John McCains Strange Talk

John McCain hätte zur Abstimmung über die Lilly Ledbetter Fair Pay Act – Gesetzesvorlage im Senat sein können.

Bei dieser Gesetzesvorlage ging es um die Schaffung der Möglichkeit, Rechtsmittel gegen diskriminierende Bezahlung einlegen zu können.

Der dahinter liegende Fall: Die inzwischen pensionierte Lilly Ledbetter hatte jahrzehntelang bei Goodyear gearbeitet, um kurz vor ihrer Pensionierung erfahren zu müssen, dass männliche Kollegen, die exakt dieselbe Arbeit verrichteten, deutlich besser bezahlt wurden.

In erster Instanz ihres Prozesses hatte Ledbetter noch gewonnen, aber der Fall ging bis vor den Supreme Court. Dort fanden die unter George W. Bush installierten linientreuen Richter Samuel Alito und John Roberts wenig Gefallen an dem Fall. Ledbetter, so ihr Urteil, hätte 180 Tage nach Erhalt der ersten diskriminierenden Bezahlung Einspruch einlegen müssen.

Das freilich ist schwerlich möglich, da man das Gehalt der Kollegen meist nicht kennt.

Mit anderen Worten: Diskriminierende Bezahlung ist unrecht, solange sie weniger als 180 Tage währt. Dann wird sie zu (Gewohnheits-) Recht.

John  McCain indessen war während der Senatsabstimmung auf Wahlkampftour ausgerechnet bei den „einfachen Arbeitern“ und sprach dort einmal mehr seinen „Straight Talk“. Sein „Geradeheraus“ war dabei eher ein „Strange Talk“ und klang in Sachen Ledbetter so:

[ This ] opens up for lawsuits [das führt nur zu Gerichtsverfahren], for all kinds of problems and difficulties.

Ja, Leute, wir brauchen hier kein neues Gesetz für Gleichberechtigung in Sachen Entlohnung. Denn dann fangen die Probleme an, weil die Arbeiter ihre Rechte auch einfordern wollen.

War es nicht John McCain, der Barack Obama vorgeworfen hatte, der habe den Kontakt zu den einfachen Leuten verloren? Wie ist das bei John McCain?

Dient sein „Straight Talk“ nur dem Vortäuschen von Volksnähe – wie beim absurden Vorschlag einer Benzinsteuerbefreiung für einen Sommer lang -, während seine Handlungen just in den Fällen versagen, in denen es darauf ankommt?

— Bigdaddy

(Grafik: goodyear.com)