Russische Streubomben auf Gori

Einem Bericht der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch zufolge hat die russische Luftwaffe international geächtete Streubomben auf die georgische Stadt Gori zum Einsatz gebracht, wie die TAZ berichtet:

Nach Darstellung von Human Rights Watch haben russische Truppen bei Luftangriffen auf die Stadt Gori und die Ortschaft Ruisi nahe der Grenze zu Südossetien am vergangenen Dienstag Clusterbomben vom Typ RBK-250 abgeworfen.

Insgesamt seien in Georgien dadurch mindestens elf Menschen getötet und Dutzende verletzt worden, sagten Sprecher von Human Rights Watch.

Die Organisation besitzt unter anderem in der georgischen Stadt Gori aufgenommene Videofilme, auf denen für diese Waffen typische Explosionen zu sehen sind.

Auch die bei der Bombardierung entstandenen Krater zeugen vom Einsatz solcher Bomben.

Aufgrund der Vielzahl sogenannter „cluster“ und der relativ kleinen Dimensionen dieser Streubomben wird eine spätere Räumung nicht detonierter Teile stark erschwert und bleibt eine andauernde Gefährdung für die Zivilbevölkerung.

Böswillig schlechte Information

Heute bin ich beim Thema Georgienkonflikt über eine „Information“ gestoßen, die diesen Namen nur verdient, wenn man die Vorsilbe „Des“ hinzufügt.

Sie stammt von einem Schweizer Portal, das sich als Magazin bezeichnet, aber auf dessen Namensnennung oder Verlinkung ich bewußt verzichte.

Dort wird aktuell in einem sehr kurzen Beitrag Hizbollah-Chef Hassan Nasrallah mit einer seiner üblichen wüsten antiisraelischen und anti-amerikanischen Anfeindungen kommentarlos zitiert:

„Georgien kämpft mit israelischen Waffen, und Israel hat Instrukteure und Militärs entsandt, die zuvor die Militäroperation gegen den Libanon leiteten“ und im übrigen seien alle Handlungen der USA mit Israel koordiniert und darauf ausgerichtet „den jüdischen Staat zu retten“.

Zum einen hört sich das unsinnigerweise so an, als sei die gesamte georgische Armee von Israel ausstaffiert worden, was horrender Unfug ist. Israel hat in der Vergangenheit Drohnen, Nachtsichttechnik und Panzerabwehrraketen an Georgien geliefert. Eine Armee besteht aus etwas mehr als diesen wenigen Komponenten.

Was soll die unkritische Wiedergabe der Nasrallah-Äußerung , die USA täten alles, um „den jüdischen Staat zu retten“? Daraus muß man schließen, dass der Autor jenes Beitrags damit gar nicht so sehr einverstanden ist.

Der Artikel wird dann noch überschrieben mit „USA und Israel Drahtzieher des Südossetien-Konflikts“. Drahtzieher?
Man kann über Interessenlagen der USA und Europas in Georgien sprechen, und dass Washington (fragwürdigerweise) an einem raschen Georgien-Beitritt zur NATO interessiert ist, aber das alles als verschwörerische „Drahtzieherei“ hinzustellen, ist schlicht vorsätzlich vereinfachender Unfug.

Fazit

Es ist eins, bestimmte kritikwürdige Politiken eines uns nahestehenden Landes zu kritisieren, aber etwas anderes, sich als Sprachrohr derer anzubiedern, die diesen Staat vorzugsweise beseitigen möchten.

Das alles ist keine Information – sieht man davon ab, dass das Zitat möglicherweise korrekt ist – sondern nur Plattform für einen schiitischen Extremisten. Wir nehmen in unserem Blog bestimmt kein Blatt vor den Mund in Sachen Fragwürdigkeit der israelischen Palästinenserpolitik und haben den amerikanischen Irakkrieg mehrdutzendfach verdonnert. Das Schweizer Magazin allerdings betreibt offenkundig nur Rattenfängerei, indem einfachste Stereotype bedient werden. USA = Kriegshetzer und Israel = Helfershelfer.

Zur Seriosität dieses Portals passt übrigens bestens der dortige Link in der Menüleiste, der auf das pralle „Girl von Seite 1“ führt. Solchen Portalen sollte auf seriösen Politblogs nun wirklich keine Plattform geboten werden, etwa indem man sie in die Blogroll aufnimmt oder auf Nachrichtenportalen verlinkt.

— Bigdaddy

(Photo: ManylaRice)