Weise Los Angeles Times, weiser Sebastian Haffner

Was hat es mit diesem Tier auf sich?

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Das wird sich zeigen.

Zunächst die Frage: Ist man im Nachhinein immer klüger? Nein. Nicht immer. Wie man an der hartgesottenen Gefolgschaft des Bush-Cheney Lagers feststellen kann, kann man durchaus auch im Nachhinein unklug bleiben.

Die Königsdisziplin des „Klüger-seins“ bestand in politischen Dingen schon immer darin, etwas im voraus besser abschätzen zu können.

Zum Thema Irakkrieg gelang dies etwa der Los Angeles Times sehr gut:

Friday, March 14, 2003

The Right Way in Iraq

In a post- 9/11 world, the president argues, things are different. The nation must protect itself. Yes.
So the question becomes, would an invasion of Iraq make the United States and the world safer? If the world community unites to do it, yes. But a U.S.-led invasion, without sanction from the United Nations, would make this nation and the world at large more dangerous.“

Der folgende Absatz zeigt, dass die erstklassige Desinformationsmaschinerie der Bush-Administration damals ihre gewünschte Wirkung zeigt:

„It is well established that Saddam Hussein possesses weapons of mass destruction.“

Und obwohl die LA Times die Ansicht vertrat, Husseins Irak besäße Massenvernichtungswaffen, bestand sie auf einem „ordentlichen Verfahren“, also der Einbeziehung der Vereinten Nationen in allen Schritten und warnte daher vor der überhasteten, vorpreschenden Art des Präsidenten:

But the president’s next step — in effect, „if the U.N. doesn’t do it, right now, the United States will“ — is where he loses us and, we suspect, many other Americans. […]

Die monatelangen Versuche Bushs zugunsten einen raschen militärischen Lösung seien konfus und unkonzentriert gewesen. Die Administration habe nachhaltig, aber vergebens versucht, einen Zusammenhang zwischen Al Quaida und dem Irak herzustellen.

Wäre da ein zwingender Beweis, dass Hussein in Verbindung mit den Angriffen von 9/11 stehe, würden mehr Amerikaner hinter den (angedrohten) Vergeltungsmaßnahmen stehen:

The Bush administration’s months of attempts to justify quick military action against Iraq have been confusing and unfocused…. al08de

The administration tried mightily, and failed, to show a connection between Hussein and the 9/11 perpetrators, Al Qaeda.

Had there been real evidence that Hussein was behind the 9/11 attacks, Americans would have lined up in support of retaliation….

Das alles hat mit Prophetie gar nichts zu tun. Eine nüchterne Beobachtung genügt vollkommen, um zu diesen Schlüssen zu kommen.

Im September 2002, also fast genau ein halbes Jahr vor Beginn des Irakkrieges (19.03.2003), schrieb Thomas L. Friedman, Senior Correspondent der New York Times, folgendes:

„Invade Iraq and we own Iraq.
And once we own it, we will have to rebuild it, and since that is a huge task, we need to understand what kind of raw material we ‚ll be working with. al08de
[…]
So once Saddam is gone, there will be a power vacuum , revenge killings, and ethnic pulling an tugging between Kurds, Sunnis, and Shiites.
[…]
What worries about the Bushies is that they seem much more adept at breaking things than building things.“

Die Frage, wie es um die Politik und die Absichten des George W. Bush bestellt war, damals, noch vor der Zeitenwende des 11. September, lässt sich unter Rückgriff auf den großen Sebastian Haffner auch einfacher beantworten:

„Was mich davor schützte [vor den Nazis], war – meine Nase. Ich besitze einen ziemlich ausgebildeten geistigen Geruchssinn, oder, anders ausgedrückt, ein Gefühl für die ästhetischen Valeurs (und Non-Valeurs!) einer menschlichen , moralischen, politischen Haltung oder Gesinnung.
Den meisten Deutschen [setze hier: Amerikanern] fehlt das leider vollständig.
Die Klügsten unter ihnen sind imstande, sich mit lauter Abstraktionen und Deduktionen vollständig dumm zu diskutieren über den Wert einer Sache [setze: Bush], von der man einfach mittels seiner Nase feststellen kann, dass sie übelriechend ist.“

— Schlesinger

PS.: Was es mit dem obigen Tier auf sich hat? Eigentlich nichts Besonderes. Es ist nur ein Schwein. Ein Wildschwein, um genau zu sein. Und es ging um Bushs Irakpolitik. Mehr nicht. Was dachten Sie?

(Photo: © Vetea TOOMARU - Fotolia.com)