Obama: Waffen und Religion Trost für underdogs

UPDATE 15.04.: Arianna Huffington schickt John McCain in den Urlaub, weil Hillary dessen Job als Speerspitze gegen die Demokraten viel besser wahrnehme;
indem Hillary die Worte Obamas über die frustrierten Kleinstädter zynisch verdrehe, und dabei die Formen, Muster und Stereotypen republikanischer Demagogen wie Atwater oder Rove übernehme, verbrenne sie das Dorf, das sie anschließend als Feuerwehrfrau retten wolle:

By cynically twisting Obama’s comments about small town voters in a way that confirms every right- wing demagogic caricature of her own Party, Hillary Clinton has adopted the frames, lies, stereotypes and destructive clichés long embraced by the likes of Lee Atwater and Karl Rove. She has clearly decided that the road to victory runs through scorched earth [der Weg zum Sieg führt durch verbrannte Erde]. The question is, if she succeeds, what kind of Party will she be left to lead? She’s burning down the village to save it — or to prove that she would make the best fire chief.

Obama hörte sich im ersten Moment an wie Marx: Religion ist Opium fürs Volk.

Das hat Barack Obama nicht wörtlich gesagt, aber seine in San Franzisko abgegebenen Formulierungen sorgen auch so für gehörigen Unmut:

“[I]t’s not surprising, then, that they get bitter, they cling to guns or religion or antipathy to people who aren’t like them or anti-immigrant sentiment or anti-trade sentiment as a way to explain their frustrations.”

Die Kleinstädter in Pennsylvania hingen deshalb so an Waffen und Religion, oder sie wenden sich gegen Immigranten oder gegen den Freihandel, weil ihnen in ihrer Verbitterung über ihre wirtschaftliche Lage gar nichts anderes übrig bliebe.

Die Äußerung war – ungeschickt. Sehr.

Damit lieferte er eine Steilvorlage nicht nur für Hillary Clinton, die sich gerne als Kumpel der Malocher im Blaumann gibt, sondern auch für die Republikaner, die jederzeit gerne die Nase über die allzu elitären liberals rümpfen.

Vom republikanischen Lager aus macht nun das Wort vom Snob („Snob-ama“) die Runde. Das Wahlkampfplakat Obamas mit seinem Konterfei wurde so retuschiert, dass er nun hochnäsig nach oben schaut. Dazu wurde der rhetorisch äußerst gelungene Untertitel eingefügt „It’s an elitist thing. You wouldn’t understand.“ („Das ist eine Sache unter Eliten. Sie würde es eh nicht verstehen.“) Spätesten seit Karl Rove wissen wir, dass man den Rechten in Sachen gerissener Schmähungen nur schwer das Wasser reichen kann.

Obama indessen entschuldigte sich öffentlich und versuchte eine Richtigstellung:

„If I worded things in a way that made people offended, I deeply regret that. …

The underlying truth of what I said remains, which is simply that people who have seen their way of life upended because of economic distress are frustrated and rightfully so.“

Die Pennsylvanier werden ihm das dennoch ein wenig übel nehmen. Hillary sprach sich derweil für den Waffenbesitz aus und ging in einer Bar in Indiana einen Whiskey trinken. So macht man das.

Merke: Es gibt Wahrheiten, die man nicht aussprechen sollte. Zumindest dann nicht, wenn man nicht bereit ist, einen hohen Preis dafür zu bezahlen. In einem Wahlkampf sind die Preise im allgemeinen inflationär hoch.

— Schlesinger

PS.: Man beachte im Bild die kleine Katze rechts vorne.
Sie trägt einen Messerhalfter am vorderen Lauf, den man auf dem Bild nicht richtig sehen kann 😉

(Photo: Flickr CC / barjack)