Israel: Bombenattentat auf Siedler-Kritiker

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Zeev Sternhell ist Professor an der Hebrew University of Jerusalem. Und er ist vehementer Kritiker der illegalen jüdischen Siedleraktivitäten in der Westbank.

Vergangene Mittwoch Nacht explodierte eine Röhrenbombe an der Außenseite seines Hauses in Jerusalem.

Verletzt wurde niemand.

Kopfgeld auf Friedensaktivisten

Um sein Haus wurden Flugblätter gefunden, die ein Kopfgeld von 300.000 Dollar für jedes getötete Mitglied der israelischen Friedensbewegung „Peace Now“ aussetzten.

Das mag gegenstandslos sein, weil natürlich kein realer Absender angegeben war und sich daher niemand damit ködern läßt. Aber es ist ein klares Signal, mit welchen Bandagen inzwischen innerhalb der israelischen Gesellschaft um das Thema Besiedlung gerungen wird.

Thomas L. Friedman von der New York Times, der in den Achtzigern in Beirut und Jerusalem arbeitete, resümierte damals, es sei die gewollte Entschlußlosigkeit jeder israelischen Regierung zum Thema Siedler, die einen Frieden mit den Palästinensern verhindert. Jede Regierung, gleich ob Likud oder Arbeiterpartei-geführt, drücke sich vor einer Entscheidung. Sie wollten nicht gegen die Siedler vorgehen und kennten das daraus resultierende Problem. Zwischen beiden unvereinbaren Zielen – Landgewinn in der Westbank und zunehmende Spannungen mit den Arabern – solle stets nur ein möglichst stabiles Gleichgewicht gehalten werden. Die Fakten würden das Übrige ergeben.

Das hat Gültigkeit seit dem Sechstagekrieg und gilt ironischerweise noch stärker seit dem beinahe verloren gegangenen Yom Kippur Krieg von 1973. Der Nimbus der unbesiegbaren Zahal (der israelischen Armee) hatte seinerzeit einen schweren Schlag erhalten.

Unmittelbar nach dem 73’er Krieg traten die Siedler auf den Plan und sorgten mit ihren „Pioniertaten“ in der Westbank für den dringend nötigen psychologischen Ausgleich: Israel schaute mit einer Mischung aus Argwohn und Bewunderung auf die unnachgiebigen, hemdsärmeligen und zutiefst religiösen Siedler. Es hatte etwas von den rauhen Anfangszeiten der frühen Einwanderungswellen nach Israel.

Das erkannten natürlich auch die jeweiligen Regierungen und ließen die Siedler einmal mehr, einmal weniger offen gewähren.

Im Laufe der Zeit hat die Siedlerbewegung allerdings ein ganz eigenes Gewicht erlangt – allen voran der mächtige politische Zweig der Gush Enumim – und kann nicht mehr einfach beiseite geschoben werden.

Siedler sind Terroristen

Wenn ein kleiner Professor nun dieser Macht entgegen treten will, muss er mit heftiger Gegenwehr rechnen. Das ist natürlich der falsche Begriff. Er muß mit Terror rechnen.

Die illegalen, radikalen jüdischen Siedler in der Westbank sind – auch und insbesondere ihrer ganzen Mentalität nach – Terroristen.

Sie unterscheiden sich in gar nichts von den Taliban.

Inzwischen leben 250.000 jüdische Siedler entgegen Internationalem Recht in der Westbank.

Und kein Ende ist in Sicht.

Olmert verlangt israelischen Abzug aus allen besetzten Gebieten

Der scheidende israelische Ministerpräsident Ehud Olmert hat einen Abzug aus den besetzten Gebieten gefordert:

Israel muss laut Ehud Olmert besetzte Gebiete aufgeben, wenn es Frieden mit den Palästinensern und seinen arabischen Nachbarn schliessen möchte.

