Wieder einer weniger – Zur seltenen Wahrhaftigkeit Friedliebender

(Photo: www.bamm.de)

Die Aufregung ist nicht gering über das Anti-Bundeswehr Plakatmotto von „Bamm“, dem „Büro für antimilitaristische Maßnahmen“ und dessen Bündnispartner „Deutsche Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen“ (DFG-VK).

Das „Wieder einer weniger“ zusammen mit dem Untertitel „Wir begrüßen diese konkrete Maßnahme, den Umfang der Bundeswehr nach und nach zu reduzieren“ sei ehrabschneidend, würde die Menschenwürde verachten, das Ansehen der Bundeswehr beschädigen etc.pp.

Nun, die Kritiker haben recht. Schließlich handelt es sich um Soldaten einer Wehrpflicht- und Freiwilligenarmee, die da gefallen sind und nicht um bezahlte Söldner im Auftrag eines Mafiabosses – obwohl die Bamm’ser die Bundesrepublik wohl so oder so ähnlich sehen. Deren mutmaßliche Sichtweise ist zwar so gut begründet wie die Annahme bestimmter konservativer Kreise, Pazifisten gehörten alle zur Fünften Kolonne Moskaus, aber in Sachen „Scheuklappen angelegt!“ berühren sich einmal mehr die Extreme an ihren Rändern – in dem Fall die vorsätzlich dummen Annahmen der Pazifisten und die der strammen Anti-Pazifisten.

Dass die Kritiker der Bamm’ler recht haben, ist aber noch lange kein Grund, sich über deren Plakat aufzuregen. Man sollte sich nicht über Dinge wie den blauen Himmel oder einen verregneten Sommertag ärgern, sondern sie hinnehmen als Dinge, die so sind, wie sie nun einmal sind.

Wundert sich einer über den brutalen Tonfall dieser Bamm-Aktion?

Falls ja: Selber schuld. Dann habt Ihr Eure Mitmenschen nicht gut beobachtet oder Amos Oz, den israelischen Schriftsteller und wirklichen Friedensaktivisten nicht gelesen:

Ich habe Vegetarier erlebt, die in ihrem Vegetarismus so weit gehen jeden bei lebendigem Leibe zu zerfleischen, der Fleisch ißt.
Ich habe Nichtraucher erlebt, die derart fanatisch gegen das Rauchen sind, dass sie jeden Raucher lebendig verbrennen würden.
Und ich habe gewaltlose Menschen erlebt, die willens sind, jeden, der die Möglichkeit von Gewaltanwendung befürwortet, zu töten.

(Aus: Bericht zur Lage des Staates Israel)

An ihren Werken (und Worten) sollt Ihr sie erkennen. Wer keine Augen hat zu lesen, was und wie Friedensbewegte der Truppengattung „Bamm“ verfassen, mag sich entrüsten über deren Aktion.

Mich hat deren Plakat kein bisschen überrascht. Falsche Moralprediger gibt es keinesfalls nur in der Kirche – sondern auch bei einer bestimmten Sorte Friedensbewegter. Insofern ist dieses Plakat so etwas wie eine unfreiwillige und seltene Wahrhaftigkeit – es zeigt sie so, wie sie tatsächlich sind. Militante, die sich das fadenscheinige Mäntelchen der Weltverbesserung umgelegt haben.

Vorschlag zur Rache an Bamm

Sollte morgen einer von Bamm unters Auto kommen, könnte das Referat für Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr ein Poster im Militärjargon herausgeben mit

„Rumms – wieder ein Bamm weniger! Still gefreut, da liegt er, der Friedensbewegte.“

Nein, lautet meine Antwort auf die Frage, ob ich Pazifist bin. Ich bin eher Alttestamentarier. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Klare Sache. Dass man dabei auch auf den Zahn verzichten kann, sei dahingestellt. Aber so tun, als könnte man stets die andere Backe hinhalten. Ach nee.

— Bigdaddy

PS.1: DFG-VK klingt auch irgendwie militärisch. Hat die DFG-VK auch eine HDV-100? So heißt beim Bund eine Heeresdienstvorschrift. Beim DFG-VK hiesse die Übersetzung wohl „Haßt die Verfassung“.

PS 2: Heute war mir mal polemisch zumute. Aber das darf auch mal sein gegenüber so etwas Unqualifiziertem wie dem Bamm-Plakat. Die meinen ihre Aktion bestimmt nicht polemisch – sondern todernst.

PS.3.: Da auf der Bamm-Seite weit und breit kein Copyright-Hinweis zu finden ist, gehe ich davon aus, dass das oben wiedergegebene Plakatmotiv keinem Copyright unterliegt. Auf Wunsch werden wir es natürlich sofort entfernen. Es kursiert ja oft genug im Internet.

PS.4.: Wieso nenne ich Amos Oz einen „wirklichen Friedensaktivisten“? Weil er im Gegensatz zu den meisten europäischen Pazifisten eine rationale Weltanschauung auf der Grundlage unideologischer Beobachtung hat. Damit gelangt er zu klaren, vernünftigen Einsichten und kann darauf aufbauend nüchterne Empfehlungen geben, die man seitens der träumerischen Weltverbesserer hierzulande allzuoft vermisst.

PS.5: Die DFG-VK hat sich angesichts der Welle der Entrüstung von dem Plakat distanziert: „Unser humanistisches Weltbild verbietet uns die Genugtuung über den Tod eines jeden Menschen – auch in Form einer satirischen Darstellung“, teilte der Bundessprecherkreis des DFG-VK am Donnerstag mit.
Schade, dass der Einfluss der DFG auf ihren Partner Bamm so gering ist, dass die ihre Plakataktion fortsetzen. Oder ist nur „richtige“ Kabinettspolitik? Nach außen schön reden, und hintenrum zufrieden sein, dass die Provokation fortgesetzt wird. Hach, Ihr Profis!