Hat Ehud Olmert Israel Schande bereitet?

Ehud Olmert und G.W. Bush (2006)
Ehud Olmert und G.W. Bush (2006)

Ehud Olmert scheidet als israelischer Ministerpräsident aus dem Amt.

Der rechts-konservative Publizist Yossi Klein Halevi vom New Republic hat einen vorzeitigen und bitteren Nachruf verfasst.

Er fasst die Ära Olmert so zusammen:

Olmert, zwei Jahre nach seinem Amtsantritt und dem Versprechen, Israel zu einem “ fröhlicheren“ Lebensraum zu machen, lässt uns eine Nation in Schande zurück.

Olmert: Nur Bestechung und Korruption?

Von der Regierungszeit Olmerts wird vor allem Folgendes in Erinnerung bleiben:

# Annahme größerer Summen Bargeld vom New Yorker Geschäftsmann Morris Talansky

# Schreiben an israelische Geschäftsleute, Geschäfte mit Talansky zu betreiben

# Mutmaßliche Entgegennahme von Vergünstigungen aus dem Yad Vashem Fond und einem Fond für behinderte Kinder, unter anderem für private Reisen („Olmert Tours“)

# Verstrickung in den Jerusalemer Bauland-Skandal („Holyland“)

# ein desaströser Krieg gegen die Hizbollah im Südlibanon im Jahre 2006, der weit weniger die Hizbollah schädigte als große Teile Libanons, da nicht nur Kräfte der schiitischen Miliz angegriffen wurden, sondern zentrale Einrichtungen der zivilen libanesischen Infrastruktur wie Verkehrsknotenpunkte, Elektrizitätswerke, unzählige Straßen oder eine Ölraffinerie. Generalstabschef Dan Chalutz sagte damals: Wir werden die Uhren im Libanon um 20 Jahre zurückdrehen.

Netanjahu: Olmert ist zu schwach

Für den falschen, mutwilligen und letztlich erfolglosen Krieg im Libanon mußte Olmert bittere Kritik einstecken. Der Falke und ehemalige Ministerpräsident Benjamin „Bibi“ Netanjahu meinte Olmerts Unfähigkeit die Hizbollah im Libanon zu vernichten würde nur weitere Terroranschläge mit sich bringen.

Die Hizbollah, so Netanjahu, könne nur mit Härte bezwungen werden. Netanjahu hatte nicht verstanden – und versteht bis heute nicht -, dass die hochmoderne israelische keine militärische Lösung gegen eine Guerilla-Armee finden wird, die im Untergrund und innerhalb der Bevölkerung agiert. Ein Blick in Richtung Vietnamkrieg sollte genügen.

Trotzdem hat  Netanjahu den Umfragen zufolge beste Aussichten, den Posten von Olmert zu übernehmen.

Olmert für Zwei-Staatenlösung

Was man Olmert zugute halten muß war die grundsätzliche Absicht mit den Palästinensern zu einer Zwei-Staaten-Lösung zu gelangen.

Das wurde von den israelischen Rechten (einschließlich des eingangs genannten Halevi) als Verrat aufgefasst.

Halevi spricht für die Rechte, wenn er über Olmert sagt, der sei der erste Ministerpräsident gewesen der „seinem Land den Untergang androhte“.  Tatsächlich war Olmert so offen seine Landsleute zu warnen, daß Israel „fertig“ sein könnte, wenn es sich nicht aus dem Westjordanland zurückziehen würde.

Aber zum Rückzug müßte es kommen, will Israel nicht vollends zu einem Apartheit-Besatzer-Staat werden.

Das Problem: Israel kann sich nicht aus dem arabischen Westjordanland zurückziehen. Die immer mächtigere Rechte einschließlich der zahlreichen Siedler würden einen Bürgerkrieg in Kauf nehmen.

Diesen gordischen Knoten wird Israel kaum alleine lösen können.

Wenn überhaupt, könnte Israel nur mit den USA mit Europa den Knoten durchschlagen. Dafür fehlt aber der politische Wille.

Olmert hat Israel keine Schande bereitet, weil er Frieden mit den Palsätinensern wollte, sondern weil er einen willkürlichen Krieg gegen den Libanon mitgetragen und sich in Korruption verstrickt hat.

Der Traum vom Königreich David

Schande über Israel bringt aber auch die Rechte, die sich nicht mäßigen kann und von einer Wiedergeburt jenes so herrlichen Königreichs David träumt, das es in der Realität nie gegeben hat.

Wie schreibt der israelische Historiker und Bestseller-Autor Yuval Noah Harari in Homo Deus:

Heute stellen sich die Menschen den alten Tempel in Jerusalem als eine Art großer Synagoge vor, wo Priester in schneeweißen Gewändern fromme Pilger willkommen hießen, wo klangvolle Chöre Psalmen sangen und Weihrauch die Luft schwängerte.

In Wirklichkeit sah er eher wie eine Kreuzung aus Schlachthof und Grillhütte aus. Die Pilger kamen nicht mit leeren Händen an. Sie hatten einen nicht enden wollenden Strom aus Schafen, Ziegen, Hühnern und anderen Tieren dabei, die auf Gottes Altar geopfert und anschließend zubereitet und verspeist wurden.

Durch das Gebrüll und Blöken von Kälbern und Lämmern waren die Psalmen singenden Chöre kaum zu vernehmen. Priester in blutverschmierter Kleidung schnitten den Opfertieren die Kehle durch, sammelten das herausschießende Blut in Krügen und kippten es über den Altar.

Der Weihrauchduft vermischte sich mit dem Geruch von geronnenem Blut und geröstetem Fleisch, während überall schwarze Fliegenschwärme herumschwirrten.

Aber die Ewig-Gestrigen und Gott-Sucher und Selbst-Gerechten werden auch künftig weiter viel Blut vergießen um zu ihrem „Königreich“ zu kommen.

Sie werden aber erstaunt feststellen, dass nirgends Priester mit schneeweißen Gewändern zu sehen sind. Auch kein Messias.

Nur wieder schwarze Fliegenschwärme, von denen es immer viel gibt, wenn der Tod durchs Land gezogen ist.

— Schlesinger

Photo: Olmert und Bush (Wikipedia / Whitehouse, Public domain)