«Wir müssen eine Vereinbarung mit den Palästinensern treffen, deren Bedeutung darin liegt, dass wir uns aus nahezu allen, wenn nicht sogar aus allen Gebieten zurückziehen»,

sagte Olmert der Zeitung «Jediot Achronot» anlässlich des heute Abend beginnenden jüdischen Neujahrsfests.

Ein aus dem Amt gehender Ministerpräsident hatte allerdings noch nie große Einflußmöglichkeiten. Die Analyse Olmerts ist korrekt, aber der Wille oder – wahrscheinlicher! – die nötige Macht, um diese Forderung durchzusetzen, war nicht vorhanden.

— Schlesinger

PS.: Etwaige reflexhafte Reaktionen, hinter solchen Äußerungen verberge sich nur versteckter Antisemitimus, kann ich nur müde abwinken. Meine zwei Aufenthalte in Israel haben mir die „normalen“ Israelis und das Land, das mir zuvor schon aus der Lektüre sympathisch war, noch näher gebracht. Ich kann mich allerdings lebhaft an die stickige, latent aggressive Atmosphäre im Orthoxenviertel Mea Shearim erinnern, wo wir bei einem Spaziergang mit Steinen beworfen wurden. Und diese überall quer über die Straße gehängten Plakate:

„Unzüchtig gekleidete Frauen strikt verboten!“

Wieso übrigens nicht „unzüchtig gekleidete Männer? “ (Das nur am Rande).

Dieses ganze Viertel roch nach Blockwartmentalität. Die waffenstarrenden Siedler in der Westbank sind ein ganz anderes Kaliber: Sie sind der bewaffnete Flügel der Orthodoxen.

Das, in Verbindung mit weiteren Eindrücken, vielen Gesprächen vor Ort und späterer Lektüre haben die Spreu sehr scharf vom Weizen trennen lassen. Das weltliche, aufgeklärte, moderne Israel befindet sich zu einem Teil in Sippenhaft von Radikalen.

Das nun lasse ich mir gerne vorwerfen: Dass ich eine mit den Religiösen nicht kompatible Weltanschauung habe und ihnen gegenüber nicht tolerant bin. Stimmt.

Daher, und nur daher, rührt mein Unverständnis und tiefe Mißbilligung gegenüber allen israelischen Regierungen, die diese Leute gewähren lassen. Um es mit dem ermordeten Yitzhak Rabin zu sagen:

„Ihr seid nicht Teil der israelischen Gesellschaft. […] Ihr habt Euch außerhalb des jüdischen Rechts gestellt. Ihr seid […] ein Schandfleck für das Judentum.“

Aus unter anderem dieser Begründung rührt auch meine Aversion gegenüber George W. Bush und dessen allzu engen Verbindungen mit den erzkonservativen Evangelikalen.

Diese und jene sind Radikale und unterminieren ihre Gesellschaften – obwohl sie selbst das natürlich ganz anders sehen. Wer aber die USA und Israel unterminiert – untergräbt unseren Kulturkreis.

Daher verstehe ich und billige den Zorn Jimmy Carters ud Zbigniew Brzezinskys.

(Photo: TAB)

CETERUM CENSEO

PS.: Wo sind eigentlich die kritischen arabischen Stimmen, die sich mit den Mißständen in ihren Ländern auseinandersetzen? Sind Hamas und Hizbollah für jeden (palästinensischen) Muslim heilige Institutionen? Wer hätte je auf einem arabischen Blog (in westlichen Ländern) Worte der Kritik an den arabischen Verhältnissen gehört? Mein Eindruck ist: Diese Schreiber nähren sich ganz überwiegend an der westlichen Presse- und Meinungsfreiheit. An deren Adresse: Kritik im westlichen Sinn ist für die gedacht, die mit freier Kritik umgehen können, nicht für die, die sie bloß als Kampfmittel oder Agitation verwenden wollen.
Für Hinweise auf ausgewogene arabische Blogs (auf dt. / eng.) wäre ich dankbar!