Hisbollah rüstet sich und hofft auf Israels Zorn

Zerstörte Schule in Bint Jbeil

Die Hizbollah bereitet sich im Südlibanon offenbar auf einen weiteren militärischen Schlagabtausch mit Israel vor, nachdem der Krieg in 2006 aus ihrer Sicht erfolgreich ausfiel. Über die Vorbereitungen berichtet der britische Guardian:

[…] this covert organisation is quietly but steadily replacing its dead and redoubling its recruitment efforts in anticipation of a new, and even more brutal, conflict.

[diese Untergrundorganisation ersetzt still aber kontinuierlich ihre Verluste von damals und verdoppelt ihre Rekrutierungsbemühungen, um einen neuen und wahrscheinlich noch brutaleren Konflikt bestreiten zu können]

Hizbollah has embarked on a major expansion of its fighting capability
[Hizbollah hat massiv in die Ausweitung ihre Rekrutierungen investiert] and is now sending hundreds, if not thousands, of young men into intensive training camps in Lebanon, Syria and Iran to ready itself for war with Israel.

‚It’s not a matter of if,‘ sagt ein Kämpfer. ‚It’s a matter of when Sayed Hasan Nasrallah [Hizbollah chief] commands us.‘ [es gehe nicht darum ob, sondern wann Nasrallah den Befehl zum Angriff gibt.

Ist die Hizbollah an einer weiteren Auseinandersetzung interessiert? Aber selbstverständlich. Wenn eine Gruppierung am wenigsten an einem funktionierenden Frieden im palästinensisch-arabisch-israelischen Konflikt interessiert ist, dann die Hizbollah.

Im Gegensatz zur Hamas, die unleugbar in einem bestimmten Umfang direkt in der palästinensischen Bevölkerung verwurzelt ist und zuletzt demokratisch gewählt wurde – so unangenehm das für den Westen zuzugeben ist-, muss die Hizbollah primär als Partei in einem Stellvertreterkrieg angesehen werden.

Sie kämpft stellvertretend für die Interessen Syriens und des Iran und gibt dabei vor, den palästinensischen Freiheitskampf zu kämpfen. Dass sie nebenbei die libanesische Souveränität mit Füßen tritt, wird von dieser Partei Gottes als notwendiges Übel angesehen.

In der letzten Auseinandersetzung mit Israel in 2006, in der im Südlibanon wochenlang erbittert gekämpft wurde, hat die Hizbollah zur großen Verwunderung aller Beobachter und zum Entsetzen Israels der schieren militärischen Übermacht Israels trotzen können.

Israel hat der Hizbollah eine Steilvorlage geliefert, indem es in den Wochen dieses Krieges nicht nur den militärischen Gegner unter Beschuss nahm, sondern in großem Umfang wichtige Teile der libanesischen Infrastruktur wie Hafenanlagen, Energieversorgungseinrichtungen, den Flughafen von Beirut, eine Raffinerie, weite Teile der Beiruter Südstadt und unzählige Verkehrsknotenpunkte zerstörte. Das wäre nur nachvollziehbar und zu billigen gewesen, hätte es sich um südlibanesische Einrichtungen in Händen der Hizbollah gehandelt. Man wollte, so die offizielle Begründung, die Verbringung der zwei von der Hizbollah entführten israelischen Soldaten verhindern. Israel legt wegen zwei entführten (nicht getöteten) Soldaten den halben benachbarten Libanon in Schutt und Asche? Wem gegenüber soll das gerechtfertigt werden?

Man kann sich des Eindrucks nicht verwehren, als wäre der Konflikt seitens Israels dazu mißbraucht worden, den inzwischen wieder prosperierenden Libanon zu schwächen.

Daher trifft auch die folgende Einlassung von Nathan Sznaider nicht zu:

Israel ist in dieser Falle der kosmopolitischen Moral gefangen, die natürlicherweise von ihm als souveränem Staat eingefordert wird – und von Israel mehr noch als von anderen, da viele Europäer in der Illusion leben, dass Israel nur als moralisches Projekt existieren darf, aber nicht als Staat, der seine Existenz militärisch verteidigt.

Da es als souveräner Staat seine Armee gegen Terroristen einsetzen muss, wird es automatisch als Aggressor tituliert.

Europäische Intellektuelle verlangen von Israel ein höheres Mass an Moralität, weil es in ihr Weltbild passt, dass ehemalige Opfer sich eben so verhalten sollten.

Wenn der hilflose Jude auf den kämpfenden Israeli projiziert wird, dann stimmt das Weltbild nicht mehr, welches dann auch noch von manchen israelischen Dichtern und Denkern in Europa verstärkt wird.

Mit Verlaub, dieses Bild hatte einmal eine gewisse Berechtigung, stammt aber definitiv aus vergangenen Tagen. Die Forderung nach einem besonders „moralischen“ Israel wird heute von keinem mehr erhoben und ist längst als naive Traumtänzerei entlarvt. Überhaupt ist die Vorstellung eines „moralischen Staates“ von vornherein illusorisch.
Wer diesen Punkt dennoch strapaziert, tut das offenbar, um Kritiker Israels unter Druck zu setzen.
Israel darf sich nicht wehren? Unsinn! Niemand außerhalb der arabischen Welt spricht Israel dieses Recht ab.

Einen Krieg gegen den offiziellen Feind Hizbollah aber so zu führen, dass man meinen könnte, die Kollateralschäden seien die auf Seiten der Hizbollah und die eigentlichen Kriegsschäden habe der Libanon zu tragen, spottet einer Argumentation, wie Sznaider sie anbietet, nur blanken Hohn.

Keineswegs entlastend wirkt dazu die damalige Äußerung des israelischen Generalstabschefs Dan Chalutz, man werde die Uhren im Libanon um 20 Jahre zurückdrehen. Die Uhren des Libanon, wohlgemerkt, nicht der Hizbollah.

Seit einiger Zeit ist immer wieder von effektivem Marketing auf Seiten diverser arabischer Fundamentalisten zu lesen und zu hören. Das trifft auch zu. Israel leistet diesem irritierenden Umstand Vorschub, indem es den Libanon schlägt, weil es die Hizbollah nicht recht treffen kann.

Bint Jbeil

Das vor Augen, wird sich die Hizbollah begierig auf den nächsten Krieg vorbereiten.

Mit zynischer Berechnung werden die Gotteskrieger darauf spekulieren, dass ein enerviertes Israel erneut mit geballter Macht dreinschlägt. Sehr zugunsten ihrer Sache.

Bislang wurde Ehud Olmert stets von den Falken im Weissen Haus bestärkt. Betrachtet man die jüngsten Ereignisse im Zuge der Nahostreise von Jimmy Carter, besteht wenig Hoffnung, dass Israel sich gegenüber den Fallenstellern der Hizbollah geschmeidiger verhält als beim letzten mal. Das aber wäre dringend nötig.

— Bigdaddy

(Photo: Julien Harneis)
(Photo: lademocracia.es)
(Photo: Julien Harneis)