Ein Doppelwhopper von Hillary Clinton

UPDATE 25.03.2008

Mit einiger Verzögerung erkläert das Wahlkampfteam von Clinton, bei ihrer Darstellung des Bosnien-Besuchs habe es sich um einen Versprecher gehandelt.
Ein Versprecher, der sich über mehrere Sätze erstreckt?

ORIGINAL:

Am 17. März, hielt Hillary Clinton eine Ansprache an der George Washington University.

Einmal mehr ging es um ihre größere politische Erfahrung. Schon in bisherigen Reden verwies sie häufig auf ihre vermeintlich einflussreichen Aktivitäten als First Lady etwa in Nordirland, in Ruanda oder auch in Bosnien.

bosnien_ruine.jpgWährend dieser Rede sagte sie über ihre Visite in Bosnien im jahr 1996 (während des Bürgerkriegs):

„I remember landing under sniper fire. There was supposed to be some kind of a greeting ceremony at the airport, but instead we just ran with our heads down to get into the vehicles to get to our base.“ al08de

Sie erinnere sich also daran, wie sie unter Beschuss von Scharfschützen gelandet seien. Es sollte eine Art Begrüßungszeremoniell stattfinden, aber statt dessen rannten sie mit geduckten Köpfen zu ihren Fahrzeugen, um zum Camp zu kommen.

Sie fügte hinzu, sie sei als First Lady dorthin geschickt worden, weil es für den Präsidenten selbst zu gefährlich gewesen sei.

Das hört sich überaus beeindruckend an, entspricht aber leider keineswegs den Tatsachen.

Von Scharfschützen oder einem fluchtartigen Lauf zu den Fahrzeugen kann keine Rede sein. Das kleine Zeremoniell hat dagegen durchaus stattgefunden, und in aller Ruhe begrüßt Clinton zusammen mit ihrer damals 16-jährigen Tochter Chelsea ein kleines bosnisches Mädchen:

 

Zusätzlich vermerkt John Pomfret von der Washington Post, der damals aus Bosnien berichtete:

I can attest that the physical risks were minimal during this period, particularly at a heavily fortified U.S. Air Force base, such as Tuzla. al08de
Contrary to the claims of Hillary Clinton and former Army secretary Togo West, Bosnia was not „too dangerous“ a place for President Clinton to visit in early 1996. In fact, the first Clinton to visit the Tuzla Air Force base was not Hillary, but Bill, on January 13, 1996.

Had Hillary Clinton’s plane come „under sniper fire“ in March 1996, we would certainly have heard about it long before now. Numerous reporters, including the Washington Post’s John Pomfret, covered her trip. A review of nearly 100 news accounts of her visit shows that not a single newspaper or television station reported any security threat to the First Lady.

According to Pomfret, the Tuzla airport was „one of the safest places in Bosnia“ in March 1996, and „firmly under the control“ of the 1st Armored Division.

Der Flughafen von Tuszla, auf dem Hillary Clinton landete, war offenbar einer der bestgesicherten und risikolosesten Plätze in Bosnien und daher auch nicht zu gefährlich für einen Besuch von Bill Clinton, der bereits am 13. Januar 96 vor Ort war.

Einmal mehr hat ein Kandidat sträflich ignoriert, welches Erinnerungsvermögen das Internet inzwischen aufweist.

Die Washington Post hat für diese peinliche, juvenile Aufschneiderei Clintons zurecht vier von fünf möglichen „Pinocchios“ vergeben.

Ein „Whopper“ steht im Amerikanischen übrigens nicht nur für einen saftigen Burger, sondern für „An extravagant or monstrous lie.“ (Merriam-Webster)

Einen Tag nach der Ansprache Clintons an der George Washington University, hielt Barack Obama eine Rede zur Rassenfrage, die eines großen Staatsmannes würdig war.

— Schlesinger

(Photo: Häuserruine in Bosnien © musitada - Fotolia.com)