategie“, stellt der Kommentator von Al-Jazeera irritiert fest. Offenbar sei die Hamas „bereit, unverantwortlich hohe Kosten für schlecht definierte Ziele“ in Kauf zu nehmen.

Al-Jazeera formuliert diplomatisch und unter reichlich Verweisen auf Saladin und den Propheten Mohammed („Friede sei mit ihm“) nichts anderes als unkluges Verhalten der Organisation.

Ein „Sieg“, wie ihn die Hamas als Ziel deklariert habe, habe schließlich mehrere Bedeutungen. Keine davon stehe in Aussicht: Vernichtung des Gegners, Einheit unter den arabischen Nationen,  ja nicht einmal Neutralität der USA.

Hat Hamas kläglich verloren?

Schließlich wird kaum verhohlen Spott ausgegossen: Unter Sieg scheine die Hamas nur noch zu verstehen, Israel von den von ihm erklärten Zielen abzuhalten.

Das aber sei nichts anderes als eine Maskierung der Niederlage.

UPDATE 08.01.:

Interessanterweise bekennt sich weder die Hizbollah noch eine andere Gruppe zu der Aktion und auch das israelische Nordkommando will keinen Schuldigen benennen. Das lässt die Vermutung  zu, dass sich eine Splittergruppe selbständig gemacht hat, aber werde Israel noch die Hizbollah einen Schlagabtausch eingehen möchten.

Und so jemand irgend einen Menschen erschlägt, sterbe er des Todes.
Und wer ein Stück Vieh totschlägt, erstatte es, Stück um Stück.
Und so jemand seinem Nächsten eine Verletzung beibringt –
so wie er getan, so geschehe es ihm.
Bruch um Bruch, Aug‘ um Auge, Zahn um Zahn, die Verletzung,
so er einem Menschen beigebracht, so werde ihm beigebracht.
(24, 17-21)

Der israelische Botschafter in den USA Sallai Meridor wurde in einer aktuellen Gesprächsrunde dreimal nach der Strategie Israels gefragt. Er konnte nichts Substantielles dazu sagen:

„Wir haben keine großartige Strategie. […] Wir wurden gezwungen uns zu verteidigen, um eine besserer Sicherheit zu gewährleisten. Punkt.“

Meridor betonte mehrfach, dies sei keine Sache einer freien Wahl gewesen oder die man sich ausgesucht hätte. Er verwies auf die Drahtzieher des Konflikts im Iran und dass die Hamas Teil eines Terrornetzwerkes sei.

Auf die Frage, wie Israel mit dem Krieg konkret mehr Sicherheit erreichen wolle, konnte Meridor nur ausweichend antworten. Es seien schließlich schon über 1000 Ziele der Hamas getroffen worden. Und das sei „keine kleine Zahl“.

Das erinnert einen an den unsäglichen body-count in Vietnam.

Ob die Aktion einen Strategiewechsel bei der Hamas herbeiführen werde? Das wird die Zukunft zeigen, gab der Botschafter zur Antwort.

Man möchte hoffen, dass hier nur jemand schlecht vorbereitet war und nicht, dass diese Planlosigkeit der Realität entspricht.

Raketenüberfall aus dem Südlibanon

Inzwischen hat es einen ersten Raketenüberfall aus dem Libanon gegeben, bei dem wenigstens drei Raketen abgefeuert wurden. Die israelische Armee hat mit Artillerie zurück geschossen. Bislang hat sich noch niemand zur Attacke bekannt, aber es dürfte sich um die Hizbollah handeln, die die lokale Herrschaft vor Ort inne hat.

Feuilleton-Beitrag der Woche in der Süddeutschen Zeitung

Einen ganz außerordentlichen Beitrag zur Hamas hat Andrian Kreye von den Süddeutschen heute vorgelegt:

Im Untertitel des Kommentars „Deserteure Gottes“ fasst er zusammen:

„Den Kampf um die Herzen der Palästinenser hat die radikal-islamische Hamas längst gewonnen – mit einer Mischung aus effektiver Wohltätigkeit, spiritueller Heimat und Heldenmythos.“

… um dann im Hauptteil gleichermaßen facettenreich wie ausgewogen den Aufstieg und die Methoden der  Hamas zu zeichnen.

Erstklassig geschrieben von einem, der auch vor Ort war und über eine offenkundig gute Beobachtungsgabe verfügt. Journalismus in Bestform!

— Schlesinger

(Photo: Apocalypse Now / IMDB)

Leseempfehlung: Zur Liquidation von Ismael Hanija