Israel will mit Syrien verhandeln und blamiert Bush

Die gute Nachricht: Israel will mit einem seiner Erzfeinde verhandeln beziehungsweise hat die Verhandlungen bereits aufgenommen. Das ist ein Zeichen von Stärke und spricht sehr für Jerusalem.

Die jüngste Vergangenheit bis zurück zum Feldzug gegen die Hizbollah in 2006 dürfte einmal mehr gezeigt haben, dass man mit Stellvertreterkriegen wenig bis nichts bewirken kann.

Die Gespräche stehen pikanterweise in direktem Gegensatz zu den Äußerungen von George W. Bush in seiner jüngsten Rede vor der Knesset.

Da wandte sich der amerikanische Präsident strikt gegen Gespräche mit den terroristischen Schurkenstaaten oder radikalen Parteien. In den USA wurde das als Attacke auf den Präsidentschaftskandidaten Barack Obama interpretiert, da der sich für Gespräche auch mit der Hamas oder Irans Achmedinedschad ausgesprochen hatte.
Präsident Bush:

Some seem to believe that we should negotiate with the terrorists and radicals, as if some ingenious argument will persuade them they have been wrong all along.

We have heard this foolish delusion before.

As Nazi tanks crossed into Poland in 1939, an American senator declared: „Lord, if I could only have talked to Hitler, all this might have been avoided.“ We have an obligation to call this what it is — the false comfort of appeasement, which has been repeatedly discredited by history. (Applause.)

Wie nicht anders zu erwarten, sprang John McCain seinem Präsidenten zur Seite und bekräftigte dessen Kindergarten-Geschichtslektion:

„Yes, there have been appeasers in the past, and the president is exactly right, and one of them is Neville Chamberlain,“ McCain said.

Als „foolish delusion“ [naive Illusion] erweist sich nun entgegen der Intention Bushs vor allem eins: Seine Annahme, dass er mit seinen Wolkenkuckucksheim-Reden echte Ratschläge geben könnte.

Das zeigte just am Tag nach der Bush-Rede sein eigener Verteidigungsminister Robert Gates, der Gespräche mit dem Iran partout nicht ausschliessen und dafür von amerikanischer Seite auch Anreize bieten will:

„We need to figure out a way to develop some leverage [Ausgleich] . . . and then sit down and talk with them“

„If there is going to be a discussion, then they need something, too. We can’t go to a discussion and be completely the demander, with them not feeling that they need anything from us.“

Nicht nur zuhause wurden die markigen, leeren Bush-Warnungen vor Gesprächen mit dem Feind in den Wind geschlagen, sondern nun auch von Jerusalem.

Von dort wurde die Aufnahme von Friedengesprächen mit Syriens Assad bestätigt, was einer Ohrfeige für Bush gleichkommt:

Israel and Syria unexpectedly announced Wednesday the resumption of peace talks after an eight-year break […]

Israeli Prime Minister Ehud Olmert and Syrian President Bashar Assad both recently confirmed their countries had exchanged messages. But Wednesday’s announcement, in identical statements issued minutes apart by Israel, Syria and Turkey, was the first official confirmation peace talks were under way.

Das erinnert an die peinlichen Machtworte, die Bush Anfang des Jahres in Saudi-Arabien sprechen wollte.

George W. Bush hat den Bezug zur politischen Wirklichkeit längst verloren. Leider gestaltet er sie faktisch noch immer mit.

— Bigdaddy

(Photo: Neville Chamberlain - von Irregular Shed)